Rosa Lyon: „Das war das größte Massaker in der Geschichte des modernen Iran“

Shownotes

Von Anna Wallner und Christine Mayrhofer. Bei Gedenkveranstaltungen im Iran, die den Todesopfern der blutig niedergeschlagenen Proteste rund um den 8. und 9. Jänner gewidmet sind, werden, wie auf Videos im Netz zu sehen ist, regierungskritische Parolen skandiert. Gleichzeitig geht die Gewalt des Regimes weiter, wie Journalistin Rosa Lyon im Gespräch mit Anna Wallner berichtet: „Es werden weiterhin Menschen verhaftet, Verhaftete gefoltert, Exekutionen finden statt.“

Lyon erzählt in dieser Folge von „Was wichtig ist“ von ihrer Recherche-Reise nach Teheran und darüber, wie die Gesellschaft dort zwischen kollektiver Traumatisierung und mutigem Widerstand schwankt. Sie berichtet vom veränderten Selbstbewusstsein der Frauen und analysiert die schwierigen diplomatischen Verhandlungen über das Atomprogramm sowie die interne Machtstabilität des Regimes unter Ajatollah Khamenei.

Gast: Rosa Lyon, ORF Host: Christine Mayrhofer Interview: Anna Wallner Schnitt: Audiofunnel/Dominik Lanterdinger

Mehr zum Thema: >>> Das iranische „Monster“: Die Revolutionsgarden bleiben der Staat im Staat >>> Iran und USA rücken von ihrem „Deal“ ab: Trump will nun doch Regimewechsel >>> Schiebt das iranische Regime Khamenei aufs Abstellgleis?

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00:00:02:

00:00:08: Während das iranische Regime mit den USA verhandelt, werden bei Gedenkfeiern für Todesopfer der brutal niedergeschlagenen Proteste der letzten Wochen regierungskritischer Parolen skandiert.

00:00:20: Mehr als siebentausend Menschen sollen im Iran laut NGOs zuletzt getötet worden sein.

00:00:25: – wie ist die Lage aktuell vor Ort?

00:00:28: Mein Name ist Christine Meyerhofer und das ist, was wichtig ist der tägliche Nachrichten Podcast der Presse.

00:00:34: Meine Kollegin Anna Wallner hat ein wirklich spannendes Gespräch mit der ORF-Journalistin Rosa Leyen geführt.

00:00:40: Sie erzählt darin von ihrer jüngsten Reise in den Iran über das journalistische Arbeiten vor Ort Und natürlich darüber wie das gewalttätige Niederschlagen von Protesten zu Jahresbeginn nach wie vor nachwirkt.

00:00:53: Hören sie sich das an!

00:00:58: Ja, ich freue mich sehr dass wir heute mit Rosa Lyon sprechen dürfen und verbunden sind nach Istanbul.

00:01:03: Hallo Rosa!

00:01:04: Hallo Anna!

00:01:05: Mir geht es darum was ich gerne mehr wissen will darüber über deine Reise in den Iran.

00:01:10: vor einigen Tagen Anfang Februar warst du im Iran.

00:01:14: Was ist dir denn von dieser Reise besonders hängen geblieben?

00:01:17: Ich würde sagen, die kollektive Traumatisierung und auch die kollekte Depression.

00:01:23: Also was man so auf Fernsehaufnahmen sieht ist ja quasi normal Betrieb.

00:01:29: aber was tatsächlich passiert sind lauter Menschen die entweder nicht in der Lage sind zu sprechen Angst haben zu sprechen oder wenn sie sprechen dann sprudelt und platzt es aus ihnen raus da Unfassbar viel Schmerz, unglaublich viel Wut.

00:01:49: Unglaublich viel Angst auch!

00:01:51: Und wir sind jetzt ja gerade in einer Phase... Jetzt sind vierzig Tage verstrichen seit dem achten Jänner und neunten Jenner also diesen beiden enorm blutigen Tagen.

00:02:02: Und jetzt finden in der Tradition das Skia nach vierzig Tagen trauer Phase dann noch einmal Zeremonien statt.

