Corona, Terror, Iran-Krieg: Das österreichische Pilger-Hospiz in Jerusalem kämpft ums Überleben
Shownotes
Jerusalem ist in friedlicheren Zeiten vor allem zu Ostern ein beliebtes Reiseziel, die Stadt ist dann voll von Touristen und Pilgern. Aber 2026 herrscht einmal mehr Ausnahmezustand. Wegen des Kriegs mit dem Iran ist die Innenstadt leer – und auch das österreichische Pilger-Hospiz hat keine Gäste.
Lucas Maier kennt das Hospiz in der Altstadt seit 2014, seit 2020 ist er Gästehaus-Manager, seit 2024 interimistischer Leiter. Er erzählt im Podcast über den Alltag in Jerusalem in und außerhalb von Kriegszeiten, von der finanziell brenzligen Situation des traditionsreichen Hospizes, den anstehenden Renovierungsarbeiten und davon, wie er als Zivildiener 2014 einen Weg gesucht hatte, seine Erfahrungen im touristischen Bereich auszubauen. Ein Weg, der ihn erstmals ins Pilger-Hospiz in Jerusalem geführt hat.
Seit der Coronapandemie reiht sich Krise an Krise, Pandemie an Krieg. 2024 musste dann der damalige Rektor, Markus Bugnyár, noch dazu wegen Vorwürfen eines ehemaligen Mitarbeiters seinen Posten räumen. Die lange Suche nach einem Wiener Erzbischof hat auch die Interimsamtszeit von Maier auf zwei Jahre anwachsen lassen. Im Herbst übernimmt der jetzige Dompropst von Wiener Neustadt, Franz Xaver Brandmayr, als Rektor des Hospizes.
Gast: Lucas Maier, interimistischer Rektor des österreichischen Pilger-Hospizes in Jerusalem Host: Klemens Patek Schnitt: Audiofunnel/Dominik Lanterdinger
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00:00:05: Es wäre viel los auf der Straße, ein Getränke.
00:00:12: Man kann sich das hier in der Altstadt wirklich fast schon wie aus der typischen Orient vorstellen mit Passatbetrieb.
00:00:18: es ist laut viele unterschiedliche Gerüche die Gewürze, die verkauft werden Die Charoma-Stände, die Verlaufer Zwischentrennen, die ganzen Souvenir Shops wo auch Ikonen verkauft und Weihrauch verkaufen und man wieder einen anderen Geruch hat.
00:00:34: So sollte es sich eigentlich anfühlen, wenn man durch Jerusalem spaziert.
00:00:38: So beschreibt es zumindest Lukas Meier, interimistischer Leiter des österreichischen Plägerhospiz in Jerusalem – erst mein heutiger Gast bei Was Wichtig Ist.
00:00:47: Herzlich willkommen!
00:00:48: Mein Name ist Clemens Patek, ich bin Nachrichtenredakteur der Presse und einer der Podcast Hosts dieses Formats.
00:00:55: Schön dass Sie zu hören.
00:00:57: Jerusalem ist in friedlicheren Zeiten vor allem zu Ostern ein beliebtes Reiseziel, die Stadt World –
00:01:02: wie man so schön sagt!
00:01:04: Aber einmal mehr herrscht Krieg und auch wenn Jerusalem von iranischen Raketen weitgehend verschont geblieben ist.
00:01:10: Reisende zieht es derzeit aus gutem Grund nicht in die Region.
00:01:14: Allein die Anreise wäre ja derzeit fast
00:01:16: unmöglich.".
00:01:18: Das wiederum wird auch für das österreichische Pilgerhospiz immer mehr zum Problem, seit der Corona-Pandemie und dem Terror der Hamas vom siebten Oktober im Jahr ist kaum Phasen zu durchschnaufen – Phasens in denen sich Jerusalem so präsentiert wie Lukas Meier das Eingangs beschrieben hat!
00:01:34: Mit ihm
00:01:35: rede ich über das Leben in Jerusalem die Situation des traditionsreichen Hospices und wie er schon in jungen Jahren erstmals nach Jerusalem gekommen ist, als Ziviliner.
00:01:49: Herr Meier vielen Dank dass Sie sich Zeit nehmen mit uns zu plaudern so kurz vor Ostern.
00:01:53: Guten Morgen!
00:01:54: Guten Morgen.
00:01:55: Danke für der Einladung.
