42 Prozent Ernteausfall: Gehen uns bald die Erdäpfel aus?
Shownotes
Sind erst mal die Sommertage mit über 30 Grad vorbei, redet man sehr bald nicht mehr über das Thema Trockenheit. Dabei zeigen sich viele der Konsequenzen der heurigen Dürre erst jetzt: die ausgetrockneten Böden führten zu einem Futtermangel etwa in der Viehhaltung, teilweise wurde Heu aus Deutschland zugekauft, mehr als 90 Prozent der Messstellen für Grundwasser zeigen niedrige oder sehr niedrige Wasserstände an, auf vielen Almen ist es zu Futtermangel und Problemen bei der Wasserversorgung gekommen, auch die heimische Stromerzeugung durch Wasserkraft verzeichnet einen Einbruch und in der Folge wird mehr Strom importiert, und etwa der Neusiedler See kratzt an seinem Rekordtiefstand von 2022.
Sehr dramatisch sind auch die Ausfälle beim Anbau von heimischem Mais, Zuckerrüben, Sojabohnen und auch Erdäpfeln ausgefallen. Anita Kamptner von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich spricht in dieser Folge von „die Presse – Was wichtig ist“ über die heurige Kartoffelernte und wie die Bauern darauf reagieren.
Zu Gast ist Anita Kamptner von der Landwirtschaftskammer NÖ
Schnitt: Audiofunnel/DL
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00:00:02:
00:00:04: Die Presse.
00:00:06: Also, die der Busgarten hat weiß was das heuer geheißen hat hier, was Ernten so wollen.
00:00:09: wenn man mit viel Gießen, mit viel Bewässerung kann man das natürlich schon auch schaffen aber es ist eben viel Auswand und für die Landwirte heißt das halt auch sehr viele Kosten verursacht.
00:00:20: Ja, wenn erst mal die Sommertage mit über dreißig oder sogar vierzig Grad vorbei sind, hat man ganz automatisch das Thema Trockenheit nicht mehr ganz so präsent.
00:00:29: Dabei zeichnen sich jetzt erst so richtig die Konsequenzen des ausbleibenden Regens ab.
00:00:35: Etwa die ausgetrockneten Böden, die dazu führten dass es zu Futtermangel in der Viehhaltung kam.
00:00:40: Teilweise wurde Heu sogar aus Deutschland zugekauft.
00:00:44: Knapp neunzig Prozent der Messstellen für Grundwasser zeigen niedrige oder sehr niedrigen Wasserstände.
00:00:50: auch auf den Almen ist das zu Futtermangel und Probleme in einer Wasserversorgung gekommen.
00:00:54: Die heimische Stromerzeugung durch Wasserkraft verzeichnet einen Einbruch und in der Folge wird mehr Strom importiert.
00:01:02: Und manche sehen so, wie etwa der Neusieler See kratzen an Rekordtiv-Ständen.
00:01:08: Selbst wenn es bald regnen sollte ist das noch keine Lösung, sagt etwa Martin Angelmeyer von der Gruppe Wasser in Niederösterreich am Telefon.
00:01:16: Da bräuchten wir jetzt mehrere Monate mit einem deutlich überdurchschnittlichen Niederschlag überall in die Redezeit.
00:01:24: Die Niederschläge in der letzten Woche haben die unmittelbare Trockenheit in den Oberböden etwas gelindert.
00:01:30: Aber davon kam noch nichts im Grundwasser.
00:01:33: Besonders wichtig wäre natürlich euer Schneereich am Winter, weil gerade die Schneeschmelze dann diese langsame Abschmelzen gut für eine Grundwasserneubildung beiträgt.
00:01:45: Das war zwar eben wenig oberflächig wegfließt sondern sehr gut in den Boden einsignet.
00:01:51: Sehr dramatisch sind auch die Ausfälle beim Anbau von heimischen Mais, Zuckerrüben, Sojabohnen und auch Erdöpfen.
00:01:59: Mit ernieter Kampf nahe der Landwirtschaftskammer Niederösterreich spreche ich über die heurige Kartoffelernte und wie die Bauern darauf reagieren.
00:02:08: Ich bin Sessirabel und Sie hören die Presse was wichtig ist.
00:02:15: Jetzt ist es zum massiven ausfällenkommen im anbau von Kartoffeln.
00:02:19: können sie uns vielleicht mal erzählen Was ist da genau passiert?
00:02:22: Und woran liegt das?
00:02:24: Natürlich liegt es in erster Linie an diesem extremen Sommer, den wir alle heuer erlebt haben.
00:02:28: Hitze und Trockenheit sind da das Thema.
00:02:30: Erdäpfel brauchen natürlich Wasser um wachsen zu können.
