Proteste im Iran: Warum die Panik in Teheran immer noch groß ist
Shownotes
Gast: Thomas Seibert, Korrespondent "Die Presse" in Istanbul
Moderation: Anna Wallner
Schnitt: Audiofunnel/Dominik Lanterdinger
Der Iran befürchtet ein Täuschungsmanöver von Donald Trump Irans Kurden: „Wir können Schah-Sohn Pahlavi nicht als Anführer der Opposition akzeptieren“ Exil-Iraner in Österreich: „Ich habe keine Antwort, ich habe nur Hoffnung“
Seit drei Wochen gehen im Iran Millionen Menschen auf die Straße, aber die iranische Führung schlug die Unruhen brutalst nieder. Auch wenn es nun angeblich einen Deal mit den USA gibt, ist das Regime erschrocken, sagt Thomas Seibert. Er beobachtet die Ereignisse im Iran aus Istanbul und ist Gast in dieser Folge.
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Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:09: Gut drei Wochen lang sind im Iran Millionen Menschen auf die Straße gegangen.
00:00:14: Und zwar um sich gegen die Machthabenden zur Wehr zu setzen.
00:00:17: Das Muller-Regime allerdings schlug diese Unruhen so brutal zurück wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
00:00:23: Menschenrechtsorganisationen berichten von Polizisten und Revolutionsgarten, die in Demonstrationszüge gefeuert haben und von Scharfschützen, die von Dächern ausgezielt Menschen töteten.
00:00:35: Genau diese Menschenrechtsorganisationen vermuten auch Todeszahlen von bis zu drei Tioßendfünfhundert seit dem achtundzwanzigsten Dezember.
00:00:42: Wegen der seit einer Woche herrschenden landesweiten Internetsperre ist es allerdings schwierig, die Gesamtzahl der Toten genau zu ermitteln.
00:00:50: Exil Iraner jedenfalls haben keinen oder nur kaum Kontakt zu ihren Verwandten und Freunden.
00:00:56: Und die USA hat dem Regime mehrfach mit Luftangriffen gedroht.
00:01:01: Seit gestern gibt es aber angeblich einen Deal.
00:01:03: Der Iran verzichtet auf Hinrichtungen, im Gegenzug gibt es keine neulichen Bombardments, die Opposition fühlt sich von den USA jedenfalls verraten und die iranische Führung kann jetzt zu tun, als habe es nur einen kleinen Betriebsunfall gegeben.
00:01:17: So beschreibt das unser Korrespondent Thomas Seibert.
00:01:21: Er lebt und arbeitet seit fast zehn Jahren in Istanbul und berichtet von dort über den Iran.
00:01:30: Und das ist, was wichtig ist, der Nachrichten-Podcast der Presse.
00:01:33: Mein Name ist Anna Wallner, zu Gast ist heute eben Jena Thomas Seibert.
00:01:38: Wir beide haben dieses Gespräch allerdings noch vor dem jüngsten Deal der Amerikaner mit der iranischen Führung aufgezeichnet.
00:01:44: Luftangriffe der USA scheinen ja derzeit vom Tisch zu sein, dennoch habe ich Seiberts Antwort zu den verschiedenen Szenarien, die die USA nun haben, drin gelassen, weil ich sie einfach spannend finde.
00:01:55: Seibert erklärt uns, was diese Proteste im Iran von allen bisherigen unterscheidet?
00:02:01: Was man sagen kann, ist, dass überhaupt zum ersten Mal in einem Aufstand dieser Art in den letzten Jahrzehnten Mitglieder der Sicherheitskräfte erschossen werden.
00:02:12: Das heißt, einige Demonstranten zumindest sind bewaffnet.
00:02:15: Das hat man bis jetzt so nicht gesehen im Iran.
00:02:19: Und er erklärt, wieso die Panik des Regimes in Teheran groß ist, auch wenn es nun so aussehe, als habe es die Lage wieder im Griff.
00:02:28: Seibert gibt aber zu bedenken,
00:02:30: Solche Systeme wie der Iran, wo die Entscheidungsprozesse, die Machtstrukturen so undurchschaubar sind von außen, wirken oft sehr, sehr stark, bis sie plötzlich zusammenbrechen.
