Von der Politik in die Klasse: „Man ist nur am Rande mit Schulstoff beschäftigt“ I Sybille Hamann

Shownotes

Von Christine Mayrhofer. Sybille Hamann, langjährige „Querschreiberin“ der „Presse“ und zuletzt Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecherin der Grünen, hat den Schritt gewagt: Für sie geht heuer im Juli ihr erstes Schuljahr als Quereinsteigerin an einer Wiener Mittelschule zu Ende. Gab es Momente, in denen sie sich gedacht hat, so hab ich mir das eigentlich nicht vorgestellt?

Am letzten Schultag spricht sie als Gast in „Was wichtig ist“ über Handyverbot, soziale Probleme an Schulen, den Ärger mit der Verwaltung und darüber, wie sie eigentlich die Bildungspolitik von Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr beurteilt.

Gast: Sybille Hamann, Lehrerin und Querschreiberin der "Presse" Moderation: Christine Mayrhofer Schnitt: Audiofunnel/Dominik Lanterdinger

Mehr zum Thema: >>> Texte von Sybille Hamann

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Transkript anzeigen

00:00:05:

00:00:11: Auf den letzten Schultag freuen sich Schüler, Lehrerinnen und gelegentlich auch Eltern oft schon seit Wochen.

00:00:18: Herzlich willkommen bei Was Wichtig Ist!

00:00:20: Mein Name ist Christine Meyerhofer und ich bin eine der Hosts dieses Podcast.

00:00:24: Für Gesprächsstoff haben Schulen und die Bildungspolitik in den letzten Monaten jedenfalls gesorgt.

00:00:30: Handyverbot, soziale Probleme und sogar Gewalt an Schulen zu wenig Ressourcen – und zuletzt auch noch zusätzliche Belastungen durch Hitze an vielen Schulstandorten.

00:00:40: Siebille Hamann, langjährige Journalistin unter anderem als Querschreiberin für die Presse und zuletzt Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecherin der Grünen hat den Schritt gewagt.

00:00:51: Für sie geht heuer ihr erstes Schuljahr als Quereinsteigerin an einer Wiener Mittelschule zu Ende.

00:00:56: Zu Gast im Studio hat sie mir erzählt, was sie dort überrascht hat – welche Probleme sie an Wienern Mittelsschulen beobachtet und wie sie eigentlich die Bildungspolitik von Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr so findet!

00:01:14: Guten Tag Frau Hammann.

00:01:15: Schönen guten Tag!

00:01:16: Frau Hammmann, nach vielen Jahren im Journalismus und fünf Jahren in der Politik genauer gesagt als Nationalratsabgeordnete, als Bildungssprecherin der Grünen – was war denn der Moment, in dem Sie dann beschlossen haben?

00:01:27: So jetzt werde ich Lehrerin.

00:01:28: Ja das ist recht lustig passiert.

00:01:30: Ich war ja lange im Journalismus viel in Schulen unterwegs und es hat mich das Milieu immer schon fasziniert also viele Menschen in einem Raum eine Gruppendynamik, wo ja doch Entscheidendes passiert.

00:01:41: Also die Faszination war immer schon da aber es war mir das Milieu immer sehr fremd und ich hab dann als wir politisch den Querinstieg verhandelt haben und das Gesetz irgendwann einmal fertig war saß sich in einem Fernsehstudio und ich musste das erklären und dann kamen wann die Frage ja und wäre das nicht auch was für sie?

00:02:00: Und ich habe dann relativ spontan ohne nachzudenken gesagt Ja weil es mir originell vorkam im Moment und erst dann ist es gesickert.

00:02:07: Ich kann mir das tatsächlich vorstellen.

00:02:09: Und dann habe ich das sofort durchgezogen.

00:02:11: Ist es ja eigentlich eine total nette Geschichte, gerade als jemand der selber in diesen Prozedere involviert war?

00:02:18: Welche Vorstellungen hatten Sie denn vielleicht damals noch vom Lehrerinnenberuf die sich jetzt vielleicht als Falscher wissen haben?

00:02:24: Also ganz falsch nicht!

00:02:25: Das ist fordernd ist und dass ich einen riesen Respekt vorhat.

00:02:28: Das hab' ich immer schon gewusst.

00:02:29: Es ist nicht so... ...ich habe mich das total easy vorgestellt und jetzt bin ich total erschüttert wie die Realität ist.

00:02:34: So ist es nicht.

