Bomben und Stromausfälle: Wie lebt es sich derzeit in Kiew?

Shownotes

Manchmal tagelang, manchmal stundenlang keinen Strom, der Sound von Generatoren prägt die Stadt: „Presse“-Redakteurin Jutta Sommerbauer hat ein paar Tage in der Ukraine verbracht. Wie geht es den Menschen vor Ort? Wie schaffen sie es, einen normalen Alltag aufrechtzuerhalten? Ist das überhaupt möglich, wenn immer wieder der Strom weg ist?

Gast: Jutta Sommerbauer, „Die Presse“ Host: Eva Winroither Schnitt: Audiofunnel/Dominik Lanterdinger

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Transkript anzeigen

00:00:05: Sie haben eben einen Bombenalarm in der ukrainischen Hauptstadt Kiev gehört.

00:00:25: Aufgenommen hatte meine Kollegin Jutta Sommerbauer, die erst kürzlich fünf Tage in der Ukraine verbracht hat.

00:00:32: Sommerbauer hat sich bei ihrem Besuch nicht nur auf den Korruptionskandal rund um die ukrainische Führungsspitze konzentriert, oder darauf, wie die Ukrainer die laufenden Friedensverhandlungen sehen, sondern auch auf den Alltag der Menschen.

00:00:47: Wie lebt er sich in der ukrainischen Hauptstadt?

00:00:50: Kiew ist ja derzeit so, wie viele andere Städte auch, von massiven Luftangriffen betroffen.

00:00:56: Denn die Russen zerbomben gezielte Infrastruktur.

00:01:00: Tagelange Stromausfälle sind die Folge.

00:01:03: Der Lärm von Generatoren regt schon längst die Soundkulisse der Stadt.

00:01:08: Aber wie es genau dort läuft, wird Miyuto Sommerbar gleich selbst erzählen.

00:01:12: Ich habe sie heute im Studio eingeladen.

00:01:14: Mein Name ist Eva Wienreuter

00:01:16: und

00:01:16: das ist, was wichtig ist.

00:01:21: Hallo Jutta.

00:01:23: Hallo Eva.

00:01:24: Jutta, du warst vor kurzem wieder in der Ukraine.

00:01:27: Wie kam denn die Reise zustande?

00:01:29: Und vor allem, wie kommt man denn dahin?

00:01:31: Wie reist man in so ein Kriegsgebiet mittlerweile?

00:01:34: Also meine letzte Reise in die Ukraine war einfach schon drei Monate her.

00:01:38: Und es ist relativ viel passiert in den letzten Wochen und deswegen war es wieder mal notwendig, in die Ukraine zu reisen und auch so von vor Ort ein Update zu bekommen.

00:01:50: Das ist sozusagen der Hintergrund.

00:01:52: Und ja, wie reist man in die Ukraine?

00:01:55: Bekanntlich gibt es schon seit fast vier Jahren keine Flugverbindungen mehr in das Land.

00:02:00: Das heißt, man muss auf Bus oder Zug ausweichen.

00:02:04: Also ich habe dieses Mal den Zug genommen, ich bin von Wien nach Kiew mit dem Zug gereist.

00:02:09: Es gibt sowohl direkte Züge, wo man wirklich in Wien einsteigt und dann in Kiew, vierundzig Stunden später aussteigt.

00:02:16: Ich habe es ein bisschen anders gemacht dieses Mal.

00:02:18: Ich bin von Wien mit dem Euro City nach Pschemischel gefahren.

00:02:22: Ein großartiger Zug.

00:02:23: Das sind witzigerweise oft so die Panorama wegen der Schweizer Bahn.

00:02:28: Und da kann man dann wirklich ganz toll aus dem Zugfenster schauen und so durch die polnische Weite fahren.

00:02:34: Und dann bin ich von Pschemischel an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren.

00:02:39: Mit dem Taxi bin zu Fuß über die Grenze gegangen, dann mit dem Taxi nach Lviv, das ist ja in der Westukraine, und von dort habe ich wieder einen Zug nach Kiev genommen.

00:02:50: Das heißt, ich habe so ein bisschen die Zugreise unterbrochen, einfach weil man so eigentlich am schnellsten ist.

00:02:57: Und ja, alles zusammen hat diese Reise dann trotzdem vierundzwanzig Stunden gedauert.

00:03:03: Warum ist man schneller, wenn man die Grenze zu Fuß überquert?