00:01:56: Ich kann mir vorstellen das Medieninteresse ist immer so rund um Ostern groß am österreichischen Pilgerhospiz.
00:02:01: oder teilt mich da meinen Eindruck?
00:02:03: Das ist ganz richtig.
00:02:04: Zu Ostern zu Weihnachten generell rund um die Feiertage Und in den letzten zweieinhalb Jahren war generell das Medieninteresse in unserer Region sehr groß.
00:02:16: Leider etwas zu groß, also wir würden uns wieder ein bisschen mehr Ruhe wünschen.
00:02:21: Es ist natürlich so man ist auch als Journalist froh wenn jemand weiß der einem berichten kann wie es ist derzeit in Jerusalem zu sein In Israel zu wohnen.
00:02:30: Wir erleben sie das Leben derzeit mit dem Krieg.
00:02:34: Es ist ein sehr ruhiges Leben.
00:02:35: Man kann sich das am ersten Wenn wir zu Europa sitzen, vorstellen wie im Jahr-Zw.
00:02:40: zwanzig im ersten Corona Lockdown wo wirklich die Vorgaben noch relativ streng war, wo sehr vieles geschlossen ist.
00:02:49: bei uns ist es so dass seit Kriegsbeginn alle heiligen Städten geschlossen sind sowohl die Grabeskirche für uns Christen als auch Al Aqsa Moschee für die Muslime.
00:03:00: aber auch der Zugang zur Klagemauer ist sehr stark eingeschränkt.
00:03:03: also das trifft alle Religionen hier in Jerusalem gleichermaßen.
00:03:07: Im Allgemeinen ist das Leben auf der Straße ziemlich zurückgefahren, wobei wir jetzt in den letzten Wochen schon merken dass wieder viel mehr los ist auf den Straßen als noch in den ersten Kriegstagen.
00:03:19: Aber wir sind immer noch weit entfernt von einer normalen... Bilgerbetrieb, das sowieso weil kaum Touristen, kaum Ausländer gerade im Land sind.
00:03:28: Und wie oft gibt es Raketenalarm?
00:03:31: Wie war das in den letzten Tagen?
00:03:32: In Jerusalem?
00:03:33: bei uns ist es sehr ruhig also wir haben so alle zwei bis drei Tage ein Raketen-Alarm.
00:03:39: zum Glück ist Jerusalem wie auch in den Letzten drei Jahren so gut wie nie direktes Ziel von Angriffen.
00:03:46: die meisten iranischen Raketen zielen in dem Raum Tel Aviv oder in Süden und Norden des Landes.
00:03:55: Und fliegen aber über Jerusalem hinweg!
00:03:58: Die Raketen werden in sehr hoher Höhe abgefangen, teilweise sogar außerhalb der Atmosphäre.
00:04:05: Da kann es halt immer passieren dass drüben Teile herabfallen... ...und drum ist es auch sehr wichtig wenn es zu einem Alarm kommt sie möglichst einen geschützten Bereich begibt.
00:04:15: in Jerusalem Direkt gab es noch keine direkten Raketen-Einschläge.
00:04:19: Es ist aber schon so gewesen, dass große Trümmer von abgefangenen Raketen auf Jerusalem herab gefallen sind und auch ganz in der Nähe der heiligen Städten gefallen sind.
00:04:30: Weiß man denn immer im Idealfall wohin man sich in Sicherheit bringt bei Raketenalarm?
00:04:34: Hat man da zu seinen Raketen ... Bunker, die man weiß wo man hingehen kann?
00:04:38: Ja mittlerweile ist das ganz klar.
00:04:41: Immerhin ist es für uns jetzt akut ein monatlang schon eine Routine aber wir kennen das ja auch schon aus vergangenen Konflikten bei uns hier im österreichischen Hospizies so dass wir einen Schutzraum haben der bis zu hundert Leuten Platz geben könnte.
00:04:55: das heißt im Ernstfall ist Platz für alle Gäste alle Mitarbeiter und theoretisch auch noch für Teile unserer Nachbarschaft.
00:05:04: Wenn es bei uns wieder mal einen Krisenfall gibt, ist es eh so dass kaum gestern mit dabei im Haus sind.
00:05:09: Wenn man sich in der Stadt bewegt, gibt's sehr viele öffentliche Schälter- und Schutzräume vor allem in den Hotels-, in Barghäusern-, in Schulen- und anderen öffentlichen Gebäuden.