00:02:10: Und diese Zeremenien sind traditionell so dass sie in Proteste umschlagen können.

00:02:16: Und davor sorgt sich die islamische Republik sehr, das heißt es gibt ein enormes Sicherheitsaufgebot und als ich da war gab's das zum Beispiel schon ganz massiv dort in Behenshtessahara.

00:02:28: Das ist dieser riesige, riesige Friedhof südlich von Teheran.

00:02:33: Die Stadt wächst immer näher dran Der ist gar nicht mehr so weit weg, wie er noch war als er gebaut wurde.

00:02:39: Und da gibt es halt unfassbar viel neue Gräber und da gibt's auch ein Wahnsinnspolizei- und Militäraufgebot um eben zu verhindern dass das zu Protesten kommt.

00:02:51: Gerade gestern kam zum ersten Protest in Adanan in einem kleinen Dorf westlich von Teheran.

00:02:59: Da wurden dann ich glaube acht kurdische junge Männer verhaftet.

00:03:04: Es gibt Aufnahmen von kleinen Protesten, die da und dort stattfinden jetzt gerade.

00:03:10: Und auch eben von Menschen mit großen Waffen, die dann aus Autos oder von Motorrädern schießen – also die Szenen, wie wir da am achten und am neunten Jänner verzögert aber doch dann mitbekommen haben weil es gab ja eine Internetsperre, die scheinern sich zumindest im Kleinen jetzt gerade zu wiederholen und das ist grundsätzlich nicht vorbei!

00:03:31: was ich eben auch gespürt habe und mit den Menschen in den Gesprächen gespürt hab, ist die sorge, die berechtigte Sorge dass das Ganze noch nicht zu Ende ist dieser Risik.

00:03:41: Die Menschen werden weiterhin verhaftet, verhaftete Menschen werden gefoltert es finden Exekutionen statt.

00:03:48: quasi.

00:03:48: wir haben den Eindruck das ist erledigt aber sie ist nicht erledigen.

00:03:52: Jetzt hast du erwähnt wie unterschiedliche Menschen reagieren wenn man mit ihnen spricht.

00:03:55: Wie einfach ist denn das überhaupt?

00:03:57: mit Menschen auf der Straße oder wo auch immer ins Gespräch zu kommen.

00:04:00: Auf der Straße wahrscheinlich am schwierigsten, aber erzählen wir mal wie du das angehst wenn du dann etwas erfahren möchtest von ganz normalen Menschen die das alles miterlebt haben die letzten Wochen?

00:04:10: Nicht ganz unähnlich wie es auch in Österreich ist quasi mit Menschen ohne Kamera und ohne Mikrofonensgespräche zu kommen deutlich leichter als mit.

00:04:20: Also gibt es da quasi die Abstufungen, ich spreche nur mit ihnen direkt beziehungsweise auch mit Übersetzung oder eben mit einem Tonaufnahmegerät.

00:04:29: Oder gleich mit Kamerakamera ist natürlich das invasivste und da sind die Menschen ja am vorsichtigsten.

00:04:36: Aber trotzdem finde ich es immer erstaunlich, einfach mit Menschen ins Gespräch zu kommen im Iran abgesehen davon dass sie unfassbar höflich und freundlich sind.

00:04:45: Also niemals würden Menschen so reagieren wie wir das gewohnt sehen wenn man sich auf der Straße mal um ein Interview plittet sondern selbst die die Absagen sagen sehr freundliche und sehr höflicht ab.

00:04:56: Aber ich bin zum Beispiel ganz hin und weg gewesen von einer Frau, die gewartet hat bis ich mit einem anderen Interview fertig war.

00:05:04: Und mich dann auf Deutsch angesprochen hatte und gesagt hat also sie möchte mit mir sprechen.

00:05:08: Sie spricht deutsch aber sie ist auf Persisch sicherer.

00:05:11: Also sie möcht es auf Persische machen genau.

00:05:13: und dann habe ich gesagt ja wunderbar sehr gern und aus der ist es richtig rausgesprudelt.

00:05:19: Die hat einfach erzählt wenn sie verloren hat Freunde Familie Das Gezahlt werden musste, um die Körper zurück zu bekommen.