00:03:07: Ja, weil die Züge relativ lang warten müssen wegen dieser Grenzabfertigung.

00:03:12: Also da sitzt man dann irgendwie so oft drei, vier Stunden.

00:03:16: Also man hat es einfach nicht selber sozusagen.

00:03:18: Man kann selbst nicht bestimmen, wie lang das dauert.

00:03:21: Und ja, ich bewege mich dazwischen auch ganz gern mal.

00:03:24: Also, vierundzwanzig Stunden nur auf einem Zugsitzplatz zu sitzen ist auch ein bisschen ... einschränkend.

00:03:31: und deswegen mache ich das gerne so, weil man dann eigentlich das Tempo selbst bestimmen kann.

00:03:36: und eben bei dem, also zu Fuß sozusagen, da nicht so viele Leute unterwegs sind.

00:03:42: Sonst gibt es ja sehr lange Schlangen, vor allem was Auto und Busse angeht.

00:03:46: Also da kann es sein, dass man fünf, acht, zehn Stunden warten muss.

00:03:52: Deswegen, ja, ist das so, also ist das so.

00:03:55: ein Lifehack für mich dieser.

00:03:58: Grenzübergang zu Fuß, kann ich empfehlen.

00:04:04: Und wie geht einem?

00:04:05: Also wenn man einfach weiß, okay, jetzt ist man irgendwann in Kiew, man ist im Kriegsgebiet, was macht das mit einem?

00:04:12: Grundsätzlich ist eigentlich schon mit dem Grenzübertritt weiß man, dass man jetzt nicht mehr, also das... dass vieles passieren kann, sagen wir mal so.

00:04:22: Also aus Polen, einem NATO-Land, da fühle ich mich eigentlich sehr gut geschützt.

00:04:26: Aber wenn man dann eben über die Grenze geht und dann in der Ukraine ist, weiß man, dass es eben zu Luft schlägen kommen kann.

00:04:34: Also ich war jetzt ja diesmal nicht im Kriegsgebiet, da war ich das letzte Mal im Herbst, also im Donbass.

00:04:41: Nur in Kiew, also in Lämberg und in Kiew.

00:04:44: Aber man ist ja trotzdem vom Luftkrieg betroffen in diesen Städten.

00:04:48: Das heißt, es gibt regelmäßig Luftangriffe.

00:04:53: Und das ist natürlich schon ein Gefühl der Unsicherheit, der Unwegbarkeit, dass man da hat.

00:05:00: Und was macht man, wenn man dann eben im Zug ist und dann das letzte Stickerl fordert und man hört irgendwie die Serene, du kannst nichts machen, du musst einfach hoffen, dass nichts passiert, oder?

00:05:10: Ganz genau, also im Zug ist man eigentlich gefangen.

00:05:13: Das ist natürlich ein bisschen beglemmend, weil es haben vor allem auch die Luftangriffe auf Eisenbahnnotenpunkte zugenommen.

00:05:21: Also schon seit mehreren Wochen und Monaten bombardiert Russland, ganz gezielt das Eisenbahnnetz.

00:05:28: Und ja, dadurch ist natürlich auch eine Zugfahrt jetzt so ein bisschen... Mulmig aber ich beobachte da einfach auf dem Handy was sozusagen da gerade passiert.

00:05:40: also es gibt ja sehr gute so informationskanäle die darüber informieren wo gerade welche drohnen welche raketen unterwegs sind was sozusagen zu erwarten ist und von daher weit kann man dann eigentlich die eigene situation ganz gut einschätzen ja aber es ist ja es ist nicht so angenehm das stimmt.

00:06:02: Was war denn dieses Mal dein Plan?

00:06:04: Wen hast du besucht und wen hast du getroffen?

00:06:06: Also

00:06:06: ich hatte eigentlich drei große Themen, die ich mir vorgenommen habe.

00:06:10: Krieg und Frieden sozusagen.

00:06:12: Wie ist auch der ukrainische Blick auf diese Friedensverhandlungen?

00:06:15: Wie ist die Lage an der Front?

00:06:18: Das zweite war die Korruptionsthematik.

00:06:21: Die ukrainische Spitze wurde ja erschüttert von einem Korruptionsskandal und da hat mich eben auch interessiert, was Oppositionelle... Gruppen, was Antikorruptions-Experten zu diesem Thema sagen, also ist das jetzt ausgestanden für Zelensky oder nicht.