00:05:21: Vor allem außerhalb der Altstadt ist fast überall ein Schutzraum erreichbar.
00:05:26: Innerhalb der Altsstadt haben wir die Besonderheit, dass das Gebiet sehr dicht verbaut ist und sehr viel historische Bausubstanz.
00:05:34: Also innerhalb der Altstadt gibt es wenige offizielle Schutzräume aber natürlich hat man immer die Möglichkeit sich irgendwo in ein Geschäft, in irgendein Raum, in irgend einen Keller zu da rein Bereich zurückzuziehen wo man jetzt einfach auch ein Raum findet, der vielleicht ohne Fenster ist und mal von Druckwellen oder herabfallenden Teilen auch sehr gut geschützt ist.
00:05:55: Jetzt ist
00:05:55: das eine Situation, mit der man in Israel lernen hat müssen zu leben?
00:05:59: Wie haben Sie denn die Veränderung auch im Umgang der Religionen miteinander erlebt seit dem Terrorangriff der Hamas?
00:06:05: Hat sich da noch etwas verschärft?
00:06:07: dann in den letzten drei Jahren jetzt bis zum Krieg sozusagen der wieder andere Gegner hatte ein anderes politisches Thema.
00:06:13: aber wie haben sie das erlebt?
00:06:14: Einerseits ist es so dass das bisschen an Grundvertrauen des bis im Großen und Ganzen weg ist.
00:06:23: Es ist vor allem ein Misstrauen zwischen jüdischen Israelis und Palästinensern, beidseitig durch den siebten Oktober und auch durch den darauf folgenden Krieg in Gaza das letzte bisschen Grundvertrauen weg.
00:06:39: Andererseits ist es so dass wir hier in Jerusalem selbst eigentlich überraschenderweise friedliche Zeit erleben, vor dem Jahr der Höhepunkt war im Jörg.
00:06:51: Es gab in Jerusalem sehr viele Attentate, Messerattentate und Stechereien.
00:06:59: Es gibt immer wieder Attentaten wo Autos bei Menschenmengen, bei Bushaltestellen usw.
00:07:04: gefahren wurden.
00:07:05: Und diese Art von Attentat sind aus Jerusalem quasi verschwunden seit dem Jahr.
00:07:12: Natürlich außerhalb von Jerusalem schaut die Lage anders aus.
00:07:16: da leben wir Einerseits nach wie vor Attentate durch palästinensische Terroristen.
00:07:22: Großteils auch religiös motiviert, weil im Hintergrund steckt immer dieser religiöse Konflikt und andererseits hat auch in den letzten Jahren die Gewalt- und Terrorismus durch radikale israelische Siedler zugenommen in der Westbank.
00:07:37: auf beiden Seiten sind es immer nur die extremen Randgruppen.
00:07:43: im Großen und Ganzen bei neunzig-fünfundneinzig Prozent der Bevölkerung funktioniert zumindest ein gewaltfreies Nebeneinander.
00:07:51: Ich will nicht behaupten, dass es ein friedliches Miteinander gibt aber das gewaltfreienebeneinander funktioniert in den Großen.
00:07:59: um uns jetzt vielleicht mitzunehmen nach Jerusalem, wenn sie jetzt vor die Tür gehen zu einem Wochentag-Vormittag wo Rush Hour wäre.
00:08:07: Was für ein Stadtbild sieht man denn da?
00:08:08: Ist das jetzt im normalen Betrieb einer kleineren Stadt oder ist da kaum wer auf der Straße?
00:08:12: oder wie kann man sich das vorstellen?
00:08:14: Im Normalfall wäre es so, dass an einem normalen Wochentag alle Geschäfte hier geöffnet werden.
00:08:20: Es würde sich die lokale Bevölkerung mit Touristen und Pilgern vermischen.
00:08:25: Es wäre viel los auf der Straße, ein Getränke... Man kann sie das sehen in der Altstadt!
00:08:29: Wirklich fast schon ein bisschen stereotypische Orientvorstellen mit Passarbetriebe.
00:08:34: Es ist laut viele unterschiedliche Gerüche, die Gewürze, die verkauft werden... ...die Charoma-Stände, die Verlaufer Zwischendrin, die ganzen Souvenirshops wo auch Ikonen verkauft und Weihrauch verkauft haben, wo man wieder einen anderen Geruch hat.