00:05:28: Es gibt fürchterliche Geschichten in diese Richtung.

00:05:31: das Menschen unterschreiben müssen dass ihre Kinder bei den Basitschmilizen also bei den Teil der Revolutionskarten da Mitglied waren weil dann kriegen sie Kugelgeld sogenanntes Geld pro Kugeltier im Körper steckt Und das ist gar nicht so wenig Geld momentan.

00:05:48: Also es ist quasi ein Doublebind, warum Menschen tatsächlich dann solche Papiere unterschreiben und eben auch ganz in Stille nur um ihre geliebten Trauern.

00:05:58: Diese junge Frau, die habe ich gefragt, geben Sie mir einen Common Persian Name?

00:06:03: Geben sie mir eine Deckname nicht, um sie ein bisschen zu schützen... Und sie hat gemeint, nein, I'll give you my real name.

00:06:10: Ich gebe Ihnen einen echten Namen und so diesen Mut solcher junger Menschen sich da eben vor eine Kamera von internationalen Journalisten zu stellen oder eben auch auf die Straße zu gehen im Wissen mit welch Eiserner Faust dieses Regime seit Jahrzehnten gegen Aufbegehren vorgeht ja ist unfassbar und für uns unvorstellbar.

00:06:33: Weil du grad von einer Frau gesprochen hast, welche Rolle spielen denn Frauen gerade im iranischen Alltag praktisch in der Öffentlichkeit?

00:06:40: Was hat sich da verändert?

00:06:41: oder geht es diesmal bei diesen Protesten nicht so stark um die Frauen?

00:06:45: Es geht um Freiheit allgemein und natürlich haben die protestet dieser anlässlich des Todes von Masami Ni, der jungen Kurdin stattgefunden haben.

00:07:00: Sie haben schon das Selbstbewusstsein der iranischen Frauen nach vorne gebracht und es ist ein bisschen der Geist aus der Flasche.

00:07:10: mindestens fünfzig Prozent vor allem der jungen Frauen, vor allem in den Städten sind mittlerweile ohne Kopftuch, ohne Baseballkappe, ohne Hut, ohne eine Kopfbedeckung unterwegs.

00:07:22: Ja das ist schon ein Riesenschritt und... So einfach wird das nicht revasibel sein.

00:07:30: Frauen sind mindestens so gebildet wie Männer im Iran, haben jetzt durch diesen Schritt nochmal mehr Selbstbewusstsein gewonnen.

00:07:39: aber insgesamt natürlich sind sie in dieser Gesellschaft unterdrückt und brauchen uns ja nur anschauen wer das Heft in der Hand hat.

00:07:47: Eine Sache, die bis heute sehr viele Fragen ausgelöstet ist auch einfach die ganz banale Frage wie viel Menschen da jetzt in diesen Protesten und durch selbst gesagt blutigen Tagen rund um den achten Jänner tatsächlich getötet wurden.

00:08:01: Ist das dann wenn man vor Ort ist und ins Gespräch kommt?

00:08:05: kriegt man das Greifbarer quasi auf die Reihe?

00:08:07: Wie hoch die Opferzahl ist oder ist es noch immer unklar?

00:08:11: Ich denke was greifbar wird ist wie schwer das nachzuvollziehen ist, weil eben wie ich vorher beschrieben habe da ein ganzes System wirkt.

00:08:21: Das auch jetzt noch verhindert dass diese Informationen öffentlich werden.

00:08:26: also es ist ja kein Zufall dass das Internet ausgeschalten war ganze zwei Wochen lang.

00:08:31: Es ist kein Zufall dass die Regierung eben ganz andere Zahlen nämlich ein paar tausend veröffentlicht während Menschenrechtsorganisationen von zig Tausenden sprechen.

00:08:42: Und es wird irgendwie klarer, dass Verschwinden von Menschen... Es ist unklar ob Menschen die verurteilt wurden wirklich schon exekutiert sind.

00:08:50: Es ist bei den verletzten Zahlen völlig unklaar was da wirklich stimmt weil Menschen sich nicht in Behandlung begeben obwohl sie zum Beispiel angeschossen sind oder dringend andere medizinische Versorgung bräuchten.