00:02:35: Was ich nicht ganz richtig eingeschätzt habe ist, wie körperlich anstrengend es ist.

00:02:40: Also man ist wirklich den ganzen Tag, man steht, man rennt herum und geht die Stiegen rauf- und runter.

00:02:44: Man ist permanent im körperlichen Einsatz mit den Kindern und wie emotional intensiv es ist.

00:02:50: also sie sind eine sehr unmittelbare sehr direkte emotionale körperliche Art der Arbeit.

00:02:57: das ist eines jetzt toll.

00:02:59: das fehlt einem ja oft wenn man vom Bildschirm sitzt.

00:03:02: andererseits ist es wirklich anstrendend.

00:03:04: ich falle am Abend ins Bett und schlafe während ich davor jahrelang eher unter dem Problem gelitten habe, dass ich mich ewig herumgewältzt habe und schlaflos war.

00:03:14: Jetzt haben Sie ja als Journalistin auch über international, über sehr harte Themen berichtet – ich glaube jetzt in der Politik ist es auch manchmal ein etwas rauerer Umgangston.

00:03:24: War es trotzdem nochmal irgendwo auch ein bisschen ein Schock sich auf einmal so einen Klassenzimmer Tohova Boho zurechtfinden zu müssen?

00:03:30: Ja

00:03:30: sie sagen jetzt gerade das Wort Tohovo Boho also allein die Aufgabe und quasi am Höhepunkt ihrer Fobertät in einem Raum, wo sie auch viele Stunden, acht, neun Stunden einen Tag verbringen.

00:03:45: Die mal zur Ruhe zu kriegen soweit dass sie eine Mal kurz zuhören damit man ihnen vermitteln kann was jetzt erwartet wird von denen in der nächsten Stunde.

00:03:55: das ist schon eine Herausforderung.

00:03:57: Das kann man nicht gleich.

00:03:58: das kann habe ich mir erklären lassen niemand gleich das braucht noch ein bisschen.

00:04:04: Daran arbeite ich noch und das wird wohl hoffentlich einfacher mit ein bisschen Erfahrung.

00:04:09: Ist es schwieriger, die Aufmerksamkeit von so einem... ...zwarzig-fünfundzwanzig Jugendlichen zu bannen als eine Pressekonferenz im Journalistinnen zu managen?

00:04:18: Man steht anderswo auf einer Bühne.

00:04:19: Ich bin ja auch gewöhnt gewesen, vorträge zu alten Menschen kommen wo hinsitzen, wo freiwillig zahlen, wo möglich sogar eintritt.

00:04:25: Menschen normalerweise sind still wenn jemand redet.

00:04:28: Treizehnjährige sind das nicht!

00:04:30: Sie haben einmal geschrieben Manche Dinge würden Sie nach Ihrer Zeit in der Politik nicht mehr so schreiben wie davor.

00:04:38: Was würden Sie denn jetzt, nach einer gewissen Zeit an der Schule, nicht mehr schreiben wie dvor?

00:04:43: Gerade in der Bildungspolitik sind wir ja immer sehr schnell gewesen.

00:04:48: mit den Ratschlägen, wie die große Reform jetzt passieren soll.

00:04:52: und meine Demos habe ich insofern ein bisschen gelernt auch in derpolitik das ich gemerkt hab.

00:04:57: man kann zwar Gesetze machen Aber was dann in der Realität passiert, hat nicht unbedingt mit den Gesetzen zu tun.

00:05:03: Also ich kann mich auch erinnern... Ich bin ja in die Politik gekommen und habe geglaubt welche Gesetze müssen wir jetzt alle ändern damit sich in der Schulrealität etwas ändert?

00:05:11: Und bin draufgekommen als man mir gesagt hat du!

00:05:14: Wir müssen für das und dass gar keine Gesetzer ändern weil es ist längst alles möglich.

00:05:18: Es passiert nur aus verschiedensten Gründen nicht und diese Gründe verstehe ich jetzt in der realität sehr viel besser.

00:05:24: also umstellungsprozesse an einem Standort, wo Dreißigvierzig Lehrkräfte mit ganz unterschiedlichen Biografien und unterschiedlichen Interessen etwas gemeinsam tun müssen.

00:05:35: Da einen Umstellungsprozess im laufenden Betrieb zustande zu bringen ist wirklich eine Riesen-Herausforderung.

00:05:42: die kann man zwar fordern aber sie umsetzen ist wirklich nicht leicht.