00:06:38: Und das dritte große Thema waren eben diese Energie, also die russischen Luftangriffe auf Energie, Infrastruktur der Ukraine, was eben massive Stromabschaltungen zur Folge hat und was die Menschen auch in ihrem Alltag sehr beeinträchtigt.

00:06:54: Und also rund um diese drei Themen.

00:06:57: Klaster habe ich, habe ich Geschichte gemacht und mit Menschen gesprochen.

00:07:01: Und wir wollen

00:07:02: heute vor allem über Letzteres reden, nämlich wie lebt es sich quasi halt einfach auch im Kriegsgebiet oder im Kriegs-, in Kiew eigentlich, dass ja jetzt gar nicht direkt die Front ist.

00:07:12: Aber

00:07:13: doch eben von, ja, in einem, vom Krieg betroffenen Land würde ich ganz allgemein sagen, genau.

00:07:18: Du hast, ich hoffe, ich spreche den Namen richtig aus, Volody Mir Haverilei.

00:07:23: getroffen, ein Chefer-Mitgründer der ukrainischen Klinik-Kette

00:07:27: Likuyu.

00:07:28: Was erzählt er, wie versuchen denn die Kier für den Krankenhaushalt am Leben zu erhalten?

00:07:33: Genau, diese Kette, also man muss sich das so vorstellen, das sind so Tageskliniken, die diese Kette betreibt in vielen verschiedenen Standorten, eben auch Dutzertöne.

00:07:43: Dutzende davon in Kiew.

00:07:46: Und ich war da in so einer Tagesklinik, um zu sehen, wie der Alltag von Ärzten von Medizinern aufrecht erhalten wird, wenn es bis zu vierzehn Stunden Stromabschaltungen gibt.

00:07:57: Das war die Lage, als ich dort war.

00:07:59: Da gab es kurz zuvor einen massiven Luftangriff auf die Ukraine und also auch im Gebiet Kiew.

00:08:06: Aber sozusagen, wenn das also ... Wenn Raketen fallen auf Energieeinrichtungen, dann sind meistens alle davon betroffen.

00:08:17: Und da habe ich mir eben angesehen, wie die mit diesen Einschränkungen umgehen.

00:08:21: Und dadurch, dass ja so ein Mini, so ein Mini-Krankenhaus, so eine Klinik natürlich auch eine kritische Infrastruktur ist, haben sich die schon sehr gut vorbereitet auf diese Situation.

00:08:33: Also die verfügen über Generatoren, die zum Einsatz kommen, wenn eben dann der Strom abgeschalten wird.

00:08:41: Die haben große Speichermedien, wo eben dann auch medizinische Geräte weiterlaufen können.

00:08:47: Also auch in dem Moment, wo der Strom sozusagen nicht mehr aus der Steckdose kommt, tritt dann so eine Riesenbatterie, muss man sich das vorstellen, in Aktion, damit eben auch zum Beispiel im Labur Untersuchungen durchgeführt werden können, damit ja auch so Patienten empfangen werden können.

00:09:06: Und als ich dort war, gab es auch gerade wieder so eine Strom.

00:09:11: Abschaltung, aber es konnten trotzdem Patienten kommen, Ärzte konnten Untersuchungen machen.

00:09:17: Und wie gesagt, man hat sich da schon ganz gut eigentlich darauf eingestellt.

00:09:22: Das ist vor allem zu beobachten, eben bei solchen Einrichtungen, ja, also Krankenhäuser, Schulen, öffentliche Gebäude.

00:09:34: Aber auch Cafes oder Restaurants, die verfügen eigentlich alle über Generatoren, mit denen sie dann diese Stromabschaltungen überbrücken können.

00:09:44: Und das ist natürlich laut, das Romort, das Brummt.

00:09:49: Mir hat auch eine Kieferin gesagt, dass sie dieses Brummen der Generatoren schon nicht mehr ausstehen kann, nicht mehr aushalten kann, weil es sie eben auch so erinnert an diese Situation.

00:10:01: Und natürlich ist es so, dass Menschen, die in Wohnhäusern wohnen, die keine eigenen Häuser haben, sich nicht solche Generatoren, also kann man sich ja nicht jetzt ins Zimmer stellen, nicht?