00:02:33: Und was speziell auch ist, dass die Erwachstumsoptimum eigentlich so zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Grad haben.
00:02:40: Wenn wir jetzt so Temperaturen haben wie man's heuer gehabt hat, dass da auf zwischen dreißig und vierzig Grad gelegen sind dann ist das einerseits nicht nur mehr nicht mehr im Optimum, sondern das sind wir dann schon in dem Bereich wo die Erdepfel wieder von den Pflanzenapparat bzw.
00:02:54: also von der Knalle wieder in den Pflanzenapparat, die Nährstoffe ist ein bisschen zurückgeholt um einfach überleben zu können und es heißt dann, dass einfach dann nicht mehr genug Kraft für den Knollen da ist.
00:03:04: Von wie viel Ausfall sprechen wir da?
00:03:08: Es ist sehr sehr unterschiedlich je nach Region und zum Teil auch ein wenig nach Sorte.
00:03:14: Aber und vor allem auch wirklich sehr klein regional, auf der Argyvita mit zwanzig dreizig Millimeter Niederschlag hat natürlich sehr viel gebracht heuer.
00:03:22: Also wenn es vor allem in den Regen langsam gekommen ist.
00:03:25: Und da sehen wir halt von bis zu.
00:03:27: also wir haben Erträge die heute wirklich sehr schlecht sind.
00:03:31: ja wo man von minus siebzig-minus achtzig Prozent reden auf einzelnen Flächen aber wir haben auch welche was schon ein bisschen besser auch ist.
00:03:40: Also ich glaube im Schnitt, wenn ihr das jetzt richtig in den Kopf habt ist ja die Statistik Austria am Freitag Zahlen veröffentlicht.
00:03:47: Da reden wir über alles drüber von einem Minus von zweiundvierzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
00:03:53: Welche Regionen sind am meisten betroffen?
00:03:55: Also gibt es quasi Hotspots.
00:03:57: Im Prinzip, wenn wir von der Erdepfelproduktion reden sind wir sehr stark in Niederösterreich unterwegs.
00:04:03: Also mit knapp achtzig Prozent der gesamten Erde für Fläche Österreichs liegt die Niederöstereich und da wiederum im Wald- und Weinviertel.
00:04:10: Und im Prinzip gibt es genau in diesen Regionen fast überall Schäden.
00:04:14: Es gibt ganz wenige Gebiete.
00:04:17: eher auf gemeinde Ebene muss man dann sagen was nicht so schlimm ist.
00:04:20: aber sonst sind eben diese Gebiete Wald und Wein viertel als Hauptproduktionsgebiete am stärksten betroffen.
00:04:26: Wie gehen jetzt die betroffenen Bauern mit der Situation um?
00:04:29: Was bedeutet das auch für diese Bauern?
00:04:32: Nein, das ist natürlich für die Bauern eine sehr große Herausforderung.
00:04:35: Jetzt muss man wissen im Vorjahr hatten wir eine relativ grosse Ernte was aber dann dazu geführt hat dass der Preis ja niedrig war.
00:04:41: Das heißt in dem Erdepfelbereich hat man auch im vorjahr im Jahr schon nichts verdient.
00:04:46: und jetzt kommt noch ein Jahr dazu wo halt die Ernte sehr gering ist und wo man ja nix zu verkaufen hat.
00:04:54: und da ankommt er auch Dazu, dass man speziell bei den Erdpfen schon sehr viele Auslagen hat.
00:04:59: Zum Beispiel Saatgutkosten, Dümmelkosten und Bodenbearbeitungsmaßnahmen.
00:05:04: Man fährt auch einige Mal über das Feld rüber und natürlich auch der Pflanzenschutz verursacht alles Kosten.
00:05:11: Nichts Ernte oder zu wenig Ernte, dann habe ich diese Kosten nicht erinnern.
00:05:13: Das heißt, ich habe nicht nur nichts verdient sondern lileg eigentlich auch drauf.
00:05:17: D.h.,
00:05:17: aber letztes Jahr war ja der Sommer genauso... nicht genau so, aber es war mauch sehr heiß.
00:05:22: Warum ist da nicht zu großen Ausfällen gekommen?
00:05:24: War das dann den Niederschlag einfach besser?
00:05:26: Genau!
00:05:27: Also erstens so heiß wie Heuer war er meines Wissens und auch net.
00:05:30: Also Heuer weiß ja schon extremer, extremer Hitzerechord.
00:05:34: Aber im vorigen Jahr waren die Niederschläge einfach wesentlich mehr.
00:05:36: Also das glaube ich nicht, ob man sie neu erinnern kann aber prinzipiell ist es nicht zu vergleichen von den Niederschlacksmengen, die wir in vorher gehabt haben mit heuer.