00:05:47: Was sind denn so Gründe wo Sie sagen da agzt dann in der Praxis obwohl eigentlich die legislativen Rahmenbedingungen passen würden?

00:05:56: eines der größten Probleme, dass ich sehe im Schulalltag ist.

00:05:59: Wir kleben in den allermeisten Schulen immer noch in diesem fünfzig Minuten Rhythmus drinnen.

00:06:05: Ich weiß inzwischen, da steht gar nicht ein Gesetz.

00:06:08: Nirgendwo ist vorgeschrieben das der Schulalltag in fünfzig Minute Einheiten zu passieren hat und die Chemie-Lehrerin von der drei B in die vier A wechseln und alle fünfzehn Minuten die Kinder ein anderes Hälfte auspacken.

00:06:18: Trotzdem ist es in neunzig Prozent der Schulen immer nach der Normalfall.

00:06:24: Das liegt wie ich inzwischen weiß Am Administrationssystem der Schulen, also das Visionen, dass Winder hat ist das Tor zur Hölle kann ich Ihnen verraten.

00:06:35: Da wird alles auf komplizierteste Weise umgerechnet in fünfzig Minuten Einheiten sowohl was die Bezahlung der Lehrkräfte als auch was die Schulverwaltung, die Räume, die alles betrifft.

00:06:46: Das ist ein System von Vorgesterns mit den Erfordernissen wie eigentlich Lernen heutzutage passieren sollte, überhaupt nicht mehr gerecht wird.

00:06:54: Also zum Beispiel für so Dinge wie Coaching, individuelle Begleitung, dass man mit Cheingruppen sich wohin setzt, dass mehrere Lehrer im Team arbeiten – das ist nicht abbildbar in der Schulverwaltung und deswegen findet es nichts statt!

00:07:06: Sie haben auch einmal geschrieben, dass Politikerinnen viel so kommunizieren und sprechen müssen wie sie es eben tun.

00:07:13: Auch wenn wir das als Bevölkerung oft nicht gut heißen weil's eine bestimmte Erwartungshaltung gibt an sich oder bestimmte Kommunikationsformen der Politik gibt die dann von der Öffentlichkeit besonders diskutiert werden ist das wenns darum geht wie Schule in der Öffentlichkeit repräsentiert wird?

00:07:32: Also ich habe schon gemerkt, dass Lehrkräfte sehr drunter leiden dass sie sich in der Öffentlichkeit falsch wahrgenommen fühlen.

00:07:38: Also jahrzehntelang hat uns als Berufsstand nachgehangen, das Mal zu verferern – eh so viel Zeit haben!

00:07:45: Das hat sich zwar schlagartig geändert seit den Coronajahren.

00:07:49: ich glaube seither ist der Respekt vor dem Lehrerberuf dramatisch angestiegen.

00:07:55: trotzdem spüre ich unterschwellig doch immer noch einen mangeleren Wertschätzung und das finde ich zum Teil tatsächlich berechtigt weil Die, die sich wirklich in diesem Geschäft einen Haxen ausreißen.

00:08:09: Es wird nicht wahrgenommen was Schulalltag alles für Lehrkräfte bedeutet.

00:08:13: Man ist ja nicht nur für Stoff zuständig man ist eigentlich sogar in den Pflichtschulen zumindest am Rande mit Stoff beschäftigt.

00:08:22: das viel wichtigere ist sozialer Umgangsformen und soziale Kompetenz.

00:08:29: Das sind alles Dinge, die fordern enorm viel auch am persönlichen Einsatz und der wird tatsächlich auch nicht abgebildet in der öffentlichen Debatte.

00:08:37: Wir hören ja auch ständig in den Medien was Schulen alles leisten sollten und die Liste der Dinge, ja?

00:08:43: Die Klisten der Kompetenzen, die wir Kinder vermitteln sollten – dies mit zwischen Sohn endlich lang!

00:08:47: Ich frag mich immer wann und wo und in welchem Raum Sollte das eigentlich alles stattfinden, was wir hier von der Gesellschaft als Aufgaben aufgebürdet kriegen?

00:08:57: Sie wissen es ja noch viel besser als ich.

00:08:58: Es steht auch in jedem Lehrplan, stehen ja anfangs irgendwie zwanzig Themen die eigentlich eh alles abbilden, die dann aber in allen Fächern Platz finden sollen... Das

00:09:07: wird dir auch immer gefordert.