00:10:13: Also gerade solche größeren Einrichtungen haben es da vielleicht ein bisschen leichter, wenn sie auch die Finanzkraft haben, um sich so einen Generator, der ja auch mehrere Tausend Euro kostet, eben anschaffen zu können.

00:10:26: Und für private... ist es da oft schwieriger, mit so was umzugehen.

00:10:32: Die leben dann im Dunkeln oder halt mit Taschenlampen und Kerzen, was auch immer.

00:10:37: Genau, also mir ist aufgefallen, dass es... Es waren ja tatsächlich massive Stromausfälle, als ich dort war.

00:10:45: Und mir ist da aufgefallen, dass viele Menschen eigentlich die Zeit in Cafés verbracht haben.

00:10:50: Also ich war in so einem Café-Buchhandlung, wo ich mich mit einer Abgeordneten getroffen habe.

00:10:56: Und da ist mir aufgefallen, dass in den ganzen umliegenden Tischen eigentlich Frauen, Männer saßen, die haben Arbeitstreffen abgehalten, die haben eine Zoom-Konferenz durchgeführt, die haben etwas geschrieben.

00:11:07: Wahrscheinlich war bei denen zu Hause der Strom gerade auf.

00:11:10: Und es wird dann halt relativ schnell ungemütlich.

00:11:15: Und so versuchen dann Menschen das zu überbrücken.

00:11:18: Ja, also Frauen haben ja auch erzählt, dass sie dann zum Beispiel was weiß ich in der Nacht waschen müssen.

00:11:25: Also wenn halt gerade Strom da ist oder für die Kinder vorkochen müssen.

00:11:31: Genau.

00:11:32: Und ja, man greift das so zu verschiedenen Behälfen.

00:11:35: Also es gibt natürlich Lampen, die sind Batterie betrieben.

00:11:39: Man kann sich auch so eben so einen Akkumulator zulegen.

00:11:43: Das kostet halt auch was, wo man dann versucht, eben Geräte damit zu betreiben, also was für sich den Kühlschrank oder den Computer.

00:11:52: Wenn dann der Strom wieder da ist, heißt es als erstes sofort alles aufladen natürlich, damit man wieder für die nächste Phase gewappnet ist.

00:12:02: Und es ist natürlich auch sehr unterschiedlich, je nachdem, was in einer Wohnung alles mit Elektrizität betrieben wird.

00:12:08: Also wenn man einen Gasherd hat, hat man es vergleichsweise gut, wenn man aber einen E-Herd hat.

00:12:13: Ja, blöd.

00:12:15: Und so weiter und so fort.

00:12:17: Also da gibt es sehr viele, wie soll ich sagen, Aspekte.

00:12:22: Aber natürlich ist es so, dass es diese Stromausfälle, den Alltag sehr erschweren.

00:12:29: dass die Menschen natürlich auch müde werden, geschafft sind und man einfach versuchen muss, da zu improvisieren jeden Tag.

00:12:39: Mittlerweile muss ich auch dazu sagen, hat sich die Lage ein bisschen verbessert.

00:12:43: Also ich habe gerade eben geschaut und jetzt wird nur unter Anführungszeichen in Kiew der Strom nur noch für acht Stunden abgestellt derzeit.

00:12:52: Also nach so großen Angriffen dauert das halt auch immer mehrere Tage, bis ja auch das Energienetz wieder stabilisiert ist und bis wieder sozusagen mehr Energie zur Verfügung steht.

00:13:05: und dann die Lage sich ein bisschen verbessert.

00:13:11: Momentan ist aber zum Beispiel gerade Odessa sehr betroffen, weil es da eben vor ein paar Tagen erst massive Angriffe gegeben hat.

00:13:20: Und man muss sich das so vorstellen, dass das halt immer so, wie soll ich sagen, Reihe umwechselt, ja?

00:13:25: Einmal ist Kierf im Fokus, dann Odessa, dann Kremenchuk, dann Louisv, also das geht so.

00:13:33: reihum.

00:13:34: Also Russland versucht immer wieder so gezielte Schläge zu machen.

00:13:40: Ist halt dann zwischen ein paar Tage Ruhe und dann kann wieder etwas kommen, leider.

00:13:46: Also die Idee ist, die Bevölkerung zu zermürben, ne?

00:13:49: Ja, also man muss sagen, diese Luftschläge, das sind Terrormaßnahmen, dienen natürlich zur Zermürbung der Menschen, dass sie, ja ... Also die Hoffnung dahinter, das Kreml ist wohl, dass die Ukraine dann halt klein beigeben, nachgeben, sozusagen Druck auf die eigene Regierung ausüben, den russischen Forderungen nachzugeben und so weiter.