00:02:43: Einen Sturz hält er derzeit für eher unwahrscheinlich.
00:02:46: Aber die Frage ist, mit der beginnen wir jetzt auch, wie bedrängt ist denn das Regime seiner Meinung nach wirklich?
00:02:56: Jedenfalls beträngte er als bei anderen Protesten der vergangenen Jahre.
00:03:00: Wir erinnern uns an das Jahr zwanzig.
00:03:03: Damals gingen ja auch Millionen Leute auf die Straße im Herbst zwanzig nach dem Tod einer jungen Frau im Gewahrsam der Religionspolizei.
00:03:12: Sie hatte angeblich ihr Kopftuch nicht richtig aufgesetzt.
00:03:16: Das brachte damals sehr, sehr viele Leute auf die Straße.
00:03:20: Allerdings war das dann nach einigen Wochen wieder vorbei, weil eben nur ein Teil der Bevölkerung sich über diese Sachen aufregten.
00:03:30: Es gibt halt auch sehr viele konservative Iraner, für die das Kopftuch kein Problem ist.
00:03:36: Der Unterschied zu heute besteht darin, dass seit Ende Dezember Bevölkerungsgruppen auf der Straße sind im Iran, die normalerweise sich nicht so leicht mitreißen lassen.
00:03:48: Das Ganze ging los.
00:03:50: im Basarviertel, im Händlerviertel von Tehran.
00:03:55: Das war zunächst ein Aufstand von kleineren Geschäftsleuten, die vor allen Dingen Handys verkaufen.
00:04:02: Und die wurden durch die Abwertung der Landeswertung real sehr geschädigt in ihren Geschäften.
00:04:09: Und das trieb diese Leute auf die Straße, also eine Händlerklasse, die normalerweise ans Geld verdienen, denkt nicht so sehr an Politik.
00:04:17: Und das Ganze weiterte sich dann aus.
00:04:19: Inzwischen sind halt sehr, sehr viele verschiedene Bevölkerungsgruppen auf der Straße und das erschüttert das Regime.
00:04:27: Ja, jetzt haben Sie schon angesprochen, die Proteste aus dem Jahr zwanzig, zweieinzwanzig, auf die wir derzeit besonders oft referenziert und auf die Unterschiede hingewiesen sind.
00:04:35: Wir haben gesagt, der erste Unterschied ist mal, dass der Protest aus einer anderen Richtung kommt.
00:04:40: Aber wie ist denn sonst die Lage heute für den Iran und für das Regime verändert oder anders als vor noch vor fast vier Jahren bei den letzten großen Protesten?
00:04:51: Es gibt mindestens zwei große Unterschiede innenpolitisch.
00:04:56: bzw.
00:04:56: wirtschaftspolitisch und außenpolitisch.
00:04:58: In dem politische ist es so, dass in diesen Jahren seit Zweiundzwanzig sich die Dysfunktionalität des Regimes für immer mehr Iraner gezeigt hat.
00:05:10: Wir sprechen also hier über ein Land, das in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt, das kaum noch Trinkwasser hat, das im Winter die Heizungen abschalten muss, obwohl es auf mit den größten Ölreserven der Welt sitzt.
00:05:26: Diese Dinge haben sich seit Zweiundzwanzig im Iran verschlimmert.
00:05:31: Das wird also für immer mehr Iraner spürbar.
00:05:36: Dazu kommt die unglaubliche Reuchelei des Regimes, wenn man als Beispiel das Internet Sie, das ist im Moment ja ganz abgeschaltet, aber vorher war es halt so, dass sehr viele Iraner zwar ins Internet konnten, aber X-Seiten, wie zum Beispiel die Plattform X, sind offiziell gesperrt.
00:05:55: Allerdings nicht für das Regime.
00:05:58: Also zum Beispiel Revolutionsführer Khamenei, der tweetet den ganzen Tag, obwohl die Plattform eigentlich im Iran verboten ist.
00:06:07: Das ist ja zum Beispiel ein kleines Beispiel.