00:09:02: also diese quasi dunkle Ziffern die wir da haben das wird noch sehr lange dauern.

00:09:08: um das richtig gut aufzuarbeiten Es gibt ein paar Menschenrechtsorganisationen, die außerhalb des Iran sinkt und das sehr penibel tun.

00:09:16: Aber ja, das wird wohl noch lange dauern was klar ist.

00:09:20: Das ist das größte Blutvergießen gewesen.

00:09:24: Das größte Massaker in der modernen Geschichte des Iran.

00:09:28: Und wenn du jetzt als Journalistin erzählst diese junge Frau hat dann gesagt Ja, I give you my real name.

00:09:34: Wie entscheidest Du dann?

00:09:35: ob du das auch verwendest, genauso und ob du sie schützen musst oder nicht.

00:09:41: Wie gefährdet wäre es Sie dann wenn das dann zum Beispiel eben in einer Sendung des ORF gebracht wird?

00:09:46: Ja, das ist sozusagen die kniffligste Frage in meinem Job.

00:09:51: In dem Fall habe ich das intensiv überlegt weil sie doch ein paar Dinge gesagt hat, die wahrscheinlich mit härteren Konsequenzen geahndet würden Und diese Passagen habe ich zum Beispiel nur im Radio verwendet und da nicht mit ihr möchten.

00:10:10: Stichwort Gefährdung, nämlich von dir selbst und deinem Team.

00:10:15: Wie gefährlich war dieser Einsatz jetzt in der so angespannten Lage im Iran für dich als Journalistin eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks?

00:10:24: Eines vermutlich für den Iran nicht so bedeutenden Landes.

00:10:27: Worauf hast du da besonders geachtet?

00:10:29: In der Vorbereitung aber dann auch vor Ort gab es gefährliche Situationen und wie hast du dich da abgesichert?

00:10:35: Nein!

00:10:35: Also... Wie soll ich sagen?

00:10:36: Die Frage ist ja, woher Gefahr rühren könnte nicht.

00:10:39: Ja vor dem Regime weil du berichtest über das Land schon per se.

00:10:44: Ich meine die haben eine Internetnachrichtensperre verhängt.

00:10:47: Da könnt ihr in den Jahr freier Journalismus eines anderen Landes sehr zu wieder sein.

00:10:51: Genau dann müssten sie mir aber einfach kein Wiesung geben oder zumindest ist das die Logik des Iran.

00:10:57: Da würde ich dann einfach, weil sie davon ausgegangen wird, dass das was da berichtet wird so ganz gegen ihre Interessen ist oder Sie nicht als fair empfinden.

00:11:07: Dann würde einfach mir wohl kein Visum.

00:11:11: gewährt werden.

00:11:13: So ganz unwichtig, glaube ich ist Österreich für den Iran gar nicht.

00:11:17: Europa wahrscheinlich insgesamt schon.

00:11:18: aber man darf nicht vergessen historisch sind die ersten so Giftopfer dies aus dem Irak-Iran Krieg gab zum Beispiel in Österreich versorgt worden und das haben sehr viele Menschen nicht vergessen auch Menschen die wie soll man sagen an den Hebeln sitzen im Iran Aber auch Menschen einfach auf der Straße Und es gibt durchaus ganz passabel gut bis gute Diplomente Beziehungen.

00:11:41: Also so ganz unwichtig ist Österreich lustigerweise in diesem Fall gar nicht!

00:11:45: Ich arbeite da mit einem gültigen Visum, mit einem Gültigendpresseausweis und einer Drehgenehmigung.

00:11:52: also das findet quasi alles im legalen Rahmen, im völlig korrekten Rahmen statt Und deshalb bin ich jetzt keine Gefahr und ich sehe mich auch nicht in Gefahr.

00:12:05: Natürlich muss ich schauen, dass sich mein Team nicht den Gefahr bringen durch irgendwelche sag mal blöden Aktionen.