00:08:50: Zurzeit ist es so dass die Straßen größtenteils leer sind.
00:08:54: alle touristischen Shops, Souvenirshops Die Hauptsache Pilgerdienen sind geschlossen.
00:09:00: Es sind nur einige wenige kleine Lebensmittelhändler hier geöffnet in der Altstadt, Diapotheken, Banken aber es ist alles zurzeit leider noch auf ein Minimum zurückgefahren.
00:09:12: Es ist nicht so dass das verboten wäre offen zu bleiben aber für viele Betriebe ja ist es einfach wirtschaftlich nicht rentabel zu öffnen.
00:09:21: Was
00:09:21: ist denn das Pigahospiz eigentlich?
00:09:23: Wem gehört das?
00:09:24: was macht das?
00:09:25: Wir sind eine katholische Stiftung unterstehen, im Endeffekt Erzbischer von Wien sind aber eine unabhängige Einrichtung.
00:09:35: Wir sind nicht gewinnorientiert und unser Hauptzweck ist es ein Pilgerhaus zu sein.
00:09:42: Pilgerhaushauptsächlich für katholische christliche Pilger aus Österreich dem deutschsprachigen Raum und Europa Und wir wollen diesen Pilgern Unterkunft bieten einem Bilgerhaus entsprechend.
00:09:57: Einfach, wir wollen nicht ablenken von den heiligen Städten.
00:10:01: Wir sind aber mehr als nur ein Gästehaus.
00:10:03: Wir haben einen Wiener Café-Haus hier vor Ort.
00:10:06: Das wird manchmal bisschen als Gimmick belächelt.
00:10:10: Aber uns ist es einfach wichtig dass wir auch in diesen Zeiten dieses Café Haus bewahren und offen behalten.
00:10:17: Weil das auch einer der wenigen Orte in Jerusalem ist wo Ausländer und Israelis und Palästinenser auf quasi neutralem Boden aufeinandertreffen.
00:10:27: Zusätzlich veranstalten wir im Haus immer wieder Konzerte, Ausstellungen andere Kulturveranstaltungen was uns auch wichtig ist Menschen aus unterschiedlichem Hintergrund zusammenzubringen.
00:10:39: Wir sind nicht gewinnorientiert, wir sind eine karitative Einrichtung wenn In guten Zeiten, in Zeiten wo es keinen Krieg und keine Pandemie gibt.
00:10:50: Wer einen Überschuss erwirtschaften wird das Ganze entweder wieder in die Enstandhaltung unseres hundertfünfzig Jahre alten Hauses investiert oder unser Sozialfonds wird damit bestückt.
00:11:01: In unserem Sozialfond werden verschiedenste vorwiegend christliche Projekte hier im heiligen Land unterstützt aber immer wieder auch muslimische und jüdische Projekten bei uns auch das Zusammenleben hier in Jerusalem wichtig ist.
00:11:17: Jerusalem ist eine Stadt, die allen gehört
00:11:20: und in Zeiten, in denen es nicht gut steht um Jerusalem sind sie da dann auf Spenden angewiesen?
00:11:25: Wir sind absolut auf Spende abgewiesen.
00:11:27: zurzeit ist ein kostendeckender Betrieb absolut nicht möglich.
00:11:33: wir haben einen Freundeskreis der uns durch Spenden am Leben erhält ja der hilft dass das Suspiz überlebt.
00:11:41: Zusätzlich haben wir in den letzten Jahren sehr stark auf unsere Ersparnisse und Rücklagen zugegriffen.
00:11:49: Unser Gebäude ist unter die Jahre der drei Jahre alt, die letzte große Generalsanierung war in den Neunzehn-Achzigern.
00:11:57: Wir planen und überlegen jetzt schon seit Jahren das historische Haupthaus komplett neu zu sanieren.
00:12:04: Aber es sind dann in den letzten Jahren zuerst die Pandemie, dann das siebte Oktober der Gasekrieg, dann der Rangrieg immer wieder dazwischen gekommen und wir haben jetzt leider die Renovierung immer wieder aufschieben müssen.
00:12:17: Mittlerweile ist auch ein Großteil unserer Rücklagen aufgebraucht.