00:14:18: Und natürlich, also es wird natürlich auch, wenn Energieinfrastruktur angegriffen wird, wird natürlich auch die Industrie getroffen und natürlich auch... Rüstungsproduktion, wenn man so will.

00:14:30: Aber es ist eben viel breiter als nur diese Branche.

00:14:34: Es betrifft einfach jeden und jede.

00:14:37: Hast du das Gefühl, dass es, dass es wirkt, dass die Leute zermürbt sind und dass eben dadurch mehr Druck auf Selensky und Co.

00:14:44: ausgeübt

00:14:44: wird?

00:14:45: Nein, habe ich nicht.

00:14:46: Nein, natürlich sind die Menschen zermürbt, aber das heißt nicht, dass sie bereit sind, da deswegen nachzugeben.

00:14:52: Also mir kommt eher vor, dass so dieser fortgesetzte Luftkrieg eigentlich eher die Positionen verhärtet.

00:15:00: Also kann ich nicht erkennen.

00:15:04: Wie kann man sich denn das vorstellen?

00:15:05: Wie oft wird Kier vom Bombenheim gesucht?

00:15:07: Habe ich da einen Alarm?

00:15:09: dreimal am Tag die ganze Nacht?

00:15:13: Wie spielt sie das ab?

00:15:15: Diese wirklich großen Luftschläge, die finden jetzt schon nicht so oft statt.

00:15:21: Vielleicht kann man, also das ist unterschiedlich, aber man kann sagen vielleicht einmal in der Woche oder alle zehn Tage.

00:15:28: Aber Alarme, also den Luftalarm hört man natürlich viel öfter, weil der auch gesetzt wird, wenn zum Beispiel Drohnen über das Gebiet fliegen.

00:15:38: Ja oder eben also sich in der Nähe etwas vorbeifliegt.

00:15:42: also das hat man natürlich öfter diesen diesen Luftalarm und da ist dann immer gleich der erste Blick aufs Handy sozusagen wie ernst ist es?

00:15:51: ja?

00:15:51: also muss ich sofort in den Schutzkeller gehen oder.

00:15:56: Soll ich sagen, fliegt ein Drohnen-Schwarm eher vorbei.

00:16:01: Aber so richtig, also diese richtig großen kombinierten Attacken, die sind meistens, bestehen die aus mehreren Hundert Drohnen, gefolgt von Raketen, das richtet sich eben immer so gegen, also das ist zielgerichtet dann auf einzelne Städte.

00:16:18: Und als ich dort war, fand das einmal startig, war fünf Tage dort, genau.

00:16:24: Es kann auch morgen wieder stattfinden.

00:16:28: Und dann ab in den Luftschutzkeller.

00:16:30: Ja, also wenn es wirklich so eine imminente Gefahr gibt, natürlich.

00:16:35: Es gibt Metro-Stationen, haben dann auch in der Nacht geöffnet, wo Menschen hingehen können, wenn sie zum Beispiel selbst, also in ihren Wohnhäusern über keine Schutzräume verfügen.

00:16:46: Es gibt natürlich eben solche Luftschutzkeiler, auch teilweise sind, also Schulen sind damit auch schon ausgerichtet, also die sind dann auch offen, man kann dann da hingehen.

00:16:57: Und ich suche zum Beispiel meine Hotels natürlich auch nach diesen Kriterien aus, also dass die gut gelegen sind, jetzt nicht gerade neben einem Heizkraftwerk und eben auch solche Schutzräume.

00:17:11: über solche Schutzräume verfügen.

00:17:13: Ja, auf sowas muss man dann schon schauen, natürlich.

00:17:16: Oder neben einer Metrostation zum Beispiel.

00:17:21: Also wo ist dann egal Hauptsache in meiner Schutzkelle?

00:17:25: Ja, also wenn man weiß, dass jetzt so eine massive Attacke kommt, dann... Dann heißt es ab in den Schutzkeller.

00:17:33: Es ist einfach dann, natürlich ist Kiew eine große Stadt.

00:17:37: Natürlich kann man sagen, das Risiko, dass man ausgereichtene selbst getroffen wird, ist sehr klein.