00:06:09: Dazu kann andere Sachen wie zum Beispiel die Bilder von einer prunkvollen Hochzeit eines hohen Regime-Vertreters, wo die Braut in einem prächtigen Ballsaal ihre Gäste begrüßt, die Braut dabei ein Brautkleid nach westlichen Vorstellungen trug, nämlich schulterfrei und ohne Kopftuch.
00:06:31: Also dasselbe Regime, dass seine Bürger dazu zwingt, das Kopftuch anzuziehen, feiert selber, als gäbst diese Kopftuch.
00:06:41: Also wir haben also einerseits diese innenpolitisch, sozialpolitischen, auch umweltpolitischen Verschlechterungen.
00:06:50: Die Wasserkrise wird immer schlimmer.
00:06:52: Das liegt zum Teil am Klimawandel, aber zum Teil eben auch daran, dass die islamische Republik meint, allerlei Früchte und Gemüsesochten in der Wüste ziehen zu müssen.
00:07:05: Das verschlingt eben riesige Wassermengen.
00:07:08: Das ist also die Krisensituation zu Hause.
00:07:12: Im Ausland ist die islamische Republik seit den vergangenen Jahren in der Defensive.
00:07:20: Wir erinnern uns, wichtige Verbündete der Iraner in der Region sind entweder ausgelöscht worden oder sehr geschwächt.
00:07:30: Bashar al-Assad in Syrien ist gestürzt und musste nach Moskau fliehen.
00:07:36: Die Hisbollah im Libanon hat einen Krieg gegen Israel verloren und sehr viel von ihrem Abschreckungspotenzial eingebußt.
00:07:44: Die Hamas ist militärisch geschwächt.
00:07:47: Die Hutis im Jemen sind zwar immer noch da, aber sie sind auch nicht so stark, dass sie jetzt für die Iraner die Kastanien aus dem Feuer holen können.
00:07:54: Seit dem letzten Sommer hat es dann auch den Iran selber getroffen, nämlich durch den kurzen Krieg im Juni von Israelis und Amerikanern.
00:08:02: Und dabei zeigte sich eben, dass die iranische Flugabwehr überhaupt nicht funktioniert, die israelischen und amerikanischen Piloten konnten bombardieren, ohne irgendwie in Gefahr zu sein.
00:08:15: Das heißt, wir haben also innenpolitisch eine zunehmende Krise im sozialen und wirtschaftlichen Bereichen außenpolitisch einen Zusammenbruch des iranischen Herrschaftssystems.
00:08:27: im Nahen Osten.
00:08:28: Und diese äußeren und inneren Zwänge verbinden sich jetzt.
00:08:33: Wenn wir gleich bei dem letzten Start, nämlich den USA bleiben, den Sie auch erwähnt haben, wie ist denn das derzeit einzuschätzen?
00:08:41: Die Drohungen von Ayatollah Ali Khamenei, also den politischen, religiösen Oberhaupt der islamistischen Republik, die wirken ja schon so aus, ob das Regime nervös ist.
00:08:50: Das sind vor allem Drohungen gegen die USA und Israel, die hier ausgesprochen werden.
00:08:55: Ungekehrt droht auch Trump dem Iran.
00:08:57: Wie ist denn da derzeit die Situation einzuschätzen?
00:09:01: Das weiße Haus senet ja... auch ständig widersprüchliche Signale.
00:09:05: Was sind in der realistischen Szenarien, wie die USA gegen das Regime jetzt vorgehen könnte und ob es auch wirklich tun wird?
00:09:13: Also die Amerikaner haben verschiedene Optionen und nur einige dieser Optionen sind Luftangriffe, beispielsweise auf das Hauptpartier der iranischen Revolutionsgarde, also der der Elite-Truppe des Regimes oder auf den Amtssitz von Raminé selber, Angriffe auf Polizeihauptquartiere und so weiter und so fort.
00:09:34: Das wäre der sichtbarste Angriff mit Pulverdampf und Explosionen, so wie Trump das auch gerne mag, weil es sehr gut ankommt im Fernsehen.
00:09:47: Aber auf der anderen Seite haben die Amerikaner auch andere Möglichkeiten.
00:09:50: Da geht es um Cyber-Angriffe, um iranische Regierungs-Einrichtungen elektronisch lahmzulegen.
