Demograf zur Geburtenbilanz: „Kinder bringen Schwung in die Bude“
Shownotes
Die sogenannte Fertilitätsrate, also die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau, liegt bei 1,29 für das Jahr 2025, ein neuer Tiefststand. Die Folgen sinkender Geburten bereiten Österreichs Politik Sorgen: Wie ist es bei weniger Geburten um unseren Wohlstand bestellt? Was wird aus unserem Pensionssystem? Und wo soll bei einer alternden Bevölkerung die Innovationskraft herkommen?
Wolfgang Lutz, Demograf am The International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) , spricht in dieser Folge darüber, wie viel Kopfzerbrechen uns diese Statistik tatsächlich bereiten sollte, was passiert, wenn immer weniger junge Menschen die Zukunft unserer Gesellschaft gestalten, und welche politischen Hebel es gibt, Wohlstandsverlust vorzubeugen.
Gast: Wolfgang Lutz, Demograf IIASA, Wittgenstein Centre Host: Christine Mayrhofer Schnitt: Audiofunnel/Georg Gfrerer
Familienforscher Mazal: „Menschen bekommen weniger Kinder, als sie sich wünschen. Das ist ein Alarmsignal“ >>> „Ein künstliches Konstrukt“: Sollen Frauen im Schnitt 2,1 Kinder gebären? Nein, sagen Forscher >>> Österreich braucht dringend wieder mehr Kinder
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00:00:05: Die Presse.
00:00:09: In Österreich kommen immer weniger Kinder zur Welt, die sogenannte Fertilitätsrate also die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liegt mit ein Kommen neunundzwanzig so niedrig wie nie zuvor.
00:00:21: Mein Name ist Christine Meyerhofer und das ist was wichtig ist der tägliche Nachrichten Podcast der Presse.
00:00:35: Wie ist es um unseren Wohlstand, unser Pensionssystem unserer Innovationskraft bestellt?
00:00:41: Und was passiert wenn immer weniger junge Menschen die Zukunft unserer Gesellschaft mitgestalten.
00:00:48: Ich habe mit Wolfgang Lutz demograph am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse IASA darüber gesprochen wie viel Kopfzerbrechen uns diese Statistik tatsächlich bereiten sollte und welche politischen Hebel es gibt Wohlstandsverlust vorzubeugen.
00:01:10: Guten Tag Herr
00:01:10: Lutz.
00:01:11: Guten Tag!
00:01:12: Herr Luz, ich bin thirty-two Jahre alt und habe ein sicheres Arbeitsverhältnis eine stabile Partnerschaft.
00:01:18: Ich bin gesund.
00:01:19: Würden Sie mir empfehlen einen Kind zu bekommen?
00:01:21: Ja das liegt ganz an Ihnen.
00:01:23: es ist schon.
00:01:25: also.
00:01:25: empirische Studien zeigen dass die meisten jungen Paare sich Kinder wünschen aber es gibt immer individuelle Bedingungen.
00:01:33: manche Leute wollen das von vornherein nicht andere sagen wollen wir uns ein bisschen hinausschieben und später an Kinder denken.
00:01:40: Also das ist wirklich nicht so tief der persönliche Entscheidung, ob man einen Kind haben will oder nicht?
00:01:47: Um diese persönlichen Entscheidungen soll es aber heute gar nicht gehen sondern eher um das größere Ganze.
00:01:53: Ein Kommen neunundzwanzig Kinder bekommt eine Frau in Österreich im Durchschnitt laut den aktuellsten Zahlen.
00:01:59: Das ist so wenig wie nie zuvor.
00:02:01: Worauf führen denn Sie diese Entwicklungen zurück?
00:02:04: Ja, zuerst muss man ein bisschen was sagen zu diesen Kennziffern.
00:02:09: Das ist natürlich die Frauen kriegen ihre Kinder nicht in einem Jahr sondern über einen Lebenslauf, über mehrere Jahrzehnte hinweg und diese Kennzahl dieser sogenannten Gesamtfruchtbarkeitsrate ist eine künstliche Konstruktion.
00:02:24: Man nimmt also wieviel die alter spezifischen Geburtenraten in einem Jahr, wie hoch sie waren und sumiert das ab als ob es der Lebenslauf einer durchschnittlichen Frau wäre.
00:02:35: Aber diese Kennzahlen sind sehr sensitiv und speziell auf das Timing der Geburt.