00:12:12: Ja genau das vermeide ich natürlich tunlichst und ganz intensiv versuche ich auch zu vermeiden Menschen mit denen ich im Gespräch bin die vielleicht auch Interviewe die Gefahr zu bringen.

00:12:25: Das sind die beiden wichtigsten Anliegen würde ich sein.

00:12:28: Aber im

00:12:29: journalistischen Alltag, wo merkst du da die Grenzen?

00:12:31: Also wo kommst du nicht hin, wo du in anderen Ländern hinkommen würdest.

00:12:35: Wo darfst Du nicht mehr weitergehen?

00:12:38: Wo gibt's wirklich für dich so, wo Du merkst?

00:12:39: okay das ist einfach anders.

00:12:41: In der Türkei zum Beispiel oder in Europa

00:12:43: Ich hab jetzt... also ich dort war probiert eine Drehgenehmigung für ein Spital für den Krankenhaus und auch für den Friedhof zu bekommen Und habe beides nicht bekommen.

00:12:55: Aber ehrlich gesagt, ich glaub das hätte ich in Österreich nicht bekommen.

00:12:58: Das hätt ich in der Türkei nicht bekommen und das hätt' ich in den USA nicht bekommen vor allem nicht in dieser kurzen Zeit.

00:13:03: Also... Ich glaube die größte Hürde ist wirklich dieses Visum überhaupt zu bekommen und reinzukommen, nicht?

00:13:08: Das ist wirklich die Schranke, würde ich meinen.

00:13:11: Es gibt dann Menschen, die würdig gerne treffen Und die würdig gerne für ein Fernsehinterview treffen Und ich mach's nicht Weil es vielleicht jetzt gerade eine zu sensible Zeit ist und ich diese Menschen nicht den Gefahr bringen möchte.

00:13:26: Das sind schon Schranken, die vielleicht in anderen Ländern geringer wären aber eben auch die Reaktion der Menschen.

00:13:32: also ich verstehe einfach viel besser wenn Menschen weitergehen auf der Straße und sagen sorry Ich kann und will jetzt kein Interview geben

00:13:40: Und jetzt seid du zurück bist?

00:13:41: Ich meine es ist ja immer auch so.

00:13:42: eine Reise macht einen hinterlässt einen Eindruck ein Bild von diesem Land und dieser Gesellschaft.

00:13:48: Wie recherchierst Du denn jetzt nach Deiner Rückkehr über die weiteren Entwicklungen?

00:13:53: Es gibt viele wirklich ganz informative Kanäle über Telegram, über WhatsApp.

00:14:00: So das ist das eine, dass es quasi so ein bisschen wie sagen, Zivilgesellschaft aus dem Iran wahrnehmen und dann habe ich Informanten.

00:14:09: natürlich ja ohne die wäre es unmöglich weil da kann ich check-und recheck machen.

00:14:15: Das sind auch in unterschiedlichen Orten und sind dann nochmal vernetzt.

00:14:18: Da kriege ich wirklich Valide, gute Informationen.

00:14:24: Ohne die ist sehr schwierig.

00:14:26: Das habe ich vor allem gemerkt in den zwei Wochen, in denen die einfach wirklich offline waren und dann war zum Teil mit Starlink wieder ein bisschen was möglich und hier und da wenn so an die Grenzgebieten türkische Netz z.B.

00:14:39: schon gegangen ist oder ab und zu dann doch mal für zehn Minuten irgendwo das Internet funktioniert hat und sich jemanden mit VPN einloggen kann.

00:14:46: mittlerweile ist es wieder relativ verlässlich so dass die Menschen die VPN haben zumindest Gut ins Internet.

00:14:56: Du sitzt ja in Istanbul für den ORF seit Juni eben auch mit der Zuständigkeit für Tehran und Iran, wie sieht man denn aus der türkischen Perspektive auf diese neue oder nicht mal neu auf die Iran Realität?

00:15:09: Stichwort diaspora Handel überhaupt die Sicherheitslage.

00:15:13: Wie beobachtet man das an der Türkei?

00:15:15: Ja mit großer Besorgnis.

00:15:16: also ich denke einerseits ist Und der Türkei wichtig, dass es ruhig ist und ruhig bleibt.