00:12:21: aber uns bleibt die Hoffnung dass der aktuelle Konflikt trotz allem bald zu Ende gehen wird und dass auch nach Ostern für uns wieder ein Neubeginn stattfinden wird.
00:12:34: Und dass wir dann hoffentlich wieder positive, enfriedliche Zeiten zumindest hier in Jerusalem blicken können!
00:12:41: Die Leitung des Österreich-Nuss-Pizzas ist ja normalerweise zweigeteilt.
00:12:45: Sie hatten auch davor und jetzt auch die touristische Seite, die kaufmännische Seite innen.
00:12:49: Es gibt immer einen Rektor der auch vom Erzbischof bestimmt wird.
00:12:53: Der ist jetzt neu ernannt worden, wann ist der Dienstbeginn des neuen Rektors?
00:12:56: im
00:12:56: Herbst?
00:12:57: Am ersten September wird Monsignore Franz Xaver Brandmeier zum neuen Rector bestellt also am ersten September wieder seine Dienst antreten
00:13:05: Und der Rektor ist traditionell ein Geistlicher?
00:13:07: Genau, traditionell.
00:13:08: Aus unterschiedlichen Gründen hat es der Zufall ergeben, dass ich jetzt für fast zwei Jahre interämistisch auch als Rector bestellt wurde.
00:13:17: Inzwischen ist es ja auch eingetreten das der zuständige Erzbischer von Wien in Pension gegangen ist.
00:13:22: Auch dort hat eine längere Übergangszeit gegeben Und seit Jänner haben wir jetzt offiziell den Erzbischof Josef Grünewidl, also unser neuen Protektor und einer seiner ersten Entscheidungen war eben Franz-Gsauer Brandmann zum neuen Rector zu bestellen.
00:13:38: Und wie ist da die Aufgabenteilung?
00:13:39: oder was sind denn die Aufgaben des Rectors?
00:13:41: Grundsätzlich
00:13:41: wird es dann wieder eine Trennung zwischen geistlicher Leitung und wirtschaftlicher Leitungen geben – ich selbst bin Touristiker!
00:13:49: Ich werde mich hoffentlich auf die vielen Bildergäste und die internen Abläufe im Haus konzentrieren können.
00:13:58: Direktor ist Priester, der es für die Seelsorge im Haus verantwortlich, für die allgemeine Repräsentation nach außen was wir hier Nachbarschaftspflege nennen.
00:14:08: Wir sind hier an der Via Dolorosa am Übergang von muslimischen zu christlichen Viertel gelegen.
00:14:14: also da gibt's auch immer sehr viele Besonderheiten zu beachten, die ein geistlicher sehr gut vertreten können wird.
00:14:21: Was auch eine wichtige Aufgabe des zukünftigen Rektors sein wird, wieder Schwung in die Renovierung zu bringen – wie erwähnt der Großteil unserer Reserven ist aufgebraucht als es wird auch wieder eine aktivere Kommunikation mit unserem Freundeskreis und unseren Spendern benötigen.
00:14:41: Aber natürlich wird der künftige Rektor auch mein Vorgesetzter sein, ich will ihm da absolut nichts vorschreiben was er tun muss.
00:14:50: Das kann ich auch nicht aber die Aufgaben ergeben sich hier quasi von selbst.
00:14:56: wir leben im Nahen Osten.
00:14:58: es kann jeden Tag irgendwas Unerwartetes passieren.
00:15:01: also zu sehr Vorausplanern kann man ja gar nicht weil man muss sowieso sich täglich immer wieder an die neuen Herausforderungen anpassen.
00:15:11: Ihr Vorgänger, Herr Bunga ist ja wegen Vorwürfen des Fehlverhaltens freigestellt worden.
00:15:16: Ganz aufgelöst ist dieser Konflikt doch nicht?
00:15:19: Beeinflusst die Causa den Betrieb des Gestos Pizzes oder ist das für Sie im täglichen Betrieb eine abgeschlossene Sache?
00:15:25: Für uns im täglchen Betrieb für das Alltagsgeschäft ist es eine abgeschlossen Sache weil sowohl die Person von der die ursprünglichen Vorwurfe gekommen sind, also auch der ehemalige Rektor nicht mehr in Betrieb sind und nicht mehr im Land sind.
00:15:41: Von dem her ist es für uns, für das tägliche Geschäft ja kein wirklicher Einflussfaktor mehr.