00:02:40: Also wenn auch nur ein Zehntel, also zehn Prozent der Frauen sich entscheiden, Sie haben ihr Kind lieber nächstes Jahr als dieses Jahr dann heißt das dass diese Total Fatility oder Gesamtfruchtbarkeit rate plötzlich zehn Prozent tiefer ist in dem einen Jahr und gleichzeitig auch das durchschnittliche Gebäralter nur um ein Zehnteljahr ansteigt, weil sozusagen dieses eine Zehntel das dann ein Jahr später hat.
00:03:03: Also es sind ganz geringe Schwankungen im mittleren Gebär.
00:03:06: Alter führen zu starken Schwankung bei dieser Geburtenrate.
00:03:10: der viel sicherer und aussage stärkere Indikator ist die sogenannte Kohortengeburtenrat also tatsächlich echte Lebensläufe.
00:03:24: wie viele Kinder haben die bisher?
00:03:26: Der Nachteil davon ist, dass man schon warten muss bis diese Alterskoorte ja zumindest fünfundvierzig Jahre alt sind.
00:03:33: Wenn also die Fertigkeit im Wesentlichen abgeschlossen ist und das ist man sozusagen.
00:03:39: oft will man nicht zu lange warten sondern mal wieder recentere aktuelle Daten haben und deshalb hat man diese synthetischen Kohorten also diese künstliche Ziffer gewählt.
00:03:49: Man muss das sagen weil man die kurzfristigen jährlichen Schwankungen eben nicht überinterpretieren darf.
00:03:55: Die Kohortenfertilität liegt in Österreich schon auch deutlich darüber, so bei ungefähr ein Komma fünf Kindern pro Frau.
00:04:03: Dennoch gerade wenn Sie sagen eine kurzfristige Verschiebung vielleicht nach hinten da sind ja dann auch, auch wenn es da Entwicklungen gibt irgendwann biologische Grenzen dem ganzen Gesetz und der Langzeit-Trend ist auch sehr eindeutig.
00:04:19: Ja, ich meine jetzt auf die gehorten.
00:04:21: Fertigitätsraten gehen nach unten.
00:04:24: Das ist dann fast ein lineare Trend nach unten und das ist eindeutig dass immer weniger Kinder pro Frau im Durchschnitt auf die Welt kommen.
00:04:36: Die Frage der Beurteilung ist eine sehr schwierige, ob das jetzt gut oder schlecht ist.
00:04:40: Zunächst einmal gut ist sicher, dass eben Paare und Frauen selbst entscheiden können wie viele Kinder sie haben wollen.
00:04:47: früher waren eben sehr viele Unge Wollte Schwangerschaften dabei.
00:04:50: Es waren auch sehr starke soziale Normen, was erwartet wurde wie viele Kinder man haben soll.
00:04:57: und jetzt ist das mehr eine Frage der freien persönlichen Entscheidung, was ja durchaus positiv ist.
00:05:04: Das Problem dabei ist eben dass die Es ist zwar eine private Entscheidung, aber die Konsequenzen betreffen schon auch die gesamte Gesellschaft.
00:05:13: Also es ist für den Rest der Gesellschaft nicht ganz gleichgültig wie viele Kinder auf die Welt kommen – obwohl es meist überbetont wird diese gesellschaftliche
00:05:22: Relevanz.".
00:05:24: Weil Sie schon so gut erklärt haben, wie es zu solchen Kennzahlen kommt, wieso wird diese Fertilitätsrate eigentlich immer an Kindern pro Frau gemessen?
00:05:34: Junge Frau, wenn ich da irgendwie mit einem kritischeren Ohr zuhöre, kommt es mir schon so vor als würde meine persönliche Lebensentscheidung in einem Dienster der Allgemeinheit gestellt werden.
00:05:46: Sind die Frauen alleine zuständig fürs Kinderkriegen?
00:05:49: Nein aber das Statistik ist besser für die Frauen.
00:05:51: Es gibt immer eine gewisse Zahl von Geburten wo der Vater unbekannt ist.
00:05:57: Entweder dass die Frau ihn nicht nennen will oder sie weiß es auch nicht.
00:06:00: Das hat schon der alte Römer, das Prinzip Gerpater Semper in Zertus.
00:06:05: Also Vater ist immer ungewiss und bei den Müttern besteht diese Unsicherheit eben nicht.
00:06:12: Und das ist sozusagen einer der Gründe.