00:09:08: für jedes neue gesellschaftliche Problem.

00:09:10: Das Auftaucht brauchen jetzt ein neues Schulfach!

00:09:13: Dann sitzen wir vierundzwanzig Stunden am Tag in der Schule und ich glaube nicht dass davon irgendwer das besser wird.

00:09:18: Schauen wir uns diesen Alltag an Schulen einmal genauer an, sie unterrichten in einer Wienermittelschule.

00:09:23: Also das ist ja auch ein Schultypus der medial sehr präsent ist.

00:09:27: Da wird oft gesprochen und geschrieben über Migrationen, über soziale Problematiken... Das ist vielleicht aber auch ein Kosmos den viele vom medialen Publikum also die jetzt beispielsweise nicht in Wien leben oder mit Schulen nichts zu tun haben?

00:09:40: Auch gar nicht!

00:09:41: Abseits der Medialenberichterstattung kennen.

00:09:43: Wie ordnenden Sie diesen medialen Diskurs so ein?

00:09:46: trifft er die Probleme, die da sind?

00:09:49: Also mich schockiert wirklich manchmal wie groß die Kluft ist zwischen dem was medial wahrgenommen wird auch was Schule betrifft und dem was die Mehrheit der Kinder in Wien betriffte.

00:10:00: also wir haben einen in den Großstädten zweigeteiltes System.

00:10:05: Wir haben eine Welt des Gymnasiums wo jetzt die meisten Kinder der Journalistinnen, der Politikerinnen eigentlich von allen die sich medial äußern hingehen.

00:10:13: Und dann haben wir in den Mittelschulen das ist immerhin Die Hälfte der Kinder von Wien geht dorthin.

00:10:18: und aus dieser Realität Das findet sich in der öffentlichen Debatte kaum wieder.

00:10:23: Wir haben

00:10:24: uns daran gewöhnt die Hälften der Kinder auszusortieren In einem Schultypus.

00:10:27: wo wird diesen Kindern nicht begegnen?

00:10:30: Das heißt natürlich auch dass die den anderen nicht begegnen, dass die ganz wenige Möglichkeiten haben sich eine Welt jenseits der Welt ihrer Eltern vorzustellen.

00:10:39: Dass sie ganz wenig Vorbilder haben wo es darum geht wie können Wege zur Matura zur Universität ausschauen während das für Kinder im Gymnasium komplett normal ist und nachher weiterbildende Ausbildung macht.

00:10:52: Dieses Auseinandertriften halte ich für ein tatsächliches gesellschaftspolitisches Problem.

00:10:56: Wie welche Rolle spielt der Migrationshintergrund oder Migrationsbiografien?

00:11:01: Jetzt wird gerade der Wiener Stadtpolitik und die Grünen, die nimmt man da so gesinnungstechnisch auch immer gleich mal mit vorgeworfen.

00:11:08: Dass es da ganz lange nicht ausreichend hingeschaut worden ist was Probleme an Wienerschulen angeht.

00:11:15: Das das viel schön geredet worden ist doch ganz lange.

00:11:17: Ist da gar nichts dran?

00:11:19: Selbstverständlich ist da etwas dran.

00:11:21: ich möchte noch nicht immer das Wort Problem als erstes nennen.

00:11:24: wir haben die Realität in Wien Die heißt, dass die Mehrheit der Menschen hier Migrationsbiografien haben.

00:11:31: Das heißt wir reden nicht von irgendeiner abseitigen Randgruppe sondern wir reden von mehr als der Hälfte der Wiener Bevölkerung In den Mittelschulen.

00:11:38: da geht die Arbeiterklasse von Wien hin und ihre Kinder.

00:11:41: das ist nicht eine kleine Gruppe das ist ein...das ist der Mainstream der österreichischen Gesellschaft.

00:11:47: nur hat man sich im Gymnasium angewöhnt Brandgruppe zu betrachten.

00:11:52: Und Migrationsbiografien haben ja nicht nur die Kinder in dieser Schule, aber auch einige Kinder im Gymnasium.

00:12:00: Die haben vor allem sehr viele Lehrkräfte inzwischen.

00:12:02: Also die gesellschaftliche Realität hat Migrations-Biografien und keine Obskureminderheit.

00:12:09: Das heißt, wenn ich das jetzt weiter denke.