00:17:43: Aber ich habe dieses Mal auch mit einem jungen Mann gesprochen, der einfach in einem Plattenbau gewohnt hat mit seiner Familie.

00:17:52: Und da ist im Sommer eine Rakete eingeschlagen.

00:17:55: Und natürlich hat sich seine Familie auch gedacht, na ja, uns wird es schon nicht treffen.

00:18:00: Es ist passiert, die Rakete ist sozusagen neben der Wohnung eingeschlagen.

00:18:04: Also die Wohnung, wo sie gewohnt haben, die ist noch heil.

00:18:10: Aber das ist also ein wahnsinniges Glück natürlich.

00:18:13: Und er hat gesagt, er hat das Gefühl, er hat wie ein Leben geschenkt bekommen.

00:18:18: Wie lebt man weiter nach so einem Ereignis?

00:18:35: Du hast frei das Handy erwähnt, das heißt das Handy ist eigentlich das absolute Überlebens-Tool.

00:18:40: Sehr wichtig, ja genau.

00:18:42: Die richtigen Infokanäle zu abonnieren und dann eben ja da auch immer zu schauen, das zu beobachten.

00:18:50: Das ist Information, ist sehr wichtig natürlich, ja.

00:18:56: Und je länger das Stromausfall dauert, desto weniger ist das Handy.

00:19:00: quasi mobil unter Anführungszeichen, weil irgendwann geht dem halt auch der Strom aus.

00:19:04: Naja, deswegen muss man da auch immer mit, also ich fahre in die Ukraine nur mit solchen, wie nennt man das, so große Auflade, Power Banks, genau, ich fahre in die Ukraine natürlich nur mit großen Power Banks und ja.

00:19:19: Ich hatte diesmal auch eine Mathe und einen Schlafsack dabei, weil ich mir gedacht habe, naja, wenn ich wirklich zum Beispiel, ich weiß nicht, in die Methode so gehen muss, dann will ich mich da, will ich auch nicht frieren, will mich da irgendwie hinlegen.

00:19:31: Ich habe es zum Glück nicht gebraucht.

00:19:33: Aber wie gesagt, ich möchte jetzt auf meiner Erfahrung nicht so hervortun.

00:19:37: Ich bin fünf Tage dort und andere Menschen machen das seit vier Jahren mit.

00:19:44: Also das ist überhaupt kein Vergleich.

00:19:47: Ein paar Tage lang kann man sich da schon darauf einstellen, aber wenn man damit wirklich immer zu tun hat, seht das natürlich auch an den Nerven.

00:19:56: Wie geht es den Menschen psychisch?

00:19:58: Sind da nicht so was wie Angstkrankheiten und Depressionen an der Tagesordnung?

00:20:03: Das hat natürlich schon zugenommen.

00:20:05: Das muss man ganz klar sagen.

00:20:06: Ich habe auch mehrere Menschen getroffen, die mir gesagt haben, dass sie jetzt Medikamente einnehmen.

00:20:12: Ein Arzt aus diesem Krankenhaus, von dem wir Eingangs gesprochen haben.

00:20:16: Ein Kinderarzt hat mir auch erzählt, dass eben gerade bei Kindern angstzustehende Unruhe zugenommen haben, dass die Kinder natürlich auch sehr aufwühlt.

00:20:29: Ja, die kriegen das natürlich auch mit bei den Erwachsenen und überhaupt im Alltag sozusagen.

00:20:36: Ja, das ist natürlich ein großes Thema.

00:20:39: Mir ist aufgefallen in der U-Bahn, gab es Werbeplakate einerseits natürlich von so Kosmetik, dann von der Armee und dann von so Beruhigungsmitteln.

00:20:52: Das sind jetzt, das ist sozusagen die, ja.

00:20:57: die Produkte oder die Dinge, die jetzt wichtig sind in der Ukraine.

00:21:02: Was ich aber auch beobachtet habe, ist, dass Kiv natürlich schon eine Großstadt ist, die nach wie vor sehr lebendig ist.

00:21:11: Es ist vor Weihnachtszeit.

00:21:13: Es gab durchaus auch an manchen lokalen oder Kaufhäusern Weihnachtsbeleuchtung, Weihnachtsschmuck.

00:21:21: Das ist dann umso schräger, wenn es keine Straßenlampen gibt, wenn die Straßenlampen ausfallen und plötzlich hat man dann nur bei diesem Café eine Festbeleuchtung.