00:06:15: Der andere ist erst statistische Natur dass die Zeit in der Männerväter werden können ja deutlich länger ist und deshalb man sozusagen mehr Jahre zusammenfassen muss ja ungleich die Verteilung nicht so schön, eine regelmäßiges Muster hat wie es bei den Frauen der Fall ist.
00:06:33: Also diese statistische Grund aber vor allem auch der rechtliche Grund haben dazu geführt dass man sie in der Regel an dem Frauenfest macht.
00:06:43: Jetzt gibt es gemeinhin diesen Marker von zwei Komma ein, Kindern pro Frau die eben ein stabiles Bevölkerungsniveau garantieren sollen.
00:06:51: Da ist Migration nicht eingerechnet da liegt Österreich deutlich darunter und politisch leuten da immer so die Alarmglocken.
00:06:58: Stichwort Pensionssystem stichwort Arbeitskräfte zurecht
00:07:03: Nein, das ist ja zwei Komma eins oder genauer gesagt.
00:07:06: Das ist auch bei uns eher zwei Kommanul vier weil die Kindersterblichkeit sehr niedrig ist.
00:07:10: also dieses Zehntelkind ist sozusagen da ist die Kinder Sterblichkeit mit eingerechnet.
00:07:14: und im afrikanischen Land wo die Kinderstärklichkeit sehr hoch ist während er zwei Kommafier Dieses sogenannte Bestand der Haltungsniveau ist eine sehr abstrakte Größe, die ich sage es manchmal ein Virus aus dem Labor der technischen Demokrafen rausgekommen ist und die Köpfe der Politiker oder anderen Leute infiziert hat weiß eigentlich keine sinnvolle Bezugsgröße.
00:07:37: Das ist wirklich nur in einem hypothetischen Fall dass sich die Sterblichkeit nicht verändert also dass die Lebenserwartung nicht weiter ansteigt das es keine Migration gibt was ja auch in den meisten Gesellschaften nicht der Fall ist und dass die Altersstruktur ganz gleichmäßig ist.
00:07:53: Nur dann ist es so, dass diese bei uns nach dem langfristig eine stabile Bevölkerungszahl ergeben.
00:08:04: aber die Frage ist das überhaupt strebenswert?
00:08:06: warum wollen wir?
00:08:08: Eine stabile Bevölkerungszahl, wie in den letzten Jahrzehnten ist die Bevölkerung der Welt sehr stark gewachsen.
00:08:13: Aber auch die Bevölkerungen Österreichs sind gewachsen und in den meisten Ländern hatten wir einen Wachstum zu verzeichnen Und jetzt beginnen einige Länder eben zu schrumpfen.
00:08:21: Das ist für sich ein natürlicher Prozess wo es keinen Grund gibt den Panik auszubrechen.
00:08:27: Trotzdem blicken wir oft in Gesellschaften, die diese Probleme schon etwas früher haben oder hatten beispielsweise Japan oder Korea.
00:08:37: Oft als sehr abschreckendes Beispiel.
00:08:39: das geht hin von sowas wie einer fehlenden wirtschaftlichen Innovationskraft bis hin zu so einem wahrgenommenen traurigeren Straßenbild.
00:08:47: ist da gar nichts dran an diesen Sorgen?
00:08:50: Eigentlich nicht.
00:08:51: Es kommt nicht darauf an, so in erster Linie wie alt die Menschen sind sondern wie innovativ sie sind auch wie viel Bildung Sie haben, wieviel Wissen Sie haben und wieviele Kreativität Sie haben.
00:09:01: Und das ist zum Teil eben eine Konsequenz der Investitionen in der frühen Erkenntheit Wieviel man in Menschen investiert oder auch in die Schulbildung und andere Charaktereigenschaften die Innovation fördern.
00:09:15: Das ist viel wesentlicher, als ob man jetzt fünfzig, sechzig oder fünfundsechzig Jahre alt ist.
00:09:22: Gerade Japan wurde immer als Schreckbeispiel genannt aber im Prinzip läuft es ja wunderbar.
00:09:27: Japan hat die längste Lebenserwartung der Welt auch die Lebensqualität.
00:09:30: mit vielen Indikatoren steht Japan ganz toll da und auch die Innovationen, die Patente.
00:09:37: ich meine es sind junge Gesellschaften in Afrika.
00:09:39: Ich bin Nigeria das am schnellsten wachsende große Land.
00:09:42: Wir werden fast keine Patente registrieren, wir werden in Japan sehr viele.
