Steigt die Gewalt an Wiens Schulen, Bildungsdirektorin Fuchs?
Shownotes
Es kann sich um Drohungen handeln, gewaltvolles Verhalten oder Selbstgefährdung: Es gibt verschiedene Gründe, warum Kinder von der Schule suspendiert werden können. Die Zahl der Suspendierungen in Österreich steigt, in der Steiermark hat sie sich von 95 auf über 200 mehr als verdoppelt. Wien ist naturgemäß Spitzenreiter in der Statistik und zählt in diesem Schuljahr 779 Suspendierungen. Aus der Lehrergewerkschaft werden gewaltvolle Schüler beklagt, die auch schon im Volksschulalter Aggressionen zeigen. Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs spricht im Podcast über Prävention, die psychische Belastung der Kinder und die Meinungsfreiheit des Lehrpersonals
Gast: Elisabeth Fuchs, Bildungsdirektorin Wien Moderation: Sissy Rabl Schnitt: Audiofunnel/DL
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Transkript anzeigen
00:00:05: Die Presse.
00:00:15: In der Steiermark etwa hat sich die Zahl der suspendierten Schülerinnen und Schülern sogar mehr als verdoppelt.
00:00:20: Aus den Lehrergewerkschaften hört man derweil stimmen, die sich über gewalttätige Schüler und Schülerinnen äußern – und das schon im Volksschulalter.
00:00:29: Die Wiener Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs teilt in dieser Folge des Podcasts die aktuellen Zahlen zu den Suspendierungen in Wien, spricht über die Herausforderung für neue Lehrerinnen und Lehrer – und darüber ob diese die Notstände auch in aller Öffentlichkeit adressieren dürfen.
00:00:46: Ich bin Sissi Rabel seit sechs Jahren Redakteurin im Haus und Sie hören die Presse was wichtig ist!
00:01:00: Die erste Frage vielleicht zum Verständnis für unsere Zuhörer und Zuhärinnen.
00:01:04: Wann kommt denn zu einer Suspendierung an Schulen?
00:01:07: Und wie läuft sie auch?
00:01:08: Also es ist mir mal wichtig vorab zu betonen, eine Suspendierung ist eine Sicherheitsmaßnahme.
00:01:14: Es wird oft mit einer Sanktion verwechseln aber die Suspendierung ist eine Sicherheit-Maßnahme und zu dieser Sicherheit-Massnahme kommt es dann wenn eine Gefährdung besteht und zwar entweder für andere Schüler oder anderen Personen oder für einen Schüler oder eine Schülerin selbst also eine sogenannte Selbstgefährdungs.
00:01:32: Was
00:01:32: sind denn die Standards Situationen wozu eine Suspendierung kommt?
00:01:36: Also von Standardsituationen zu sprechen ist immer ein bisschen schwierig, weil jede Situation natürlich ein Einzelfall ist und die Bedingungen sehr unterschiedlich sein können.
00:01:44: Standardsituationen sind entweder Unstimmigkeiten, die halt ein größeres Ausmaß annehmen.
00:01:50: zwischen Schülerinnen und Schülern kann aber auch eine schwere Drohung, das kann sich auch gegen Lehrpersonen richten.
00:01:58: Und wichtig wäre es mir auch noch festzuhalten, die Standardsituation gibt's deshalb nicht.
00:02:02: Weil solche Fälle nicht immer im Unterricht vorkommen sondern auch außerhalb des Unterrichts in Pausen aber auch manchmal vor der Schule, vor dem Schulgebäude oder auf dem Schulweg von oder zur Schule.
00:02:15: Jetzt sind die Zahlen in den letzten Jahren der Suspendierung in gestiegen Österreich weit dieses Jahr waren Sie stehen sie für Wien?
00:02:21: Sind sie noch nichts offiziell Aber in anderen Bundesländern sind sie teilweise in der Steinmark zum Beispiel verdoppelt.
00:02:27: Sie haben das in der Vergangenheit meistens damit gerechtfertigt, dass auch die Anzahl der Schülerschaft wächst.
00:02:35: Kann es das allein sein?
00:02:35: Welche Faktoren gibt's da zusätzlich, die das beeinflussen und ist das Aggressionspotenzial in der Jugendlichen heute größer als noch vor ein paar Jahren?
00:02:45: Also zu den Zahlen können wir sagen, dass wir jetzt die Zahlen erhoben haben Und das sind wir bei sevenhundertneun und siebzig Suspendierungen.
00:02:52: Das heißt, bei uns in Wien – ich kann nur für Wien sprechen und nicht für der anderen Bundesländer – bleiben die Zahlen eigentlich in den vergangenen Jahren gleich wenn man sie rechnet im Bezug auf die gestiegene Schülerinnenzahl sogar leicht zinkend?