00:21:34: Es ist natürlich total schräg, wenn man da durchgeht in der absoluten Dunkelheit und plötzlich leuchtet dann irgendwann Weihnachtsmann.

00:21:42: Aber was ich damit sagen will, ist, dass die Stadt nach wie vor fast reibungslos funktioniert und natürlich gerade jetzt auch solche Einrichtungen wie Theater, Kino, auch Restaurants, also sehr wichtig sind, weil natürlich die Menschen daraus auch eine bestimmte Kraftziehen, positive Erlebnisse haben und so.

00:22:07: Also die Kultur ist eigentlich sehr wichtig geworden und hat erfüllt, glaube ich, gerade in Kriegszeiten so eine wichtige Lebensfunktion.

00:22:20: Also auch lachen und ein bisschen Also den Sport machen oder versuchen den Aldrig ein bisschen aufrecht zu erhalten?

00:22:28: Ja

00:22:28: natürlich, man muss sich auch ablenken, man muss sozusagen auch versuchen sein eigenes Leben zu führen, trotz allem.

00:22:38: Also sonst heißt das ja, dass man sich aufgibt.

00:22:42: Also genau, was du gesagt hast, Sport, ins Fitnessstudio gehen.

00:22:46: täglich Routinen zu haben, sich mit Freunden treffen und so.

00:22:51: Also ich glaube, das hat in Kriegszeiten eine ganz, kriegt das nochmal eine besondere Tiefe und eine neue Bedeutung.

00:22:58: Und natürlich gibt es in der Ukraine Debatten darüber, was okay ist in Kriegszeiten.

00:23:04: Also soll man ein, weiß nicht, Theater unterhalten, soll man Geld für sowas, also soll der Staat.

00:23:12: Geld für sowas ausgeben.

00:23:14: Wobei, da wurden natürlich die Ausgaben eh gesenkt.

00:23:17: Aber es wird natürlich über so etwas diskutiert, aber ich glaube schon, dass es ein Konsens ist, dass es sowas auch braucht.

00:23:24: Gibt es eine Geschichte, die besonders im Kopf geblieben ist?

00:23:28: Ich war an einem Tag im Zirkus.

00:23:35: In den Ländern der früheren Sowjetunion gibt es eine starke Zirkustradition.

00:23:40: In der Sowjetunion wurden überall große Zirkusgebäude gebaut und so hat auch Kiew ein riesengroßes, fixes Zirkus.

00:23:52: Zelt aus Stein sozusagen.

00:23:55: und dieser Zirkus funktioniert noch immer.

00:23:57: und ich war da an einem Sonntagnachmittag und da kamen dann wirklich hunderte Kinder mit ihren Eltern zu dieser Zirkusvorstellung, wo Artisten Krapets an Seilen Kunststücke vollbracht haben, wo auch ein paar Tiere durch die Manege.

00:24:16: gewackelt sind.

00:24:18: und das war wirklich also für mich ein sehr berührendes Erlebnis, weil ja, weil also für eineinhalb Stunden sozusagen der Krieg draußen war, weg war und einfach so Begeisterung und Lachen sozusagen das bestimmt hat und das fand ich sehr, es hat mich sehr berührt.

00:24:43: Und auch dein Beispiel, wie wichtig das eben jetzt gerade ist, um wegzukommen vom Krieg.

00:24:48: Genau, zumindest für kurze Zeit und zumindest auch ein paar unbeschwerte Momente zu genießen.

00:24:55: Genau, ich glaube, das ist schon sehr wichtig.

00:24:59: Gerade in einer Stadt, wo das eben möglich ist.

00:25:02: Also wenn wir von so Frontgebieten sprechen, das ist ja dort sowieso nicht möglich.

00:25:06: Dort sind ja solche Menschen an Sammlungen sowieso untersagt und wären auch viel zu gefährlich.

00:25:13: Und wenn ein Luftalarm tagsüber wäre, dann müsste dieser Zirkus auch also die Vorstellung abbrechen und geräumt werden.

00:25:21: Aber alle, die dahin gehen, hoffen dann auch immer, dass es sozusagen wirklich die ganze Vorstellung durchhält und dass sie nicht die Vorstellung unterbrechen wird.

00:25:34: Unabhängig davon sind am Sonntag in Berlin Gespräche zwischen ukrainischen und US-amerikanischen Unterhändlern angelaufen in Hinblick auf Friedensverhandlungen.