00:09:46: Es ist wirklich nicht die alte Struktur und ob sie wachs oder nicht, dass das entscheidende ist für das wirtschaftliche Wohlergehen aber auch für das allgemeine soziale Wohnergeben.
00:09:57: Ich halte hier Japan gerade für ein gutes positives Beispiele.
00:10:01: In Österreich hieß es trotzdem so, dass die Menschen weniger Kinder bekommen als sich eigentlich wünschen.
00:10:08: Ist nicht das auch problematisch?
00:10:10: Also ist es vielleicht nicht auch Aufgabe der Politik Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Realisierung des gewünschten Lebensmodells möglich macht.
00:10:19: Ja auch dieses ist manchmal ein bisschen irreführend.
00:10:23: zur Vergleiche natürlich wünschen wir uns alle möglichen Dinge.
00:10:27: wenn man die Leute fragt da sagen wie viele Tage eines Karibikurnaubs wünscht sie sich wo?
00:10:32: ja dann sagen Sie auch was ich zwei Wochen oder drei Wochen oder noch mehr.
00:10:36: Das heißt aber nicht automatisch, dass der Starter jetzt einspringen soll um das den Menschen zu ermöglichen.
00:10:41: so viel Karibikurlaub.
00:10:43: Und ähnlich ist es ebenso auch mit dem Kinderwunsch, da gibt es verschiedene Massen, man sagt insgesamt die ideale Kinderzahl und dann gibt es die realistisch erwartete Kinderzahl, die dann in der Regel unter dem Ideal liegt Weil man eben auch andere Ziele hat.
00:10:59: Man will gleichzeitig die Freiheit genießen, ohne Kinder unbeschwert reisen und andere Dinge machen.
00:11:06: Wenn ein Ideal geäußert wird, heißt es nicht automatisch, dass man dieses Ideal durchführen kann weil's immer im Wettstreut mit anderen wünschen und Idealen steht.
00:11:18: Man könnte sagen ja, die Menschen wünschten sich so viele Kinder kriegen nicht genug.
00:11:23: das ist nur wenn es sozusagen ein starkes... Wenn es einen starken Grund gibt, dass die Gesellschaft es will, dass mehr Kinder auf die Welt kommen.
00:11:34: Dann kann auch da natürlich finanzieller und in anderen Arbeiten nachgeholfen werden, dass dieser im Prinzip vorhandene, latent vorhandenen Kinderwunsch besser realisiert wird.
00:11:44: aber auch da ist eine Frage ist das tatsächlich auch ein Staatswunsch und ein Wunsch für den Rest der Gesellschaft hier zu schauen, dass die Leute mehr Kinder kriegen.
00:11:54: Und also letztlich die Frage ist welches Niveau der Geburtenrate ist das was auch mal strebendst wertigsten aus gesellschaftlicher Perspektive ist?
00:12:04: Und dann haben wir so viele Simulationen und Berechnungen durchgeführt und auch andere Gruppen auf wo sie die alter spezifischen Profile der Kosten von Kindern die Erwachsenen an Einzahlungssystem oder wieder die Kosten der älteren Menschen, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen versuchen zu vergleichen.
00:12:23: Und es zeigt sich also dass die optimale Geburtenrate auch aus gesellschaftlich und wirtschaftlicher Sicht unter diesen zwei Komma eins liegt irgendwie ja um die ein Komma fünf vielleicht aber das ist ein relativ breites Optimum als auch eine Komma drei ist kein Problem wie auch einen Komma acht nicht so sehr ein Problem ist.
00:12:41: ein Problem wird es dann wenn auf Eins oder unter Eins geht, dann sind einfach die Discontinuitäten zu groß.
00:12:49: Aber vor allem wenn man auch nicht nur die sogenannte Altersbelastungsquote also wie viele Leute in der Altersgruppe zwischen Fünfzehn und Sechzig sind im Bezug zu denen über Fünfundsechzig und unter Fünfzehn Wenn man auch die Bildung mit hineinrechnet, die unterschiedliche Produktivität oder die unterschiedlichen Erwerbsbeteiligung – das sind ja alles Dinge, die sehr wichtig sind für die wirtschaftlichen Aspekte.
00:13:15: Dann kommt es durchaus als optimal raus, dass man etwas weniger Kinder hat und dann aber mehr Mittel, mehr Geld, mehr Zeit in jedes einzelne Kind investieren kann, die dann umso produktiver wieder sind.
00:13:29: Wir haben ja in Österreich Wie in vielen anderen europäischen Ländern.