00:03:08: Also ich würde sagen Erklären, als Bildungsdirektion führen wir keine Forschung dazu durch.
00:03:14: Da haben auch keine Studien auf die wir uns beziehen.
00:03:17: aber im Allgemeinen kann man sagen dass gesellschaftliche Herausforderungen die es gibt sich grundsätzlich immer auch in der Schule widerspiegeln.
00:03:25: das heißt Gibt es in der Familie, draußen?
00:03:28: In der Peer Group oder auch in der Arbeitswelt gibt's Schwierigkeiten.
00:03:32: Ich glaube die kennen wir alle, die Herausforderungen.
00:03:34: Auch Krisenherde rund um uns herum.
00:03:38: Schülerinnen mit schwierigen Erfahrungen in der Kindheit schon und Vor-Erfahrung.
00:03:44: Und das alles haben wir in der Gesellschaft und das haben wir auch in den Schulen.
00:03:47: Diese Antwort hört ein bisschen
00:03:48: raus.
00:03:48: Es spielt auch
00:03:50: Geschlecht eine Rolle in dieser Debatte.
00:03:53: Also geschlecht spielt grundsätzlich eine Rolle, weil das kann man schon sagen und das wissen wir auch.
00:03:58: Die Mehrzahl der suspendierten Schüler sind männlich eindeutig und Migration spielt insofern eine Rolle als unsere Schülerinnenpopulation einfach einen Migrationsanteil hat, der ist da und deshalb ist es auch ganz klar dass Schülerinnen mit Migrationshintergrund suspendiert werden aber natürlich auch Schülerinnen die hier geboren sind.
00:04:18: ja
00:04:19: Aus der Lehrerinnen-Gewerkschaft hört man auch, dass zum einen die Schwere der Vorfälle teilweise zunimmt.
00:04:27: z.B.
00:04:27: Kinder schon lernen im Volksschulalter teilweise drohen, wie erklären sie sich das?
00:04:33: Das ist das was ich auch so wiedergespielt bekommen.
00:04:36: Also wie ich schon eingangs gesagt habe jede Suspendierung ist ein Einzelfall.
00:04:40: wir haben natürlich Auswertungen dazu was die Gründe für Suspendierungen sind.
00:04:45: da steht natürlich die körperliche Gewalt an erster Stelle dicht gefolgt von verbalen Übergriffen und die Schwere ist tatsächlich unterschiedlich.
00:04:56: also Wir erheben natürlich nicht bei jeder einzelnen Suspintierung, was ist genau passiert.
00:05:00: Ein gewisser Protent wird auch von Vorfällen zur Anzeige gebracht.
00:05:04: Da kann man jetzt grundsätzlich davon ausgehen, dass da wahrscheinlich schon etwas Gröberes passiert ist.
00:05:10: Ist die Zahl dieser Anzeigen im Element gestiegen?
00:05:13: Also die Zahl der Ansagen über viele Jahre hinweg geht, sie ist tatsächlich angestiegen in einem gewissen Maß.
00:05:18: Aber dazu muss man dazu sagen dass wir in den vergangenen Jahren natürlich auch mehr näher an den Sachen dran sind genauer hinschauen und wir eine wirklich gute Kooperation mit der Landespolizeidirektion Wien haben, die uns bei schwereren Fällen sehr gut unterstützt aber das muss man dazusagen auch in der Prävention sehr unterstützt ja?
00:05:38: Und daher kommen jetzt natürlich mehr delikte nehme ich einmal an auch zur Anzeige.
00:05:44: Weil Sie jetzt die Koalition erwähnen, was sind denn die präventiven Maßnahmen gesessen?
00:05:48: Also das kommt darauf an.
00:05:49: es gibt strukturelle Maßnahmen eine davon wird mit dem nächsten Jahr sozusagen greifen.
00:05:54: Das ist der Chancenbonus, der uns natürlich in Wien sehr gut unterstützt also die Schulen natürlich vor allem sehr gut unterstützen weil sie sich hier nicht nur lehrpersonal sondern eben auch schulpsychologinnen und SchulsozialarbeiterInnen an die Schulen holen können.
00:06:09: dann haben wir natürlich auch die Maßnahmen aus unserem eigenen Bereich, also Schulpsychologie und Schulsozialarbeit die wir haben.
00:06:17: Wo wird die Schulen unterstützen?
00:06:18: Und es gibt natürlich eine Vielzahl von Projekten und Initiativen die den Schulen zur Verfügung stehen.