00:15:48: ich glaube dass solche Themen in Österreich vielmehr diskutiert und besprochen werden als das bei uns hier im Haus der Fall ist.
00:15:59: Sie haben mir auch eine recht spannende Geschichte, würde ich mal sagen im Sinne von wie sie nach Jerusalem gekommen sind.
00:16:05: Sie haben schon ihren Zivildienst im Hospiz geleistet in Jerusalem wenn ich richtig informiert bin.
00:16:09: Wie kam es dazu?
00:16:10: Gab's davor schon einen Bezug?
00:16:12: Wie sind sie sozusagen nach Jerusalem gekommen?
00:16:14: Das war eigentlich ein Zufall.
00:16:15: bei mir war das so dass ich eigentlich als siebzehn-achtzehnjährige versucht habe untauglich zu sein.
00:16:23: Ich wollte mich der Werbpflicht entziehen und Das hat leider nicht geklappt.
00:16:28: Ich war tauglich und habe mich dann dafür entschieden, ein Zivildienst zu machen.
00:16:33: Und ich bin eigentlich seit meinem fünften Leben sehr im Tourismus tätig.
00:16:37: Bin Absolvent der Tourismus schon bei Gleichenberg und ich hab nach meiner Matura einfach eine Möglichkeit gesucht wo ich einerseits meine Staatsbürgerpflicht nachkommen kann und gleichzeitig aber im Tourismus arbeiten kann.
00:16:50: Für mich hat sie das... dann ergeben, dass das österreichische Hospiz eine Zivildienststelle war wo ich beides verbinden konnte und bin dann quasi durch Zufall oder ja einfach noch abwägen aller Möglichkeiten hierher nach Jerusalem gekommen.
00:17:06: Und damals gab es auch noch keine großen Sicherheitsbedenken?
00:17:10: Es ist hier in Jerusalem immer wieder ein Auf- und Ab.
00:17:13: Wir haben vorhin schon über Raketenalarm gesprochen.
00:17:15: Ich habe damals im Jahr zwölf Jahrzehntein vierzehn während meinem Zivildienst meinen ersten Raketen Alarm hier erlebt.
00:17:21: Das war damals, wie es auch wieder eine Krieg-Militäroperation, je nachdem, wie man das nennen will, im Gassastreifen gegeben hat.
00:17:30: Und damals dann auch Raketen aus dem Gasserstreifen Richtung Jerusalem geschossen waren.
00:17:34: und das war damals meine erste Erfahrung mit überhaupt mit dem Thema Sicherheit.
00:17:40: Aber Jerusalem dürfte Ihnen auf jeden Fall schon seit damals auch gut gefallen, schließlich sind Sie zurückgekehrt.
00:17:45: Absolut!
00:17:46: Jerusalem ist immer besonders und natürlich waren es dann auch die privaten Umstände, die dazu geführt haben dass ich hier geblieben bin beziehungsweise nach Jerusalem zurückgekehren.
00:17:56: Gibt es für sie eine Schmerzgrenze wie lange ein Intensiv-Eingrig dieser Krieg sein muss?
00:18:01: Damit sie vielleicht sagen das genügt, das tue ich mir nicht mehr an such meine Arbeit in Österreich woanders?
00:18:05: Im Moment denke ich überhaupt nicht daran Jerusalem zu verlassen oder das Land zu verlangen, weil trotz allem ja man kann sich das als europäischer Perspektiv vielleicht schon hervorstellen aber im Großen und Ganzen habe ich ein gutes Leben hier.
00:18:20: Ich habe einen sehr interessanten Job sehr abwechslungsreich wie bereits erwähnt habt.
00:18:25: es passiert hier in der Levante jeden Tag was Neues.
00:18:30: Es gibt immer wieder neue Überraschungen, manchmal positive, manchmal negative aber es ist einfach ein sehr intensives Leben!
00:18:38: Es passiert immer etwas das Wetter ist gut und das Essen ist gut.
00:18:42: also es gibt viele Gründe von hier zu bleiben.
00:18:44: natürlich man kann nicht ausblenden was rundherum passiert.
00:18:48: die aktuelle Regierung im Land ist sehr problematisch Also ist absolut nicht eine Regierung, wie ich sie mir persönlich vorstellen würde.
00:18:59: Aber es stehen Neuwahlen bevor.
00:19:01: also da bleibt die Hoffnung.
00:19:02: das sind diese Richtung.