00:13:33: Kinder, Jugendliche die eben wie jetzt die PISA-Studie zum Beispiel zeigen fast mehr als ein Viertel nichts hin erfassend lesen können scheint es mir sinnvoller in diese jungen Menschen zu investieren.
00:13:45: dass sie so sagen aktivere Mitglieder der Gesellschaft werden auch noch produktiver etwas beitragen können.
00:13:51: zur Gesellschaft, erst zu schauen dass jetzt noch mehr Kinder noch mehr Köpfe auf die Welt kommen.
00:13:57: Fast das manchmal unter dem Schlagwort zusammen ist kommt nicht so sehr auf die Zahl der Köpfer an sondern was in den Köpfen ist.
00:14:04: Da möchte ich gleich noch etwas weiter eingehen, weil es ist ja auch aus der Statistik heraus lesbar.
00:14:10: Dass beispielsweise in Wien die Fertilitätsrate deutlich höher ist, dass das dort auf Menschen zurückzuführen ist, die zugewandert sind.
00:14:17: und diese Zuwanderung ist eigentlich im Diskurs oft ein Feindbild wenn sie eigentlich ein vermeintliches Problem lösen könnte.
00:14:26: Ja, die Tatsache des Menschen, die aus anderen Kulturen zu uns kommen auch unterschiedliche Kinderwünsche haben und unterschiedlich auch Familienbilder haben.
00:14:37: Das ist eine bekannte Tatsache!
00:14:39: Wir sehen es ja überhaupt im globalen Blick, dass was wir die demografische Transition einen oder den demografischen Übergang, wo zuerst die Sterberaten sinken und dann die Geburtenraten sind – das ist ein Prozess der in verschiedenen Kulturen, in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich weit fortgeschritten ist.
00:14:59: Eine der entscheidendsten Determinanten, also die Bestimmungsgründe wie weit ein Land oder eine Gesellschaft hier fortgeschritten ist, ist die Bildung insbesondere die Bildungen der Frauen.
00:15:09: Wir sehen das zum Beispiel ganz klar auch aus wie Österreich Gastarbeiter auf der Türkei in den Sechzig und siebzig Jahren angeheult hat.
00:15:16: Da hat man speziell abgezielt auch die am wenigsten gebildeten Analferbeten aus dem Hochland von Anatolien, die auch ihre Breute dann mitgebracht haben, die in der Regel auch Analfervetinnen waren Und die natürlich sozusagen in der sozialen Entwicklung, auch in der demografischen Entwicklung einige Jahrzehnte hinter der Entwicklung wie wir sie in Westeuropa hatten.
00:15:36: Die hat eine altmodische Resin-Anführungszeichen, Familienbild wo natürlich mehr Kinder dazugehört haben.
00:15:43: und ähnlich ist es mit Leuten aus dem arabischen Raum zu uns kommen in der Frühlingswelle also aus Syrien oder aus Afghanistan überhaupt ganz weit zurück in der Entwicklung, wo der Großteil wirklich ganz wenig Bildung hat.
00:15:58: Die haben natürlich auch sozusagen gesellschaftliche Vorstellungen, die dementsprechend was bei uns vielleicht vor achtzig oder hundert Jahren der Fall war.
00:16:06: Wir haben ja diese Entwicklung durchgemacht und wir hatten früher auch hohe Kinderzahlen.
00:16:11: Auch die Hausfrauenrollen oder die Frauen, die nicht emanzipiert gleichgestellt waren mit den Männern.
00:16:16: Das sind alles eher jüngere Entwicklungen Kulturen, wo manche der Zuwanderer herkommen, braucht das eben noch Zeit.
00:16:25: Gleichzeitig sehen wir die Zuwandler aus Westeuropa oder auch aus Osteuropa zunehmend, die sind in ihren Werten und auch in ihrer Familienstruktur und in einer Kinderzahl ganz ähnlich wie die Menschen, die in Österreich auf die Welt gekommen
00:16:37: sind.".
00:16:38: Sie haben vorhin viele Faktoren aufgezählt, die für wirtschaftlichen Wohlstand einer Gesellschaft wichtig sind.
00:16:45: Welche Rolle spielt denn eigentlich Sorgearbeit oder Kehrarbeit in einer entwickelten reichen Gesellschaft?
00:16:50: Wie ist unsere ist also liegt es vielleicht an einer fehlenden Wertschätzung dafür?