00:09:57: Es könnte zum Beispiel in einer besseren technischen Ausstattung der Opposition gehen, etwa mit Starlink-Systemen von Elon Musk.
00:10:10: die Führung mit der Abschaltung des Internets nicht mehr sehr weit kommt.
00:10:15: Also da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten.
00:10:19: Für die Amerikaner ist das Problem, dass die USA oder überhaupt ausländische Kräfte von vielen Iranern nicht als Helfer beim Umsturz gesehen werden wollen.
00:10:31: Das heißt, die Gewinn gesehen werden sollen, muss ich sagen.
00:10:35: Die Iraner möchten also, wenn sie gegen dieses Regime sind, dann möchten sie es selber stürzen.
00:10:40: Sie möchten nicht praktisch von ausländischen Helfern profitieren.
00:10:45: Insofern müssen die Amerikaner sich sehr genau überlegen, was sie tun, denn das könnte für die Amerikaner und auch für Israel nach hinten losgehen, wenn es nämlich zu einem Solidarisierungseffekt im Iran führt, dass also Leute sagen, ich bin ja auch gegen dieses System, aber was die Amerikaner mit uns machen, nee.
00:11:03: Also da bleibe ich lieber bei Khamenei.
00:11:06: Also diesen Effekt wollen die Amerikaner vermeiden.
00:11:11: Sie haben es schon erwähnt, dass Blackout mittlerweile seit Freitag herrscht, landesweit.
00:11:16: Das heißt, Strom und Internet wurden abgedreht, internationaler Telefonleitungen sind gestört.
00:11:21: Es ist daher auch eigentlich sehr schwer abzuschätzen, wie genau die Lage im Land ist.
00:11:27: Was haben Sie dafür Beobachtungen seit Freitag gemacht?
00:11:31: Es ist tatsächlich sehr schwer sich da ein vernünftiges Bild zu verschaffen, weil nicht nur wegen der Internetsperre, sondern auch weil beide Seiten mit Propaganda arbeiten, der man nicht auf den Lein gehen sollte.
00:11:45: Aber ich glaube unterm Strich kann man sagen, dass Regime ist erschrocken.
00:11:53: Das Regime fühlt sich bedroht.
00:11:55: Andernfalls würde es zum Beispiel das Internet nicht abschalten, weil das schwächt ja auch die Wirtschaft noch weiter.
00:12:01: Das heißt also, dass Sie überhaupt diesen Schritt getan haben, zeigt schon, dass Sie mit dem Rücken an der Wand stehen.
00:12:08: Das andere, was man sagen kann, ist, dass überhaupt zum ersten Mal in einem Aufstand dieser Art in den letzten Jahrzehnten Mitglieder der Sicherheitskräfte erschossen werden.
00:12:20: Das heißt, einige Demonstranten zumindest sind bewaffnet.
00:12:23: Das hat man bis jetzt so nicht gesehen im Iran.
00:12:27: Natürlich sind die Sicherheitskräfte, sind die Evoluzionsgradisten, die Milizionäre und auch die Armee den Demonstranten überlegen.
00:12:34: Das ist gar keine Frage, aber... Anders als z.B.
00:12:37: in den Jahren ist in der Zentral-Iranischen Stadt Isfahan zum Beispiel, kamen demnach, letzte Woche, dreißig.
00:12:55: Soldaten und Militäre ums Leben und zwar durch Schusswaffen.
00:12:59: Diese, das ist eine neue Dimension für die Führung.
00:13:03: Das haben die so noch nicht erlebt und entsprechend groß ist, glaube ich, die Panik in Tehran.
00:13:12: Es gibt auch ein Anzeichen dafür, dass zumindest Teile der Führung verstanden haben oder überzeugt sind, dass sich was Grundlegendes im Iran.
00:13:24: ändern muss, dass es nicht einfach so weitergehen kann, weil es dann in ein paar Monaten den nächsten Aufstand geben wird.
00:13:30: Das heißt, zuallererst müssen diese Kräfte dafür sorgen, dass die Wirtschaft wieder flott gemacht wird, dass die Leute diesen Einkommensverlust nicht mehr haben, den sie im Moment haben.
00:13:43: Und dafür ist eine Eröffnung zum besten Voraussetzung.
00:13:46: Das geht.