00:06:24: Es
00:06:24: werden aber trotzdem aus dem Lehrkörper immer mal Stimmen laut wo schon gesagt wird das wird sehr viel oder immer mehr gefordert vom Lehrer und diese Situationen ausgesetzt mit diesen teilweise schwer umgehen können.
00:06:37: sind Lehrer genug vorbereitet auf auch Gewalt in den Schulen?
00:06:41: Ich nehme diese Forderungen von den Lehrern natürlich sehr ernst.
00:06:44: Und wenn ich immer in Kontakt bin mit Schulen, Schulleitungen und Lehrerinnen höre ich auch die Forderung.
00:06:52: Was die Vorbereitung betrifft ist, man muss dazu sagen wir haben momentan eine Situation wo wir sehr viele neue Lehrerinnen im System haben.
00:07:01: Jetzt ist es natürlich schwierig, sozusagen im Trocken-Training die Lehrerinnen auf Dinge vorzubereiten, die sie dann in den Klassenzimmern erwarten.
00:07:09: Im Normalfall ist es so, dass es am Standort selber Systeme gibt – also grundsätzlich gibt's ja auch fest verankert das Mentorinensystem,
00:07:17: d.h.,
00:07:17: jeder neue Lehrerin hat eine Mentor oder eine Mentoren, die auch die Aufgabe hat, natürlich in diesen Dingen zu unterstützen und zu begleiten Aber auch natürlich auch die erfahrenen Lehrerinnen und Lehrer im Lehrkörper.
00:07:30: Schwierig, glaube ich ist es vor allem an den Schulen wo sehr viele neue Lehrerinnen sind weil da natürlich dieser Grundstock am Pädagoginnen, die sich schon gut auskennen viel Erfahrung haben ein bisschen fehlt.
00:07:41: Wenn ich jetzt ehrlich was sagen kann zum Beispiel so Dinge wie Supervision haben wir in geringem Ausmaß schon im Angebot aber das wäre natürlich schon schön wenn wir mehr davon hätten.
00:07:50: Es gibt unter den Schülern und Schülerinnen die suspendiert werden sehr viele auch teilweise wieder und wieder suspendiert werden.
00:07:57: Jetzt gibt es eine Maßnahme, die ja glaube ich nächsten Monat gereifen soll – bitte korrigieren Sie mich!
00:08:03: Nämlich diese Suspendierungsbegleitung sollte ausschauen.
00:08:06: Also grundsätzlich, die Wieder-und-Wieder-Suspendierungen ist die Anzahl glücklicherweise nicht allzu hoch.
00:08:11: Fünfundnachtzig Prozent der Suspendierung erfolgen einmalig und fünfzehn Prozent da kommt es zu mehrfachen Suspendierung.
00:08:19: Ja, also die Suspendierungsbegleitung wird wirksam beginnen mit dem kommenden Schuljahr.
00:08:23: Also wird wirklich verpflichtend muss man konkret sagen.
00:08:27: Wir haben in Wien die suspendierung begleitend schon In diesem Schuljahre im zweiten Semester sozusagen auf freiwilliger Basis durchgeführt und das funktioniert so dass die Schülerinnen und Schüler die suspendiert sind ab einer gewissen Anzahl also wenn es drei vier fünf Tage sind greift die Begleitung noch nicht, aber ab einem Zeitraum von zwei Wochen bekommen die Schüler Unterricht an sieben Standorten verteilt in ganz Wien.
00:08:54: Das sind Beratungslehrerinnen und Beratungsehler vor allem eingesetzt.
00:08:58: Und da geht es einerseits einmal darum ganz konkret dass die Schüler den Anschluss nicht verlieren, was den Stoff betrifft und was im Unterricht weitergeht.
00:09:07: Aber es geht natürlich auch sehr viel darum mit den Schülern und Schülerinnen aufzuarbeiten – wie ist das denn überhaupt zu der Suspendierung gekommen?
00:09:14: Was ist da passiert?
00:09:16: Wie können wir damit umgehen dass das nicht wieder passiert?
00:09:19: Und da ist die Erfolgsquote sehr hoch, denn was wir jetzt in einem Semester gesehen haben, die Schüler, die in der Suspendierungsbegleitung waren wurden bis dato nicht nochmals suspendiert ging über und es wurde auch angenommen.
00:09:34: Zur Suspendierung Begleitung gehört natürlich auch einen Elterngespräch dazu ein Verpflichten, dass das mit den Schülern geführt wird und gegebenenfalls weitere Begleitmaßnahmen mit der Kinder- und Jugendhilfe wenn das notwendig ist.