00:16:55: Ja das ist eine ganz spannende Frage und ich meine früher war die Kehrarbeiter-Sorgearbeit alleine den Familien zugerechnet.
00:17:05: Bis hin auch zur Alklüfürsorge, denn auf einem Bauernhof gab es das Ausgedinge, wo die Altbauern dann schon von ihren Kindern oder Schwiegerkindern mit versorgt wurden – auch wirtschaftlich ist.
00:17:18: Es gab ja keine pension im modernen Sinn und natürlich auch was ... Kinderversorgung betraf und die Kranken in der eigenen Familie.
00:17:27: Und das zunehmend wurde das in den Ausgelagert, es ist sozusagen auch ein Fortschritt der Sozialsysteme dass das professionalisiert wurde ausgelagern wurde.
00:17:36: aber das ist natürlich auch mit Kosten verbunden.
00:17:39: aber wir konnten uns das leisten weil die Gesellschaft als ganze reicher geworden ist und es den wirtschaftlichen Aufschwung gab.
00:17:46: Aber natürlich ist es noch nicht alles ausgegliedert Und speziell als die Kehrarbeit für Kinder ist sehr stark noch eine Frage der Familien, der Eltern.
00:17:57: Bei den älteren Menschen ist das zum Teil schon mehr ausgelagert oder auch es wird ja finanziell auch als Pflegegeld überwiesen vom Staat.
00:18:07: Auch hier gibt es in Europa unterschiedliche Entwicklungsstadien sozusagen also in Skandinavien wo ich das System recht gut kenne wenn meine Frau ist finden wir fahren jedes Jahr dorthin und ich habe aber einige Forschungsberechte dort.
00:18:20: Da ist es wirklich noch viel stärker als bei uns der Staat, der hilft.
00:18:25: Insbesondere bei der alten Betreuung auch zunehmend bei der Kinderbetreuung.
00:18:30: Es gibt alle Kinder fast bei einem halben Jahr oder einem Jahr in einer Betreuungs-Einrichtung die eben sozusagen von der Qualität sehr hochstehend ist und durchaus ein familiäres Umfeld bieten kann.
00:18:46: Ja, das ist sozusagen die Frage, die in verschiedenen Gesellschaften auch etwas ideologisch diskutiert wird.
00:18:53: Wie weit gerade die frühkindliche Entwicklung etwas ist, was sozusagen vom Staat übernommen werden soll oder wie weit das eben privat in der Familie bleiben soll.
00:19:02: und da gibt es verschiedene Zwischenstufen zurück.
00:19:05: Was in Finnland extrem positiv und erfolgreich war, ist ein Beratungssystem.
00:19:11: Es wurde also schon ... Die Leute, die Kinder, In den Familien, ihre frühkindliche Sozialisation erlebt haben wurden ähnlich wie bei uns der Mutter-Kindpass.
00:19:22: Aber bis zum Schuleintritt in regelmäßigen Visiten nicht nur ärztlich sondern eben auch sozialpsychologisch und wickungspsychologe betreut und beraten.
00:19:31: Ich habe da eine Hypothese, dass die Tatsache das die Finnen so gut im Pisa abgeschnitten haben weniger mit dem Schulsystem zu tun hat.
00:19:39: Sondern mit dieser aktiven Förderung der frühkindlichen Entwicklung wo wirklich in allen Gesellschaftsschichten auch der den Bildungsfernenschichten Hilfe geboten wurde, die eben der Förderungen der Kinder dientlich war.
00:19:52: Also das Bildungs- und Sozialsystem als Hebel höre ich da ein bisschen heraus.
00:19:58: Ich möchte nochmal die internationale Entwicklung in den Blick nehmen.
00:20:01: Österreich, wir haben das schon besprochen ist ja mit dieser Entwicklung gar nicht alleine und laut der UN da wird es rund um zwei tausend achtzig oder in den zweitausendundachtiger Jahren den Turnaround geben was das Bevölkerungswachstum angeht.
00:20:15: In den vergangenen Jahrzehnten haben wir oft dieses Narrativ des drohende Narrativ von der Überbevölkerung gehört.
00:20:23: heute hört man manchmal schon die Umgekehrte Sorge vom Aussterben der Menschheit.
00:20:29: Also ist das vielleicht einfach alles viel zu ideologisch aufgeladen?
00:20:33: Die Bevölkerungsentwicklung geht sehr langsam von starten und man spricht von einem Dreckheitsmoment, und es war so schon in den neunziger Jahren durchaus absehbar dass das damals noch sehr schnelle Bevölkerungswachstum zu einem Ende kommt.