00:13:47: Ohne Eröffnung geht das nicht.
00:13:49: Das heißt, sie brauchen eine Vereinbarung mit Trump.
00:13:52: Und so ist es zu verstehen, dass der Außenminister vom Iran Abbas Arachi jetzt gesagt hat, er redet schon die ganze Zeit mit Trumps Beauftragten Whitkov.
00:14:03: Das ist eine der Arten des Regimes auf ihrer Weise das für sie bedrohliche Untergangsszenario sozusagen abzuwenden.
00:14:11: Einerseits die Proteste brutal niederschlagen, andererseits habe ich auch gesehen Demonstrationen.
00:14:17: ihrer eigenen Anhänger auch auszurufen.
00:14:20: Man hat ja auch vereinzelt Bilder gesehen von Demonstrationen der Regierungsanhänger.
00:14:26: Und dann eben auch so ein bisschen Signale senden.
00:14:28: Wir reden eh mit Trump aber auch, teilweise Reformen zu versprechen.
00:14:33: Welche Reformen sind denn das?
00:14:35: Auch sozusagen, wir müssen uns Richtung Westen öffnen.
00:14:38: Ja, das ist genau das Problem.
00:14:41: Dieses Regime ist nicht einfach eine Diktatur, sondern sie sind, sie verfolgen eine bestimmte Ideologie, die zumindest führende Teile dieser Elite an Wirtschaftsreformen, die das Land wirklich retten könnten, hindern werden.
00:14:58: Also, wenn man sich zum Beispiel den Regime-Chef, den Revolutionsführer Raminé ansieht, das ist ein knallhachter Hardliner, der nichts mit dem Westen zu tun haben will, dem Es auch lieber ist, die Wirtschaft stürzt ab, als dass er von seinen ideologischen Grundlinien abweicht.
00:15:19: Deswegen ist diese Frage nach Reformen sehr, sehr schwierig und nur ein paar Tage vor Ausbruch der Unruhen im Dezember hatte der Präsident des Iran, der anders als Khamenei von den Wählern gewählt worden ist, öffentlich gesagt, Er könne nichts tun unter dem bestehenden System, um der Wirtschaft zu helfen.
00:15:41: Und er sagte wörtlich, das Problem sind wir.
00:15:44: Damit meinte er das Establishment im Iran.
00:15:47: Das heißt, wenn es jetzt Wirtschaftsreformen geben sollte, dann müssten die damit anfangen, dass der Iran eine Vereinbarung mit dem Westen sucht über sein Atomprogramm.
00:15:58: Da würden die internationalen Sanktionen gegen den Iran abgebaut.
00:16:03: Es kämen wahrscheinlich ... ausländische Investoren in den Iran, möglicherweise sogar amerikanische Ölfirmen, die die Milliarden in den Iran reinstecken würden, weil der Iran an sich von seinen Voraussetzungen her mit seinen riesigen Öl- und Gasvorräten, mit seiner gut ausgebildeten Bevölkerung, mit seiner riesigen Fläche, mit seiner Bevölkerung von neunzig Millionen Leuten, also einen riesigen Markt darstellt.
00:16:31: Der Iran ist also von seinen Voraussetzungen her sehr, sehr attraktiv für Investoren.
00:16:38: Die werden aber bisher nicht ins Land gelassen, aus, wie gesagt, aus ideologischen Gründen.
00:16:43: Jetzt haben Sie den Präsidenten Masoud Peseshkian schon erwähnt.
00:16:47: Welche Rolle spielt denn er generell in diesem Staatsgefüge?
00:16:51: Man hat immer den Eindruck, keine besonders Bedeutung.
00:16:54: Von der Verfassung her kann er auch keine besonders bedeutende Rolle spielen.
00:16:59: Iran hat ein duales Regierungssystem, in dem die klärikale Geistlichkeit mit Raminé an der Spitze das letzte Wort hat.
00:17:09: Die gewählten Politiker im Grunde genommen nur Ausführende sind, also die können den Rahmen der Politik nicht selber abstecken, sondern nur im Rahmen dieser Politik, die von den Klärikern abgesteckt wird, handeln können.