00:25:44: Was ist in der derzeit der Stand der Dinge?

00:25:46: Genau, diese Verhandlungen fanden in Berlin statt und ganz wichtig, es waren natürlich auch europäische Politiker dabei, die versucht haben, also was das Ziel dieser Gespräche war, war sozusagen gemeinsame Punkte zu entwickeln, die für Amerikaner, Ukraine und Europäer annehmbar sind.

00:26:08: und es gab dann eigentlich ganz positive Signale aus Berlin, also vom deutschen Kanzler, aber auch vom ukrainischen Präsidenten, dass man sich doch auf einiges geeinigt hat und ich denke allein das ist schon mal eine gute Nachricht in diesen Zeiten.

00:26:23: Wir erinnern uns vor nicht allzu langer Zeit, wurde von den USA dieser achtundzwanzig Punkteplan präsentiert, der doch für die Ukraine sehr viele negative Konsequenzen gehabt hätte.

00:26:36: Und wenn man sich jetzt ansieht, was da in Berlin diskutiert wurde, dann stimmt das zumindest ein bisschen optimistischer.

00:26:44: Da ist nämlich auch die Rede von umfassenden Sicherheitsgarantien für die Ukraine, auch die Idee einer Friedensgruppe wurde wieder... aktualisiert, also nicht zum ersten Mal, aber es wurde jetzt auch in so einer Erklärung festgehalten, dass eben europäische Staaten so eine Friedensdruck bestellen wollen.

00:27:07: Es ist die Rede von Mechanismen zur Überwachung eines Waffenstillstands und auch ja von einer Stärkung und Förderung der der ukrainischen Armee.

00:27:19: Und das sind jetzt eigentlich mehrere Punkte, die für die Ukraine sehr wichtig sind.

00:27:24: Und das ist eben ein positives Signal, dass sich da jetzt Amerikaner, Europäer und Ukraine auf das verständigt haben.

00:27:31: Also ich würde das sehen, wie so eine Art Diskussion, also eine Art Grundlage dieser Staaten damit in die Diskussion zu gehen.

00:27:39: Und natürlich muss das jetzt wieder Russland vorgelegt werden.

00:27:44: Ja.

00:27:45: Russland hat auch klar gemacht, dass es, oder schon früher klar gemacht, dass es wahrscheinlich, also mit diesen, auf diese Vorschläge, also eher negativ reagieren, also man will sagen, warte mal, das muss ich anders formulieren.

00:27:58: Also was Moskau zu diesen Vorschlägen sagen wird, ist natürlich offen, aber von früheren Etappen kann man sagen, dass es wahrscheinlich... eher kritisch darauf reagieren wird, sagen wir mal so.

00:28:10: Aber ich denke, dass wirklich wichtig ist in dem Zusammenhang, dass sich mal jetzt eben Europäer, Amerikaner, Ukrainer da auf einige Grundsatzpunkte geeinigt haben und dass man nicht immer wieder das Rad neuer findet.

00:28:25: Also das wäre wichtig.

00:28:27: Du hast das eh schon bei deiner letzten Podcastfolge gesagt, genau das ist jetzt einmal der erste Schritt.

00:28:32: Genau, genau.

00:28:36: Also wie entscheidend diese Berliner Verhandlungen in Zukunft sein werden, ob wir uns einmal daran erinnern werden und ob das zu einem geflügeltem Wort wird, das kann man natürlich jetzt noch nicht sagen.

00:28:50: Aber ich denke, es ist schon eine wichtige Etappe.

00:28:55: Alles klar.

00:28:56: Danke Jutta.

00:28:56: Gerne Eva, danke für die Einladung.

00:29:01: Ja und das war's für heute.

00:29:03: Die Reportagen von Jutta Sommerbauer können Sie wie gewohnt auf diepresse.com nachlesen.

00:29:09: Ihr noch ein Hinweis in eigener Sache.

00:29:11: Wundern Sie sich nicht, warum Sie meine Stimme in nächster Zeit nicht mehr hören werden?

00:29:15: Ich verabschiede mich in die Karinns.

00:29:17: Meine Kollegen Anna Wallner, Christine Meyerhofer und Clemens Patek werden aber wie gewohnt für Sie da sein.

00:29:24: Ich bin Eva Wienreuther, schön, dass Sie uns zugehört haben und

00:29:27: bis bald!

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