00:15:22: Weil das ist ja doch ein Nachbar und kein unerheblicher Nachbar.

00:15:26: Man will einfach vermeiden, dass hier in der Region wirklich destabil wird nicht?

00:15:32: Man hat viele, viele Geflüchtete im Land und man will auch nicht, dass das mehr wird oder dass es irgendwie unruhiger wird hier.

00:15:41: Und man möchte sich natürlich gern weiterhin so als ... der Ordnungsmacht in der Region profilieren und wäre gerne Vermittler, also da versucht man quasi den Oman ein bisschen abzulösen.

00:15:53: Man hat ja auch versucht hier in Istanbul Verhandlungen die nächste Verhandlungsrunde zu haben, die dann doch wieder in Maskat im Oman und jetzt eben dann in Genf stattgefunden hat.

00:16:03: aber man versucht sich so auch für größere breitere Formate längerfristige Formate hier zu positionieren.

00:16:11: Kommen wir noch ein bisschen zu aktuellen Entwicklungen, politischen Entwicklungen vor allem.

00:16:15: Es hat jetzt nun nach weiteren Gesprächen geheißen, dass der Iran meint es gibt Fortschritte in den Verhandlungen mit den USA.

00:16:22: Welches sind denn das eigentlich aus dem Blickwinkel des Iran?

00:16:25: Gute Frage!

00:16:27: Haben Sie nicht gesagt.

00:16:28: Also iranischer Außenminister Abbasaragci war sehr kurz eingebunden nach diesen drei stündigen Gesprächen in Genf und hat gemeint man habe sich auf Richtlinien geeinigt.

00:16:39: Er hat weder gesagt, welche Richtlinien das sind.

00:16:43: Noch wann weitergesprochen wird.

00:16:45: aus den USA ist es dann ungefähr in zwei Wochen und Ehrlich gesagt, wir werden uns schon einigen.

00:16:51: Aber das heißt nicht dass es einfach wird und ehrlich gesagt ich habe aber Sarrakshi schon wie soll ich sagen deutlich zuversichtlicher wahrgenommen.

00:16:59: ja die Standpunkte die liegen einfach unfassbar weit auseinander.

00:17:02: Nicht die USA wollen nicht nur übers atomprogramm sprechen sondern sie wollen einfach die israelische quasi linie oder auch margarlinie ist einfach zero enrichment null uranen anreicherung und völliger Abbau auch der Atomanlagen, außer dem Raketenprogramm.

00:17:19: Komplettabbau oder zumindest starke Draussüllung.

00:17:23: Und die Proxies also die Stellvertreter Hispolai im Libanon oder auch die Hamas in Gaza diese Unterstützung muss fallen nicht.

00:17:32: das sind die drei großen Bedingungen.

00:17:34: kein Mensch redet by the way über Menschen oder Menschen Rechte mehr nur so mal kurz erwähnt.

00:17:40: Der Iran auf der anderen Seite will halt einfach maximal über sein Atomprogramm sprechen, ist da verhandlungsbereit und will im Gegenzug Sanktionserleichterungen.

00:17:49: So er will aber keinesfalls über seinen Raketenprogramm reden und er möchte auch keines falls über die Proxis sprechen.

00:17:57: Proxies verständlich das ist einfach eine Machtfrage.

00:18:01: und die Raketen ich meine nicht nur Willen nicht und es ist jetzt auch weniger nur eine Angelegenheit der islamischen Republik Das ist wirklich Staatsangelegenheit.

00:18:10: Also das ist jetzt nicht nur ein Tick der Muller, sondern in dieser Region so wenig im Wasser zu haben die militärischen Soldaten.

00:18:23: Das können Sie wie wir gesehen haben.

00:18:25: blutige Niederschleifung der Proteste.

00:18:27: Das haben sie richtig gut drauf!

00:18:29: Aber sonst, um das Land zu verteidigen ist das Raketenprogramm das Einzige was Sie haben.

00:18:33: Also wenn sie das nicht mehr haben sind sie nackt.

00:18:36: Das ist eben kein Spleen sondern... also das ist irgendwie pure Logik und deshalb findet sich es nicht.