00:17:24: Pesechkian ist gewählt worden, im Jahr zwanzig, als Hoffnungsträger, also weil er im Wahlkampf gesagt hat, es müssen sich einige Dinge ändern.
00:17:37: Seitdem hat er sehr viel ansehen verloren, weil er aus taktischen Gründen oder aus Überzeugung, das weiß er wahrscheinlich nur selbst, sich immer wieder zu Hamenei und zum... System der islamischen Republik bekannt hat.
00:17:50: Das hat sehr, sehr viele Leute enttäuscht.
00:17:53: Jetzt versucht er halt so wieder ein bisschen zurückzurülern und sagt, er hört zu, er versucht den Leuten zu helfen.
00:17:59: Gibt aber wie eben schon erwähnt dabei auch zu, dass ihm dazu eigentlich die Mittel fehlen.
00:18:04: Er spielt also eine keine besonders glückliche Rolle.
00:18:07: Im Moment einige Experten sagen aber, dass er hinter den Kulissen mächtiger ist, als es von außen scheint, dass er versucht mit anderen führenden Regime-Vertretern, wie zum Beispiel den Parlamentspräsidenten, dem Justizchef und führenden Offizierenden der Revolutionskarte und der Armee, den Chaminet so ein wenig beiseite zu schieben.
00:18:33: Also zum Beispiel die Gespräche mit den Amerikanern voranzutreiben, obwohl Chaminet immer wieder sagt, er will das nicht.
00:18:41: Chaminet ist aus den Sechsten und Achtzig Jahren alt.
00:18:47: bester Gesundheit.
00:18:48: Er wollte sich eigentlich auf seine Nachfolge vorbereiten.
00:18:51: Dazu kommt er jetzt nicht, weil er ständig mit irgendwelchen Krisen zu tun hat.
00:18:56: Er wirkt also so ein bisschen abgerückt von der Tagespolitik.
00:19:03: Er betont zwar immer wieder die Feindschaft zu Israel, zu USA und sagt, mit denen wollen wir nichts zu tun haben.
00:19:11: Aber seine Regierung macht dann doch was ganz anderes.
00:19:13: Insofern stellt sich halt die Frage, ob das ob andere Regime Vertreter diese neue Linie, die ich eben umrissen habe, nämlich zum Beispiel Gespräche mit den USA, neues Abkommen, Investitionen aus dem Ausland, diese neue Linie verfolgen trotz Ramanee.
00:19:34: Also, dass man im Grunde genommen zu einem, zu einem, nicht Regimewechsel kommt, aber zu einer Regimeveränderungen, in denen bei der der Revolutionshührer der Verlaufverfassung eigentlich der oberste Mann im Staat ist, so ein bisschen beiseitegeschoben wird.
00:19:53: Sie berichten vor Ort aus Istanbul für uns über den Iran sowie auch unter anderem Kollegin Rosa Leijern für den ORF.
00:20:01: Wie informieren Sie persönlich sich denn hauptsächlich derzeit, also sowohl vor dem Blackout als auch nach dem Blackout?
00:20:10: Mit ganz verschiedenen Möglichkeiten, also einmal, also die Medien auch die die vielen staatlichen Medien im Iran, die jeweils die oft für eine bestimmte Gruppe innerhalb des Regimes sprechen.
00:20:24: Da kann man hin und wieder zumindest Veränderungen feststellen, bevor sie dann öffentlich werden.
00:20:31: Natürlich die Oppositionsmedien.
00:20:33: Ich habe auch einige, auch wenige, aber eigene Kontakte im Iran, die aber allerdings immer nur aus ihrer eigenen.
00:20:43: Umgebungen berichten können, also wenig über eine Vogelperspektive, übers ganze Land.
00:20:49: Es gibt sehr viele Boote-Experten über den Iran, von denen auch viele aus dem Iran selber stammen, die ihre alte Heimat noch im Blick haben und die bei Denkfabriken oder Instituten arbeiten.
00:21:03: Und so setzt sich dann mosaikmäßig so ein Bild zusammen.
00:21:08: Ich achte immer darauf, dass ich nie nur eine oder zwei Quellen habe für das, was ich schreibe.