00:12:11: Wenn wir über Schule sprechen auch jetzt medial oder überhaupt in der Öffentlichkeit dann geht es eben ganz oft um Lehrpläne und irgendwie Pisa-Ergebnisse solche Dinge.

00:12:21: Das ist vielleicht gar nicht das Zentralste?

00:12:23: Also Ich halte Teilhabe für eines der zentralen Ziele von Schule.

00:12:29: Wir müssen den Kindern die wir hier haben Und sie haben nun einmal zum Großteil Migrationsbürographien ermöglichen, an unserer Gesellschaft konstruktiv teilzunehmen.

00:12:41: Das hat zum Teil mit Sprache zu tun.

00:12:44: Wir sehen aber gleichzeitig nicht... Also wir haben immer so einen Deutschdefizit im Titendiskurs.

00:12:50: also wir sehen ja nicht dass diese unglaubliche Vielfalt auch der Herkünfte und die Vielsprachigkeit, was man ökonomisch nutzen könnte.

00:13:00: Da fehlt mir schon noch ein bisschen die Wahrnehmung das wir hier auf einem Reichtum sitzen der sehr an den Rand geschoben wird.

00:13:07: Also ich habe ja auch Kinder kennengelernt, wo ich dann sage, versuch das vielleicht in deiner Sprache zu sprechen oder hinzuschreiben wenn du das Wort auf Deutsch nicht kannst die dann sagen Ja bei meiner Sprache kann ich nicht schreiben da sieht man dass Wissen verloren geht was ich unglaublich schade finde.

00:13:24: gab es Momente in den letzten Monaten wo sie sich gedacht haben aber so hab ich's mir jetzt nicht vorgestellt.

00:13:35: Was ich lustig finde ist, wenn Kinder Anschluss nehmen Erfahrungen die ich außerhalb der Schule gemacht habe.

00:13:44: Also zum Beispiel... Wenn sie Orte erwähnen wo ich mal war waren Sie mal im Bagdad, waren sie mal in Kosovo Das sind Momente wo man merkt dass man einen anderen Zugang zu Kindern kriegt das sie einer noch anders wahrnehmen.

00:13:57: Da hab' ich nicht gedacht dass ich das.. Dass das in der Schule überhaupt eine Rolle spielen wird.

00:14:01: aber ich sehe dass es gerade den persönlichen Austausch mit Kindern wichtig sein kann, dass man ihnen auch auf diesem Weg biografisch persönlichen All kommt.

00:14:09: Das hat kleine Street Credibility die man da aufgefahrt hat.

00:14:14: Sie haben das ja schon ganz gut angesprochen wie eben Faktoren wie soziale Herkunft oder Sprachkenntnisse im Schulalltag präsent sind?

00:14:22: Wie gut gelingt denn in der Praxis, dass diese Faktorenschülerinnen und Schülern nicht zum Verhängnis werden?

00:14:27: wir wissen ja nach wie vor, dass Bildung in Österreich vererbt wird.

00:14:32: liegt das am System, liegt es an der Praxis?

00:14:35: Dass die Praxis keine Handhabe hat, das besser zu machen.

00:14:37: Also was ich zum Beispiel beobachte ist dass Sprache im Schulalltag weniger das entscheidende Kriterium ist als man vermuten würde.

00:14:46: also wenn ich Kinder sehe die vielleicht noch nicht oder nicht sehr gut Deutsch können kann ich trotzdem merken ob sie wissbegierig sind, ob Sie neue Reize aufnehmen, ob sie etwas wissen wollen ob sie in der Lage sind, neue Informationen zu verarbeiten.

00:15:04: Während Kinder auch wenn sie jetzt Zuhause Deutsch gelernt haben das vielleicht nicht machen?

00:15:09: Also es ist für den schulischen Erfolg die Sprache nicht so entscheidend wie wir in der öffentlichen Debatte immer tun.

00:15:16: Ich beobachte gleichzeitig auch das Phänomen dass wenn man die Eltern kennen lernt.

00:15:20: Wir haben eine Generation von Kindern wo die Eltern oft besser Deutsch sprechen als die Kinder.

00:15:25: also da wird offenbar die Sprach auch die deutsche Sprache nicht vererbt in der Familie.

00:15:32: Und das hat wahrscheinlich zu tun mit den medialen Realitäten und den sozialen Medien, wo sich die Kinder bewegen?

00:15:37: Wie beobachten Sie denn die Präsenz von sozialen Medien an Schulen?