00:20:47: Es war unsere Gruppe hier in Wien.
00:20:50: Wir hatten im Jahr Zwei-Tausend ein sehr prominentes Artikel in Nature der weltweit führenden Zeitschrift mit dem schönen Titel The End of World Population Growth, also das Ende der Weltbevölkerung.
00:20:59: Die UNO hat damals noch produziert, dass es weiter wächst auf zwölf oder mehr Milliarden.
00:21:03: Inzwischen hat sich die UNO auch unserer Sichtweise angenehrt, dass eben der geburten Rückgang doch schneller vor sich geht und vor allem nicht bei den Zwei-Kommer Eins, der Kindern stoppt.
00:21:14: Das war so in einem problemosen sehr lange über Jahrzehnte hinweg die Annahme das die Geburtenrate wenn sie sinkt dann irgendwo um die zwei Kinder aufhört zu sinken.
00:21:24: Die UNO hat es dann verändern auf ja ein Komma acht Kinder oder dann spätelt nach dem Mehr an mehr Länder unter die Ein Komma Acht gesunken sind vielleicht einen Komma Sechs Aber inzwischen gehen die Geburtenraten in manchen Ländern ja auch schon unter.
00:21:37: Ein Komma Null, Kinderprofreil in Südkorea mit null Komma Acht oder sogar null Kommasieben Fünf eine Zeit lang deutlich darunter.
00:21:45: Die Frage ist dann natürlich für die Bevölkerungsprojektionen wie tief wird sie sinken und wird das für alle Länder gelten?
00:21:52: Also es sind viele Fragenzeichen was die langfristige zückünstige Entwicklung betrifft aber dass als Weltbevölkerungswachstum Einem Ende entgegen geht, wir haben selber geschätzt.
00:22:03: So um die zwei Tausend Siebzig wird vielleicht schon ein Kipfel erreicht werden und vielleicht gar nicht die zehn Milliarden Schwelle erreicht werden sondern vorher wird es abflachen.
00:22:12: Zurück zu der Frage das ist für viele Leute kommt das als eine neue Einsicht weil sie immer noch im Ohr haben diese Warnung vor der Bevölkerungsexplosion oder der Bevölkerungs Bombe wie der Titel eines Buchs von Paul Ehrlich war.
00:22:27: Ja, da ist was wie.
00:22:28: es haben natürlich eine Ungleichheit noch und wir sehen in Afrika.
00:22:31: Da ist eben dieser Prozess der demografischen Transition doch einige Jahrzehnte später erst oder über ein halbes Jahrhundert später also bei uns war.
00:22:41: Was heißt das?
00:22:42: die in manchen Ländern in Afrikas die Geburtenrate immer noch bei fünf bis sechs Kindern pro Frau liegt?
00:22:47: Und überhaupt die Bevölkerung Afrikas sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verdoppeln oder mehr als verdoppelt wird Gleichzeitig, wo es bei uns zu schwumpfen beginnt.
00:22:57: Und das sind natürlich gewisse Ungleichheiten was sich auch auf die Migrationsneigung auswirkt.
00:23:04: also wir müssen uns nur vergegenwärtigen dass an der Zeit Europa oder bei uns in Österreich das Bevölkerungswachsum sehr stark war.
00:23:12: das war so um nineteenhundert bis zum ersten Weltkrieg hin und da sind ja auch millionenfach die Leute ausgewandert nach übersehe weil hier eben Ja, begrenzte Ressourcen waren begrenzte Möglichkeiten.
00:23:27: Und ähnlich ist natürlich jetzt.
00:23:29: wenn in Afrika oder auch in Westasein in manchen Ländern noch ein sehr starkes Bevölkerungswachstum ist, ist da einen Migrationsdruck in gewisser Weise da, ähnlich wie wir es seinerzeit hatten.
00:23:42: also Es ist nichts Neues in der Menschheitsgeschichte sondern das ist einfach die zeitlich versetzte Entwicklung Die hier zu manchen Problemen für.
00:23:53: Ich möchte noch mal nach Österreich schauen.
00:23:58: Wir müssen uns nicht per se Sorgen machen, wenn die Fertilitätsrate sinkt was den wirtschaftlichen Wohlstand angeht.
00:24:06: aber gibt es auch andere Auswirkungen auf die wir bewusst schauen sollten?