00:21:13: Die Iran-Beobachterin
00:21:13: Natalia Miri war diese Woche zu Gast im ZBII vom ORF und da hat sie gesagt, sie spricht von einem instabilsten Moment im Iran seit der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der war in der Revolution, der die Figur Reza Pahlavi.
00:21:40: Wie sehen denn Sie das?
00:21:41: Weil Sie sozusagen meinen, dass diese Figur jetzt auch eine, da gibt es auch eine Person, die zwar im Exil lebt, aber die theoretisch einen Kopf dieser Protestbewegung sein kann.
00:21:50: Wie beurteilen Sie das?
00:21:53: Also ich glaube, über Pahlavi wird so viel gesprochen, weil es sonst überhaupt niemanden gibt.
00:22:00: Also die iranische Opposition ist extrem zersplittert.
00:22:04: Sie ist... miteinander verfeindet.
00:22:07: Es gibt Leute, die nicht miteinander sprechen, also die alle Regime feindlich sind, aber die nichts miteinander zu tun haben wollen.
00:22:15: Paklavi ist sehr, sehr umstritten bei Iran und im Iran und außerhalb von Iran, weil er bei einigen zwar als Heilspringer gilt, der möglicherweise das Lager der Regierungsgegner einen könnte und man hat vor der Internetsperre auch Videos gesehen auf den Demonstranten, die Rückkehr der Monarchie forderten.
00:22:41: Also er hat wahrscheinlich Anhänger.
00:22:44: Im Iran, niemand weiß, wie viele das sind.
00:22:46: Aber auf der anderen Seite gibt es Iraner, die sagen, Parlavi Herrschaft hatten wir schon, danke, brauchen wir nicht mehr.
00:22:54: Parlavis Vater als Shah war extrem brutal gegen alle Gegner.
00:23:00: Es waren schlimme Jahre für alle Leute, die nicht für den Shah waren.
00:23:07: Das spricht gegen ihn und was noch mehr gegen ihn spricht, ist, dass viele Iraner ihn im Grunde genommen als Marionette der Amerikaner und der Israelis sehen.
00:23:17: Die Israelis unterstützen ihn auch total offen.
00:23:21: Und aus Sicht vieler Iraner scheidet der damit schon praktisch als Chef, eine Übergangsregierung oder für irgendeine andere Funktion aus.
00:23:31: Herr Seibert, wie lange berichten Sie denn schon über den Iran eigentlich?
00:23:34: Wie viele Jahre?
00:23:36: Seit ungefähr neun Jahren.
00:23:39: Ich bin in Istanbul, aber ich war vorher auch in den USA, wo es sehr, sehr viele Exile Iraner gibt, wo ich viele Kontakte geknüpft hatte.
00:23:49: Begleitet das eigentlich ja seit fast zehn Jahren und es ist ein bisschen schwer einzuschätzen, wenn diese Superlative, also das ist der schwerste Moment seit der Revolution neun und siebzig.
00:24:02: Wer weiß noch was noch kommt, also möglicherweise kommen noch schwere Momente für das Regime.
00:24:07: Es ist jedenfalls eine der größten Krisen, die ich jetzt als Iran-Berichterstatter erlebe.
00:24:13: Die Frage, die ja immer alles stellen, oder die sich viele stellen, ist, stürzt das Regime im Iran dieses Mal?
00:24:18: Gelingt das?
00:24:20: Und vor allem wie und mit welcher Hilfe?
00:24:22: Wir haben das jetzt eh analysiert.
00:24:23: Aber wenn Sie das nochmal so zusammenfassen würden, mit der Blick auf die vergangenen Tage und Wochen, wie wahrscheinlich ist denn so ein Sturz derzeit?
00:24:34: Also, man muss vorausschicken.
00:24:35: Solche Systeme wie der Iran, wo die Entscheidungsprozesse, die Machtstrukturen so undurchschaubar sind von außen, wirken oft sehr, sehr stark, bis sie plötzlich zusammenbrechen.
00:24:48: Also das beste Beispiel war die DDR, die auch also eigentlich sehr, sehr stabil wirkte, bis sie plötzlich dann innerhalb von wenigen Wochen einfach weg war.
00:24:59: Insofern, das kann natürlich... passieren.