00:15:41: also das ist ja auch etwas was wir im letzten Jahr intensiv debattiert haben.

00:15:46: welchen Eindruck haben sie gewonnen?

00:15:48: Ich finde das schönste immer wenn mich Kinder fragen Frau Lehrerin stimmt es denn dass zum Beispiel die jüdische Verschwörung in Albanien Wie war das mit Epstein?

00:16:00: Wenn ich so mitkriege, dass da Dinge kursieren, wo sie nicht ganz sicher sind und dass sie dann zu Lehrkräften kommen um sich das verifizieren zu lassen.

00:16:10: Das finde ich eine sehr schöne Nachricht, das heißt zumindest Sie haben diesen Gedanken im Kopf.

00:16:15: was ich hier gelesen habe könnte eventuell auch gelogen sein Und die Schule ist doch immer noch die Instanz wo man hingeht um es sich verifiziert zu lassen.

00:16:22: Also über solche Momente freue ich mich.

00:16:24: Man kriegt natürlich in den Momenten gleichzeitig eine Ahnung was da draußen alles an Erzählungen kursiert und man möchte gar nicht wissen, was da noch alles kursieren von dem man jetzt keine Details erfährt.

00:16:35: Ein strenges Social Media-Verbot an Schulen oder Handyverbot an Schulen?

00:16:40: ist das eine gute Idee?

00:16:42: Ja, das Handyverbrot hat sich selbstverständlich bewährt.

00:16:44: allein dass wenn der Ganztagsschule den Kindern am möglichen neun Stunden am Stück ohne Handy zu sein.

00:16:51: diese Handys befinden sich meistens in einem sogenannten Handygefängnis wo sie erst am Ende des Schulterks wieder ausgeholpt werden dürfen, das ist natürlich eine Form der Befreiung für die Kinder.

00:17:01: Gibt es auch Situationen in denen Lehrerinnen und Lehrer mit gesellschaftlichen Problemen konfrontiert werden?

00:17:08: Die Sie in diesem Kosmusschule im Mikro-Kosmosklassenzimmer gar nicht lösen können?

00:17:13: Verständlich!

00:17:13: Das ist eines unserer Hauptthemen.

00:17:16: Man kriegt ja nur Ahnungen davon wie Kinder leben und was sie vielleicht auch an schwierigen Situationen, Konflikten zu Hause mitkriegen.

00:17:26: Wir sind nicht in der Lage einen Kontakt zu erzwingen zu Eltern wenn der nicht gelingt aus verschiedensten Gründen.

00:17:32: aber wir kriegen schon an manchen Indizien manchmal mit das Kinder extrem gefordert sind dass sie zuhause wirklich auch Aufgaben übernehmen müssen entweder für kleinere Geschwister oder dass sie für ihre Eltern da sein müssen.

00:17:45: oder man ahnt manchmal vom Leben überfordert sind und gewisse Dinge einfach nicht mitkriegen.

00:17:53: Das ist nicht ganz leicht damit umzugehen, weil man muss ja ein Kind benoten, man muss es bewerten... Man muss das auch verwahnen!

00:18:00: Und manchmal ahnt man da wird man vielleicht der Komplexität dieser Biografie und der Komplizität der Situation in der dieses Kind aufgewachsen ist, nicht ganz gerecht.

00:18:09: Wir stoßen da an Grenzen mit dem was wir tun können.

00:18:13: Da sehe ich einen Riesendefizit in Österreich an der Schnittstelle zu den Familien, also sprich in der Kommunikation auch zwischen den Schulen und der Sozialarbeit die Zuhause ansetzt eine Lücke besteht.

00:18:27: Gibt es genug Sozialarbeit überhaupt an Schulen?

00:18:29: Nein!

00:18:30: Also eine ganz klare Antwort.

00:18:32: aber gibt's vielleicht auch das Gegenbeispiel so merken Sie manchmal im Klassenzimmer okay so funktioniert Gesellschaft gut.

00:18:39: oder Integration oder wie man es eben nennen will?

00:18:47: Integration funktioniert in einer Schulklasse jeden Tag.

00:18:49: Also allein, dass diese unglaubliche Vielfalt an Herkünften – wir haben ja von ganz arm bis sehr wohlhabend – an Mittelschulen alles.

00:18:59: Es sind nur die sehr wohlhabenden quasi nicht die Autochtones Österreicher sondern mit anderen Biografien.