00:24:12: Nicht so günstig für eine Gesellschaft, wenn es einfach verhältnismäßig sehr viel weniger junge Menschen gibt.
00:24:17: Die beispielsweise an Entscheidungsfindungsprozessen wie Wahlenteil nehmen die Gesellschaft und auch die Zukunft aktiv mitgestalten wobei ja sie diejenigen sind die dann in dieser zukünftigen Gesellschaft leben sollen.
00:24:30: Ja, natürlich ist eine Diversität und auch eine Altersdiversität sowie auch eine Geschlechter-Diversität.
00:24:36: Und auch gewisserweise eine ethnische Diversitet gut um sozusagen alle Stimmen entsprechend hören zu können dass alle Stimme sich einbringen können in die politischen Entscheidungsmechanismen.
00:24:48: Das ist ganz klar, ob da jetzt Gewisse prozentuelle Verringerungen, Veränderungen in der Proportionen wirklich eine große Rolle spielen.
00:24:58: Es ist eine andere Frage.
00:25:00: Was mehr eine Rolle spielt, ist wie informiert die Menschen sind.
00:25:04: Ich mache mir größere Sorgen darum, dass eben gewisse Teile der Bevölkerung in allen Altersgruppen nicht genug gefördert sind, nicht genug Potenzial haben, nicht genügend Bildung bekommen haben, bekommen haben, um aktiv sich in so einen Diskurs mit einzubringen.
00:25:24: Die eben auch manipulativen Argumenten gegenüber nicht kritisch genug sein können und das hängt ja schon auch mit dem Bildungssystem zusammen.
00:25:35: Also ich mache mir viel mehr Sorgen darum, um diese ein Viertel oder mehr Personen in Österreich die nichts hinerfassend lesen können.
00:25:43: Wie sollen sie sich produktiv einbringen können?
00:25:46: In eine Gesellschaft, die zunehmend technisiert ist und eine Wissensgesellschaft ist, wo auch künstliche Intelligenz und all diese Dinge, die intellektuell noch herausfordernd sind als es in der Vergangenheit war.
00:26:00: Das bereitet mir viel größere Sorgen bei diesen Menschen.
00:26:04: Sie nicht nur sozusagen, dass sie sich nicht produktiv einbringen können.
00:26:08: Sondern oft sind es dann Sozialfälle die sozusagen das Sozialsystem belasten.
00:26:13: und da hier korrigierend schon ganz früh im Leben in den ersten Lebensjahren einzugreifen, schenkt mir eine viel wichtigere Priorität zu sein als zu schauen, dass mehr Kinder auf die Welt kommen.
00:26:25: Also anders ausgedrückt ist, kommt der Fall dass die Kinder hier sind das man da ordentlich investiert und sich gut um sie kümmert als zu schauen dass noch mehr Kinder geboren werden.
00:26:35: Und sehen Sie die Gefahr beispielsweise?
00:26:37: Dass je weniger wir als Gesellschaft an Kinder gewöhnt sind unter Anführungszeichen also sie präsent sind im öffentlichen Leben und einfach zum Alltag dazugehören, dass wir vielleicht auch dann noch kinderfeindlicher werden?
00:26:52: Ja, es ist natürlich immer schön.
00:26:53: Kinder sind lebendig, Kinder bringen Schwung in die Bude und das ist immer schön wenn bei einer Gesellschaft Kinder mit dabei sind.
00:27:00: aber hier sind wir ja glaube ich eher kinderfreundlicher geworden.
00:27:03: Ich erinnere mich, ich bin im Alter von zehn Jahren erst nach Wien gekommen und da durfte man in der Straßenbahn keinen Mux machen.
00:27:09: Wenn man da irgendein lautes Wort zu seiner Mutter oder dem Geschwister sagt haben wir alle gleich böse rüber geschaut Und das war wirklich kein angenehmes Klima für Kinder.
00:27:19: Und heute dürfen die Kinder aufführen, wie sie wollen und sind befreit da alles.
00:27:25: In dem Sinne sind wir eigentlich, obwohl wir weniger Kinder haben, viel kinderfreundlicher
00:27:29: geworden.".
00:27:31: Herr Lutz vielen Dank für Ihre Einschätzungen!
00:27:36: Das war's für heute Morgen.
00:27:38: hören Sie an dieser Stelle meine Kollegin Cisirabel, die sich auf einen Ausflug in den Weltraum mitnimmt.
00:27:44: Bis zum nächsten Mal Danke fürs Zuhören.
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