00:25:02: Ich halte es für relativ unwahrscheinlich, weil das System doch noch Rückhalt in Teilen der Bevölkerung hat.
00:25:12: Diese Iraner haben dann Angst vor einem neuen System.
00:25:15: Es gibt natürlich auch etliche Iraner, die von derzehnten System profitieren.
00:25:20: Sie sich Staatsaufträge sichern können, die steinreich geworden sind, die wollen bestimmt keinen Regime wechseln.
00:25:27: Wahrscheinlicher ist aus meiner Sicht, dass es eine Verschiebung innerhalb der Macht Klicke gibt, die dem Regime möglicherweise etwas von seiner religiös- islamistischen Schärfe nimmt, etwa zum Beispiel in der Kopftuchfrage oder in anderen Fragen, dass Frauen nicht tanzen dürfen oder solche absurden Vorschriften.
00:25:54: Das dann aber mehr einer Militärdiktatur, möglicherweise der Revolutionsgarde.
00:26:00: Gleich.
00:26:01: Ich glaube, das ist im Moment jedenfalls wahrscheinlicher als der Ausbruch der Demokratie.
00:26:08: Und eine Frage, die sich auch sehr oft stellt bei so Machtfiguren wie auch Kamenei, eine ist selbst erwähnt, der ist Kreise, ist in den Sekunden und ähnlich wie bei Putin fragt man sich dann immer, was, who's next, was kommt, wenn er sozusagen auch einfach eines natürlichen Todes stirbt und einfach irgendwann nicht mehr da ist.
00:26:27: Wer ist denn da derzeit dann der Nachfolger, der dann da übernehmen kann und möglicherweise etwas gemäßig agiert?
00:26:34: Das weiß ich im Moment niemand.
00:26:36: Es ist allerdings so, dass der Iran, wenn Khamenei abtritt, so oder so vor einem Generationswechsel steht.
00:26:44: Khamenei gehört der Generation an, die in den Schaar vertreiben haben.
00:26:49: Für die ist diese Revolution das prägende Erlebnis in ihrem Leben.
00:26:54: Die werden diese Islamische Republik verteidigen, bis es irgendwie nicht mehr geht.
00:27:04: Dieser Generationswechsel wäre für den Iran ohnehin schwierig gewesen, selbst wenn es die ganzen Krisen nicht gäbe.
00:27:11: Jetzt wird es natürlich noch viel, viel schwieriger.
00:27:13: Im Gespräch ist etwa ein Sohn von Raminé als neue Revolutionsführer, das wäre ... Aber im Grunde genommen selbst ein Verrat an den revolutionären Grundsätzen der Republik.
00:27:25: Es ist im Moment sonst niemand in Sicht, der das Format hätte, der die Prominenz hätte, der Chaminé nachzufolgen.
00:27:35: In normalen Zeiten hätte das Regime auch einen Wesensstiel dahin stellen können, weil es eben keine Opposition geben darf.
00:27:45: Aber in so einer Krisensituation wie jetzt,
00:28:05: Ja, das war, was wichtig ist, unser Nachrichten-Podcast mit Anna Wallner am Freitag, den sechzehnten Jena.
00:28:12: Reportagen, Analysen und weitere Texte von Thomas Seiberd über den Iran finden Sie derzeit ganz schön viele bei uns auf unserer Webseite.
00:28:20: Ich stelle Ihnen ein kleines Brotpourri der wichtigsten und aktuellsten Artikel zusammen.
00:28:25: Die finden Sie dann wie gewohnt in den Show-Notes dieser Folge.
00:28:29: Ja und ich freue mich, wenn Sie mir oder uns als Team schreiben, ob Ihnen zum Beispiel diese oder eine andere Folge gefallen hat.
00:28:36: und längst hat uns auch ein Hörer eine sehr kritische Auseinandersetzung mit unserer Folge.
00:28:41: über die Börsen-Hasssee geschrieben.
00:28:44: Das hat uns sehr gefreut, weil wir nehmen Kritik ernst und sind auch sehr dankbar über aufmerksame Hörerinnen und Hörer.
00:28:50: In diesem Sinn sage ich für heute nur mehr Danke fürs Zuhören.
00:28:53: Machen Sie es gut und auf bald.
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