00:09:47: Was hören Sie da aus?
00:09:48: Der Schulpsychologie ist die Nachfrage gewachsen gibt's andere Sorgen neue Sorgen die dann vermehrt vorkommen?
00:09:55: Also was ich so aus der Schulpsychologie aber auch aus meinen Gesprächen mit Schulleiterinnen und Teilweise auch Lehrerinnen höre ist, ja die Nachfrage wächst.
00:10:05: Die wird auch ganz offensiv von den Schülerinnen selbst gestellt.
00:10:10: im Rahmen des Schülerinnenparlaments und der Schülerinnenvertretungen, der Landesschulsprecherinnen
00:10:16: usw.,
00:10:17: kommt das immer wieder dass sich junge Menschen Unterstützung wünschen, psychische Und das kann man jetzt nicht unbedingt auch festmachen an dem familiären oder sozialen Umfeld.
00:10:28: Also es sind oft da auch Schülerinnen, wo auf den ersten Blick betrachtet einmal eigentlich alles in Ordnung sein sollte.
00:10:34: Die aber trotzdem diesen Bedarf an Unterstützung haben.
00:10:37: Letzt
00:10:38: vielleicht noch gab's immer ein Interview für die Presse oder in der Presse mit Thomas Wallach, ein Lehrer und SPÖ-Politiker, der sich geäußert hat über Integrationsprobleme in den Schulen und dann gemeint hat er hätte Probleme bekommen mit der Bildungsdirektion weil er seine Meinung geäussert hat.
00:10:53: dürfen Lehrer und Lehrerinnen die Missstände das gibt ihnen schon ansprechen?
00:10:57: Ja, das dürfen Sie.
00:10:58: Aber es gibt gewisse Rahmenbedingungen an die sie sich halten müssen und das betrifft nicht ihre freie Meinungsäußerung, sondern es betriffe das was sie sagen.
00:11:08: könnte sein dass es den Datenschutz unterliegt also Namen zu nennen von Schülerinnen oder auch den Schulstandort genau zu nenne wenn es um Schülerinnen und Schüler oder um Eltern geht.
00:11:20: Wir wissen es gab in jüngster Vergangenheit ein Interview von einem Schulleiter Ich glaube, wir wissen mit einem Fernsehsender, wo das nicht ganz okay war.
00:11:29: Also solche Dinge sind nicht gut und dürfen auch nicht sein, weil da ging es ja wohl auch um den Kinderschutz.
00:11:35: aber die Meinung äußern dürfen sie selbstverständlich.
00:11:38: Es würde auch wenig Sinn machen dass zu interbinden Denn unsere Schulen sind sehr... also da gehen Eltern hin, da sind die Schülerinnen dort.
00:11:47: ich glaube hier zu sagen Sie dürfen etwas nichts sagen wären nicht sehr sinnvoll Und ganz persönlich haben wir uns auch mit dem Herrn Wallach einem guten Einvernehmen verständigt.
00:12:00: Das
00:12:00: heißt, solange man die Rechte der Kinder in Auge behält, braucht man keine Erlaubnis zur Bildungstereaktion.
00:12:06: Wir möchten es nur gerne wissen.
00:12:07: aber das hat gute Gründe eben genau das zu hinterfragen.
00:12:10: Aber auch muss ich dazusagen zum Schutz der Lehrpersonen oder Schulheitungen die Interviews geben Sie ein bisschen darüber aufzuklären worauf sie aufpassen müssen.
00:12:19: Aber noch einmal Die Genehmigung geht nicht darauf dass wir ihnen sagen sie dürfen etwas sagen oder Nicht sagen sondern meine Presse Stelle meine Pressesprecherin ist gerne darauf vorbereitet, denn wenn immer Lehrpersonen oder Schulleiterinnen Interviews geben kommen danach bei uns natürlich Rückfragen.
00:12:35: Ist das wirklich so?
00:12:37: Gibt es dazu genaue Zahlen und so weiter?
00:12:38: und darauf wollen wir gern vorbereitet sein damit man wissen warum diese Anfragen jetzt gerade kommen.
00:12:44: aber sonst haben wir noch nie jemandem untersagt was bestimmt ist nicht sagen zu dürfen Wenn es nicht diesen Rahmenbedingungen und Regelungen widerspricht.
00:12:54: Alles klar!
00:12:55: Danke für das Gespräch.
00:12:56: sehr gerne
00:12:58: Ja, und das war's auch schon wieder von mir.
00:13:00: Mehr zum Thema lesen Sie auf diepresse.com.
00:13:03: wie immer für heute sage ich Tschüss und auf Wiedersehen!
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