00:18:43: Deshalb glaube ich auch quasi dass maximale was zu erreichen wäre, wäre eine Wiederholung des Vien-Atomabkommens vor dem Jahr zwei Tausend Fünfzehn da es eben Trump Zwei Tausende Achtzehn selbst aufgekündigt hat.

00:18:56: Also er hat sich da selber in einem Mega Dilemma begeben, indem er gesagt hat so das kündigen wir auf.

00:19:02: gleichzeitig beginnt der den krieg mit dem mit den israelis.

00:19:05: sagt jetzt den demonstranten sie sollen wieder weiter protestieren gehen oder käme ihnen zur hilfe aber er will nicht rein marschieren und dass wäre sagen alle experten die einzige variante wie man quasi den iran tatsächlich drei neunzig miljonen menschen land das besiegt man nicht so in null kommen nichts und schon gar nicht einfach aus der luft.

00:19:24: nicht da müsste man rein marshieren.

00:19:26: Und eine lange Operation, die viel Geld kostet und viele Jahre dauern könnte.

00:19:31: Das ist etwas, was Trump nicht haben möchte.

00:19:33: Der will quick wins, der will einfach schnelle Erfolge und präsentable Erfolgen... Hier

00:19:38: Venezuela?

00:19:39: ...exakt!

00:19:40: Aber eben also eine längerfristige Aktion, das interessiert mich nicht.

00:19:44: Dieses Reingehen ins Land war ja schon mal, würde ich sagen mit den Jännern hat es so ausgesehen als auch Chaminé selbst, der oberste Religionsführer des Landes da besorgt war, weil da gab es dann Mellungen, dass er sich in einen Bunker verzogen hätte.

00:19:58: Wie ist denn da jetzt eigentlich der Status?

00:20:00: Was weiß man über den Verbleib von Chaminé und was würde das ändern wenn der Mann, ich glaube Jahrgang neununddreißig irgendwann nicht mehr isst?

00:20:09: würde da vielleicht ein bisschen eine Liberalität aufgehen?

00:20:11: oder gibt es da längst genug andere, die dann seinen Platz einnehmen?

00:20:14: Ich würde sagen man muss vorsichtig sein damit.

00:20:18: er sitzt im Flieger nach Russland.

00:20:19: Er hat sich in einer Höhle verkochen.

00:20:21: Er hatte vor zwei Tagen eine Rede gehalten.

00:20:24: in aller Öffentlichkeit also ist es sehr klar zu sehen dass er in erstaunlich guten Gesundheitszustand ist.

00:20:29: er hält wirklich.

00:20:30: das muss man ihm echt lassen.

00:20:32: Sehr präzise und sehr gewannte Reden sind sehr guter Redner Und hat jetzt auch eben so geschafft zu sagen, es ist viel Blut vergossen worden nach diesen vierzig Tagen.

00:20:45: Und zwar von allen Seiten.

00:20:46: und der hat gesagt ich vergebe euch also und er hat jetzt verkünden lassen dass sehr viele Gefangene die bei den Protesten gefangen wurden freigelassen werden.

00:20:57: Also es gibt so auch versöhnliche Töne Genau!

00:21:01: Es sollte der sechsohnachtzigjährige Feminä dann irgendwann aber nicht mehr aus welchen Gründen immer an der Spitze dieser islamischen Republik stehen, würde dieses System nicht zusammenkrachen.

00:21:12: Das ist quasi der wichtigste Punkt.

00:21:15: Es ist nicht wie in vielen arabischen Ländern der Fall ein Chef oder eine Familie an dem oder an der alles hängt.

00:21:25: Da gibt es eben politische Fraktionen, es gibt eine Oligarchenschicht.

00:21:31: Es gibt die wirklich nicht zu unterschätzenden Macht der iranischen Revolutionsgarten genauer.

00:21:38: Die Wahrscheinlichkeit, dass entweder ein anderer Mullah der zwar nicht in dieser Ausführlichkeit Macht hätte wie Rame Nede jetzt, glaube ich seit szeigunddreißig Jahren an der Macht ist.