00:05:44: Gibt's irgendeine Möglichkeit für die Bauern sich auf diese Situation einzustellen?
00:05:47: Gibt es bestimmte Sorten die das zum Beispiel besser aushalten oder was sind Maßnahmen, die ergriffen werden
00:05:53: Genau.
00:05:54: Also dieses Thema, dass es hin zu heißen Druckern in Sommer geht, das sehen wir ja schon länger.
00:05:59: also das ist jetzt nicht... also heuer war's extrem aber das ist ja jetzt nicht so, da wäre das von einem Tag aus dem anderen gekommen und natürlich schon mal, dass man sich da schon anpassen.
00:06:07: Ein wesentliches Thema wäre das Wasser.
00:06:08: allerdings muss man dazu sagen Wir können in Österreich beschätzen von der Interessengemeinschaft Erdpflos, dass mir etwa seventy-fünf Prozent der Erdäpfelfläche nicht bewässern können.
00:06:18: Also den Großteil drei Viertel.
00:06:21: Warum nicht?
00:06:22: weil es dort einfach keine Bewässerungsinfrastruktur gibt.
00:06:24: Also das ist einfach nicht möglich, da gibt's entweder keine Genehmigungen, keine Brunnen oder kein Wasser.
00:06:31: Und man muss jetzt sagen bis vor zehn Jahren war das auch nicht das große Thema, dass wir in der Regel ohne Wasser ausgekommen und dementsprechend gibt es natürlich überlegungen wie man das schafft, dass man Wasser auch in diese Regionen bekommt.
00:06:44: Was wir haben gefragt nach den Anpassungen, was eine sehr starke Versuchung ist.
00:06:48: Dass man natürlich jedes Wasser das kommt auf den Flächen behalten zum Beispiel macht mal sogenannte Zwischendämme also die Erdäpfel wachsen ja in Dämmen und da schaut man mit Geräten schon beim Anbau dass man so quer Strukturen auch rein bekommt, dass wenn es regnet das Wasser nicht weg ist oder nicht wegläuft sondern wirklich am Feld bleibt.
00:07:07: Das ist zum Beispiel so ein Maßnahme die hilft natürlich auch gegen Erosion.
00:07:11: die wir hier jetzt schon wirklich flächendeckern, wie die meisten werden wird das schon anwenden.
00:07:15: Und die Sortenwahl ist natürlich auch entscheidend.
00:07:18: nur man muss wissen wenn man heute beginnt eine Sorte zu züchten hat da das zehn Jahre bis sie auch tatsächlich zur Eintragung kommt also von der ersten Kreuzung bis dann die Sorte auch tatsächlich marktreif ist.
00:07:29: und dann braucht es auch noch ein paar Jahre bis man entsprechend ausreichend Zartgut von dieser Sorte zur Verfügung hat.
00:07:34: Wir haben zum Glück in Österreich Station, die sich noch mit Kartoffelzüchtung beschäftigt.
00:07:40: Das ist die Niederösterreichische Saatbargenossenschaft also das einzige Kartoffelsuchstation Österreichs und da konnten wir schon heuer beobachten dass die jüngeren Sorten von der NÖS heißt die Saatbogenossenschaft abgekürzt, dass die Jüngeren sorten tatsächlich auch ein wenig besser resühen konnten.
00:07:57: Also das ist jetzt im ensuern katastrophenjahr den so einem extremen Jahr ist es natürlich nicht so, dass das dann alles ausgleichen kann.
00:08:05: Aber wir haben schon gesehen, dass die einen Spur länger durchgehalten haben.
00:08:10: Ist Ihre Prognose trotzdem, wird es in den nächsten Jahren weniger Kartoffelbauern geben oder wie wirkt sich das auf die Zahl der Bauern?
00:08:19: Also was wir jetzt schon sehen, ist, dass sich die Flächen etwas verschieben... dass jetzt einfach in Regionen, wo eben bewässert werden kann mehr Kartoffeln angebaut wird und dort, wo es halt so extrem heiß und trocken ist.
00:08:31: Und eben keine Beregungsmöglichkeit besteht, dass da weniger ist.
00:08:33: Aber quasi ist ja schon was, was in den letzten Jahren auch schon passiert ist.
00:08:36: Ich gehe schon davon aus, das hier der eine oder andere überlegt zu reduzieren, weil man sich das dann auf Dauer nicht leisten kann wenn ich eben nicht nur nichts verdienen sondern noch etwas draufliege.
00:08:44: Jetzt
00:08:45: war auch schon die Rede davon, dass wir dieses Jahr vielleicht Kartoffeln oder Erdpfernen importieren müssen aus anderen Ländern.