00:19:04: aber von der sozialen Schichtung her ist er bei uns alles vertreten und die kulturelle Vielfaltung kommt natürlich noch dazu.

00:19:09: also allein das auch die Jugendlichen eine gemeinsame Sprache finden, die sich kaum unterscheidet egal woher sie kommen.

00:19:19: Die, die zu Hause Deutsch sprechen, sprechen diese Art von Jugendsprache.

00:19:24: Die haben da eine gemeinsame Sprache entwickelt?

00:19:27: Das kann man schon jeden Tag als große Leistung sehen!

00:19:30: Sie arbeiten ja quasi auch in den Strukturen, die der aktuelle Bildungsminister Christoph Wiederkehr zu verantworten hat – also damals noch als Bildungsstaatrat.

00:19:39: Wie beurteilen sie eigentlich den Job, den er jetzt macht in der Bildungspolitik, gerade als jemand, der auch die Politik von ihnen kennt?

00:19:46: Manchmal leide ich schon mit ihm.

00:19:48: Ich weiß ja... auch, dass er nicht in ein Ministerium reinkommt und von heute auf morgen jetzt alles machen kann was er will.

00:19:56: Ich sehe das eher viele Dinge ankündigt und verspricht die richtig sind also so Dinge wie zum Beispiel den Chancenbonus.

00:20:02: Also das belastete Schulen wo viele Kinder mit Benachteiligungen hinkommen selbstverständlich mehr Ressourcen brauchen als Schulen wo die Kinder allen alle aus stabilen Hintergründen kommen und wohlhabend sind ist ja quasi Klar, dass das bis heute nicht möglich war, dass der ÖVP abzuringen ist eigentlich eine große Schande und dass Christoph wiederkehr jetzt zumindest den Ansätzen angekündigt hat umzusetzen finde ich super.

00:20:31: Auch was zum Beispiel die Autonomiederschulen betrifft auch da will er das Richtige.

00:20:35: man sieht halt er hat es nicht wirklich strategisch durchgedacht alle verbündeten rechtzeitig an Bord zu holen.

00:20:40: und wenn man natürlich sofort die Lehrergewerkschaft hat die sich auf die andere Seite steht und aufschreit dann sind die Chancen, dass wir das so Ende bringen kann oder umsetzen kann, natürlich sehr gering.

00:20:51: Was würden Sie denn dem Bildungsminister in einem Vier-Augen-Gespräch ganz sagen?

00:20:55: Dass er anfangen muss seine Gegner im Zimmer zu haben und zu überzeugen bevor er mit etwas an die Öffentlichkeit geht.

00:21:03: weil wenn ich zuerst mit meiner Idee rausgehe provoziere ich ja nur den Reflex dass alle dagegen sein müssen.

00:21:09: Wenn ich mich hinstellen kann mit meinen Gegnern und sage das ist unser gemeinsames Projekt dann habe ich die Chance dass sie auch mitziehen.

00:21:17: Wie geht es Ihnen eigentlich jetzt als Lehrerin mit den Strukturen, in denen Sie arbeiten?

00:21:22: Und ich meine nicht den Alltag an der Schule sondern der Verwaltungsapparat.

00:21:26: Der ja auch Schulsystem ist.

00:21:28: also da hört man immer wieder von Lehrerinnen vor allem dass da viel lange dauert viel extrem mühsam ist.

00:21:36: sie haben schon das administrative System angesprochen dass die haben es glaube ich die Hölle genannt.

00:21:41: wie tun sie sich da

00:21:43: wenn man aus anderen Bereichen kommt.

00:21:45: Ist man ja an sich gewöhnt, dass man in Teams arbeitet und Menschen die zusammenarbeiten unterschiedliche Rollen ausfüllen?

00:21:53: Wir haben im Lehrerberuf so eine komische Struktur von gestern ist es am Anfang vorgekommen wie wir sind lauter ich AGs, wir sind ja in der Klasse total autonom was wir machen wie wir unterrichten und wie wir das tun und jeder und jede von uns rennt selber zum Libro um sich quasi die Sachen dafür zu kaufen in die Schule zu karen und zu überlegen was ich da jetzt mit meinen Kindern mache damit.

00:22:15: Mich hat es schon überrascht zu sehen, wie wenig in der Schule etabliert ist dass man in Teams gemeinsam arbeitet und sich auch Dinge aufteilen kann.