00:21:50: Aber wer durchaus vorstellbar das quasi seinen Sohn mutscht, er bar etwa übernehmen könnte oder auch einen anderen Mullah?

00:21:57: Es könnte ja auch sein, dass gar kein Mullah mehr installiert wird und es eher so was für eine Militär-Diktatur wird z.B.

00:22:05: Pakistan

00:22:07: Wenn du jetzt Menschen, also abseits deines Berufs ist Journalistin mit Menschen über den Iran sprichst.

00:22:13: Gibt es da etwas was dir auffällt?

00:22:15: Was alle irgendwie... Falsche einschätzen oder was vom Irrtümer gibt.

00:22:19: Das ist ja sehr oft so, dass man dann ein Bild hat und sich zusammensetzt aus den vielen Meldungen wo du sagst, da kannst du etwas entgegensetzen.

00:22:27: das ist einfach ein Irrtum, das ist falsch, das muss man anders sehen.

00:22:30: Ja ich glaube, dass wir sehr stark das Bild von Iran haben, dass er wahrscheinlich dem entspricht was Frauen in Afghanistan erleben.

00:22:39: Also ich denke, dass wir diese Kopftuchdiskussion, die wird dann ganz schnell oft vermengt mit eben Unterdrückung auf ganz vielen Ebenen und es ist unterdrückungen auf vielen Ebernen.

00:22:51: keine Frage aber... Die Frauen im Iran haben sich erstens eben dieser Unterdrücken weitgehend entledigt Und auch sonst leben die vor allem junge Generation ein unfassbar westliches eben ein ganz, ganz säkulares Leben.

00:23:10: Also das ist eins der säkularsten Länder in dieser Region und das ist schon nicht ganz uninteressant, dass über knapp fünfzig Jahre islamisches Regime es geschafft haben, dass die Menschen einfach nicht mehr religiös sind, nicht mehr glauben.

00:23:25: Und wenn es denn gerade geht, dann feiern die Partys.

00:23:28: Die trinken natürlich Alkohol.

00:23:30: Die haben Liebschaften und Drogen.

00:23:34: Die jungen Frauen fahren Motorrad, obwohl das verboten ist.

00:23:38: Es ist nach Westen orientiert und sehr viel weniger antiamerikanisch und anti-israelisch als man glauben könnte.

00:23:49: In Pakistan zum Beispiel, da ist der Antisemitismus so tief verankert.

00:23:54: Man könnte fast meinen an so tief wie in Österreich verankern.

00:23:57: Das ist im Iran nicht der Fall.

00:23:59: Im Iran gibt es eigentlich diese Vorurteile gegenüber anderen Ländern gar nicht und das ist eher recht pro-westlich und proamerikanisch sind die Menschen eingestellt.

00:24:09: Und das Wichtigste ist, man kriegt im Iran Dinge, die man in Österreich nicht bekommt.

00:24:14: Die man sonst in vielen anderen Teilen dieser Welt nirgends bekommt.

00:24:18: Zum Beispiel gibt es Zimt Kaugummi von Trident.

00:24:22: Den kriege ich normalerweise in New York aber den kann ich auch in Teheran kaufen.

00:24:28: Außerdem gibt's einiges Varoske-Geschäfte.

00:24:30: würde man auch nicht vermuten dass es Varoski Filialen gibt?

00:24:34: also das finde ich doch total erstaunlich und das glaube ich nicht, dass das allgemein wissen ist.

00:24:39: Es gibt einfach sehr viel mehr, wenn man das Geld hat.

00:24:43: Das ist ganz wichtig!

00:24:44: Wenn man das geldt, dann gibt es so gut wie alles im Iran.

00:24:48: Lieber

00:24:48: Rosa, vielen Dank.

00:24:49: Das war eine spannende Einschätzung gewesen.

00:24:51: Danke Fimas und alles Gute nach Istanbul.

00:24:53: Liebe Gosnarin

00:24:56: Und links zur weiteren Berichterstattung über den Iran finden Sie wie immer in den Shownotes.

00:25:01: Danke fürs Zuhören und dranbleiben – bis zum nächsten Mal.

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