00:19:03: was beendet?
00:19:04: Die Menschenrechtslage in Gassastreifen und in der Westbank ist sicher nicht so wie man sich das nach europäischen Werten vorstellen will und würde.
00:19:17: Also es gibt sicher vieles, das man kritisieren kann.
00:19:19: Aber wenn ich jetzt auf mein persönliches Leben hier vor Ort schaue, kann ich sagen über gutes und aufregendes und interessantes Leben hier.
00:19:28: Ich selbst bin Ausländer hier, ich bin nicht Teil des Konflikts.
00:19:31: Ich bin keine Konfliktpartei.
00:19:33: Also ich kann's mir auch relativ leicht machen und mich aus dem Ganzen herausnehmen, aus dem heraustenken.
00:19:41: Auch das österreichische Hospiz, dem ich jetzt seit Jahrzehnten sehr verbunden bin.
00:19:46: Ist nicht Konfliktpartei hat unterschiedlichste Herrscher und Gesetzgeber in den letzten Hundertsechzig Jahren erlebt also auch ... Das Hospiz sieht sich nicht als Konfliktpartei.
00:19:57: Ob ich irgendwann wieder nach Europa zurückkehren würde?
00:20:01: Vielleicht in der Pension vielleicht wenn ich ein bisschen älter bin und nicht mehr dieses aufregende Leben haben möchte
00:20:07: Für das Hospiz
00:20:09: selbst
00:20:09: ist da noch Spielraum für eine längere Krise?
00:20:12: oder ist es auch schon eine existenzbedrohende Situation derzeit?
00:20:16: Für das hospiz ist vor allem die Situation wirtschaftlich existenziell bedrohend.
00:20:22: Irgendwann geht's ans Eingemachte, die Zeit zwischen... Geißler abkommen und dem Waffenstillstand im Gaserstreifen, in den vergangenen Oktober bis jetzt Kriegsbeginn war für unsere kurze Zeit wo wir ein bisschen aufatmen konnten.
00:20:37: Wo wir wieder Gäste im Haus gehabt haben weil wir merken dass trotz allem die Gäst ins heilige Land kommen wollen das Gästen bei uns übernachten wollen Und es gibt uns auch den Antrieb weiterzumachen.
00:20:49: Wir merken sehr jetzt wieder, dass wir durchaus auch einige Bildergäste gehabt hätten die gerne jetzt über Ostern je nach Jerusalem gekommen wären aber es scheitert einfach an den Flugverbindungen zum Beispiel also oftmals praktische Dinge.
00:21:02: Es geht finanziell ans Einigemachte Aber wir hoffen trotz allem das der Konflikt sich bald beruhigt Dass es für uns wirtschaftlich wieder begauft geht Und wir bitten und hoffen, dass auch unsere Unterstützer uns nicht entstich lassen werden.
00:21:19: Dann wünsche ich Ihnen leider ruhige Ostertage ab.
00:21:23: für Sie persönlich natürlich ein schönes Osterfest!
00:21:25: Und vielen Dank, dass sie sich die Zeit genommen haben mit uns zu plaudern.
00:21:28: Vielen Dank sehr gerne und auch ihnen und allen Zuhörern ein frohes und gesegnetes Osterfest aus Jerusalem.
00:21:35: Vielen dank
00:21:37: Ja, und wenn Sie jemanden kennen der gerade eine interessante Zivildienststelle mit touristischem Einschlag sucht – vielleicht suchen sie ja selbst?
00:21:46: Das österreichische Pilgerhospiz in Jerusalem nimmt noch Bewerbungen für Sommerherbst-Zweitausendsechsundzwanzig aber auch Zweitausendsiebenundzwantzig entgegen.
00:21:55: Und es gibt auch Voluntariate für kürzere Zeit für alle Altersgruppen.
00:21:59: also wenn Sie das interessiert.
00:22:01: den Link zu den Informationen des PilgerHospiz finden Sie in den Show Notes!
00:22:06: Somit sage ich vielen Dank fürs Zuhören und Bewerbe noch unseren YouTube-Kanal.
00:22:10: Dort finden Sie unseren Podcast nämlich auch immer öfter mit Bild.
00:22:14: Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage!
00:22:16: Für Podcast Nachschub ist bei uns gesorgt, die nächsten Tage hören Sie gerne mal rein bis zum nächsten Mal.
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