00:22:25: Und das liegt natürlich auch an der Schulverwaltung weil die dieses autonome Lehrerbild so verankert hat, dass jede Person einfach nur mit ihrer Klasse ihr Ding macht.

00:22:36: Es gibt so viele Aufgaben einer Schule, die andere Menschen viel besser ledigen könnten.

00:22:41: Es gibt überhaupt keine Grund, warum Lehrpersonen dafür zuständig sind das Kopierpapier aufzufüllen oder die Schul- und Wochen zu organisieren.

00:22:50: Oder die Projekttage oder die Dekoration fürs Schulfest.

00:22:53: Alle diese Dinge machen ausschließlich Lehrkräfte was ja auch eine gigantische Verschwendung von Ressourcen ist.

00:22:59: also viele Dinge könnten IT Menschen Verwaltungsmenschen auch manchmal Freizeitpädagoginnen viel besser erledigen Als Lehrkräfte.

00:23:10: trotzdem haben wir ein total leererzentriertes System, das außer Lehrkräften keine anderen Expertisen in der Schule kennt.

00:23:19: Und wie geht es Ihnen als Lehrerin die vielleicht auch einen besonders guten Brat zur Öffentlichkeit hat aufgrund ihrer Biografie im Zusammenhang damit?

00:23:28: Also weil's jetzt auch in den vergangenen Wochen immer wieder Thema war, wie viele Lehrerinnen eigentlich aus ihrem Alltag erzählen dürfen sich politisch auch äußern dürfen dazu...

00:23:38: Also dass Lehrerinnen nicht aus ihrem Alltag mit ihren konkreten Kindern erzählen, finde ich völlig logisch.

00:23:44: Dass sich Lehrerinnen – speziell wenn sie so wie ich Geschichte und politische Bildung unterrichten – nicht öffentlich-politisch für eine Parteistellung beziehen, find' ich auch richtig!

00:23:55: Dass man über die Realität des Schulwesens und die Herausforderungen unseres Bildungssystems öffentlich redet haltlich hingegen für eine totale Selbstverständlichkeit und die Idee warum man das Lehrkräften verbieten sollte, finde Wer soll's, sollte es erzählen wenn nicht wir.

00:24:11: Abschließend vielleicht das Schuljahr neigt sich dem Ende zu oder endet gerade.

00:24:16: werden sie Lehrerin bleiben?

00:24:18: Oder gibt's noch einmal einen ganz neuen Beruf für Sie?

00:24:20: Na sicher!

00:24:21: Selbstverständlich also jetzt.

00:24:23: das erste Jahr war mal der Sprung ins kalte Wasser.

00:24:26: Jetzt braucht man eine Reflexionsschleife.

00:24:28: Also ich brauchte jetzt im Sommer um mir zu überlegen was hat funktioniert warum Was hat nicht funktioniert warum nicht?

00:24:33: was nehme ich mir vor anders zu machen?

00:24:35: und um herauszufinden ob das alles aufgeht, braucht es ungefähr vier Jahre schätze ich und das ist ungefähr die Zeit, die ich in meinem Berufsleben noch habe.

00:24:45: Also geht sich das alles noch schön aus!

00:24:48: Da freuen wir uns dann auf ein Fazit in diesem Sinne Frau Hammond.

00:24:51: Vielen Dank für den Versuch im Studio und vor allem schöne unterholsame Ferien!

00:24:55: Sehr gerne

00:24:57: Ja und schöne und erholsame Ferien, das wünschen wir auch allen Lehrern, Schülerinnen und Eltern die heute zugehört haben.

00:25:05: Falls Sie zu jenen gehören, die heute oder kommende Woche in die Sommerferien starten, dann möchten wir Ihnen noch einen Hör-Tipp für die freie Zeit mitgeben – denn der beliebte Erklärpodcast Erklärme Die Welt hat im Juni mit seiner vierhundertsten Folge ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert!

00:25:21: Darin lässt sich Hostant Reha Sater je ein Thema aus Politik, Wirtschaft, Umwelt oder Gesundheit in hintergründigen Gesprächen mit Expertinnen und Experten erklären.

00:25:31: Wir empfehlen beispielsweise die Folge Nummer threehundertdreiundsiebzig – Ein tiefgehendes Gespräch mit dem Publizisten Paul Lentwei.

00:25:39: Diese und weitere spannende Folgen gibt es überall wo es Podcasts gibt oder unter erklärme.at.

00:25:44: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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