00:08:51: Ist das ein wahrscheinliches?
00:08:52: Szenario oder von welcher Menge rennen wir da?
00:08:55: Also es ist auf jeden Fall ein wahrscheinliches Szenario, weil wenn man eben sagt im Vergleich zum Feuer minus zweiundvierzig Prozent dann heißt das dass einfach zu wenig da sein wird.
00:09:04: Was die große Frage ist ab wann ist das so... Auf Weihnachten?
00:09:09: nötig ist es erst ab, keine Ahnung, Februar, März-April nötigt.
00:09:12: Das können wir noch schwer sagen weil da kommt auch noch ein weiterer Faktor dazu.
00:09:17: Wir haben speziell in diesen heißen trockenen Jahren kämpft man halt immer vermehrt mit dem Drahturm als Schädling und der macht Löcher in die Knollen.
00:09:25: Und diese Knoll sind jetzt überwiegend natürlich mit geerntet worden, in die Leger gestellt worden und da wird man halt erst im Lauf der Lager- und Aufbereitungssaison sehen wie stark dieser Schaden dann tatsächlich ist und wie viele von den jetzt eh schon wenigen Knolls noch mal aussortiert werden müssen.
00:09:40: Wenn wir jetzt importieren – woher importieren wir?
00:09:43: Weil umliegende Länder werden ja ähnliche Probleme haben von der Klimasituation her!
00:09:47: Das stimmt.
00:09:48: Da muss man aber sagen, dass ich war jetzt selber auch ein bisschen unterwegs.
00:09:52: so dramatisch wie bei uns sehe die Situation eigentlich sonst nirgends also vielleicht gerade noch in Süddeutschland aber weiter oben war es doch deutlich besser.
00:10:03: das heißt eben diese Dramatik die wir hier sehen würde da jetzt nicht so sehr orten.
00:10:06: aber natürlich sage ich mal übermäßige Menge wird wahrscheinlich auch in Europa nicht da sein.
00:10:11: Prinzipiell ist es so, dass Frankreich meistens Speisekartoffel in guter Qualität hat.
00:10:18: Die haben einfach sehr gute Böden und Gewässerung und dann auch noch gute Lagerungen – also die lagern überwiegend im Kühllager.
00:10:25: Wir gehen davon aus, dass zum Beispiel Frankreich Erdäpfel zu uns kommen werden, eventuell auch aus Deutschland.
00:10:32: was wir als Interessengemeinschaft Erdepfelbau auf schon als Appellieren ist, dass man dann nicht aus außerhalb der EU auch Erdäpfel importiert.
00:10:41: In der Vergangenheit war es ja dann schon auch so, dass die zum Beispiel aus Ländern wie Ägypten oder so gekommen sind wo in der Wüste mit sehr viel Bewässerungsaufwand Erdöpfel produziert werden weil wir halt sehen das dort von den gesetzlichen Rahmenbedingungen natürlich auch von den sozialen Rahmenbedingerung ganz andere Standards herrschen und wird es ein extrem Umfeld finden würden.
00:11:01: Warum ist die Kartoffel so besonders betroffen?
00:11:04: oder gibt es mehrere Gemüsesorten, die so stark unter der Trockenheit ergelitten haben?
00:11:09: Zu den klassischen Gemüsekulturen muss man sagen.
00:11:11: Die stehen halt auch oft sehr stark in Bewässerungsgebieten.
00:11:14: Deswegen... Also die sind natürlich auch betroffen, da war halt der Aufwand da entsprechend weil da muss man halt mal schaffen dass man das also jeder dann Hausgarten hat weiß was das heuer geheißen hat hier was Ernten zu wollen.
00:11:25: wenn wir mit viel gießen mit viel bewässern kann man das natürlich schon noch schaffen aber Es ist eben viel Auswand und für die Landwirte heißt das halt auch sehr viele Kosten verursacht.
00:11:34: Das ist jetzt sicher so, dass man da auch gekämpft hat und Probleme gehabt hat aber nachdem viel im Bewässerungsgebiet steht, ist trotzdem was gewachsen.
00:11:43: Und irgendwie schon eingangs sagt einmal bei der Erdepfel haben wir eine andere Situation als in der Großteil ohne Bewässernung und dementsprechend ja schwierig.
00:11:51: dann
00:11:52: Ja dann danke vielmals für diese Expertise und ihre Einschätzungen und vielleicht bis bald dem Studio wieder
00:11:58: Danke und auf Wiedersehen!
00:12:00: Das war's schon wieder aus dem Studio.
00:12:02: Alles Weitere lesen Sie auf die Presse-Top-Com, hören sie bald wieder mal rein.
00:12:06: Auf Wiedersehen.
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